Wallbox-Sharing: Die Wallbox per App vermieten

Die E-Auto-Zulassungen steigen rasant, doch der Lade-Netz-Ausbau hält nicht mehr mit. Dem will das Start-up Sharepnp nun Abhilfe schaffen – mit einer App zum Wallbox-Sharing.

Dennis Merla
Dennis Merla
Zu sehen ist ein E-Auto, das an einer Wallbox lädt
Kann die private Wallbox öffentliche Infrastruktur ergänzen? Die Idee hat Charme [Bildquelle: Fabian Hoberg]

Elektroautos sind bereits heute keine Ausnahme mehr. Inzwischen fahren rund eine Millionen reine Elektroautos und Plug-in-Hybride auf Deutschlands Straßen. Die Zulassungszahlen steigen weiter: Allein für das Jahr 2021 verzeichnet das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) knapp 356.000 Stromer-Neuzulassungen. Während der E-Auto-Bestand derart rasant wächst, kommt der Ausbau der Ladeinfrastruktur nicht hinterher. Die Folgen sind ein lückenhaftes Ladesäulen-Netz und Warteschlangen vor stark frequentierten Ladesäulen.

Um diese Lade-Lücke zu schließen, braucht es am besten flexible und schnelle Lösungen. Die Idee der Gründer der App Sharepnp ist recht simpel: Am besten helfen sich die E-Mobilist*innen künftig selbst. Schließlich besitzen viele E-Auto-Fahrende vor allem im ländlichen Raum eine eigene Wallbox. Und genau dort gibt es wenig Ladesäulen. Warum also nicht die eigene Wallbox öffentlich machen und gegen Gebühr vermieten?

Das Unternehmen Sharepnp entspringt der Start-Up-Schmiede von Siemens Energy und hat eine solche Vermittlungs-App für E-Autofahrende und Wallbox-Besitzer*innen entwickelt. Das Prinzip erinnert sehr an das Buchungsportal Airbnb – nur, dass es bei Sharepnp nicht um Wohnungen und Schlafplätze geht, sondern um Ladepunkte für E-Autos.

Die Sharepnp-Hosts genannten privaten Anbieter überlassen über die App ihre Wallbox anderen E-Autofahrenden zum Laden. Den Strompreis für den Ladevorgang bestimmen die Hosts selbst. Es soll dabei nicht primär um Gewinnmaximierung gehen, sondern um die Nutzung brachliegender Kapazitäten. Denn meist hängt der eigene Stromer nur abends oder am Wochenende am Kabel. Oder nur alle paar Tage, bei heute üblichen Akkugrößen und üblichen Nutzerprofilen. Den Rest der Zeit bleiben die Wallboxen ungenutzt.

Kein Wallbox-Sharing ohne Kleingewerbe?

Generell dürfen Wallbox-Besitzer*innen ihre Wallbox oft und so viel teilen, wie sie möchten. Dann darf der Stromabgabe-Preis aber nicht über dem Strom-Einkaufspreis liegen. Heißt: Kostendeckung ist erlaubt, Gewinnerzielung nicht. Wer mit seiner Wallbox-Vermietung Geld erwirtschaften möchte, muss hingegen ein Kleingewerbe anmelden. Energielieferant*in wird der Host nicht: Er vermiete formal gesehen seinen Parkplatz und stelle den Strom zur Verfügung, heißt es auf der Homepage von Sharepnp.

Soll für das Teilen der eigenen Wallbox die Kaffeekasse klingeln, ist dafür eine Kleingewerbe-Anmeldung notwendig. Dazu füllen die Sharepnp-Hosts eine Gewerbeanmeldung aus und geben diese beim Gewerbeamt ab. Dort kontrollieren die Beamten die Anmeldung, den Reisepass bzw. Personalausweis und nehmen eine Anmelde-Gebühr (zwischen 20 und 65 Euro) entgegen. Darüber hinaus ist eine Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft „BG Verkehr“ erforderlich. Eine Registrierung im Handelsregister ist hingegen nicht notwendig und eine Betriebsnummer erst dann, wenn neben dem Host weitere Mitarbeitende eingestellt werden.

Auf die Gewinne des Kleingewerbes entfällt die Einkommenssteuer, sofern der Grundfreibetrag von 9.744 Euro (für Alleinstehende) bzw. 19.488 Euro (für Verheiratete) nicht übertroffen wird. Eine Gewerbesteuer verlangt das Finanzamt erst bei Jahres-Gewinnen jenseits von 24.500 Euro.

Wallbox-Sharing: Sharepnp mit Community-Gedanken

Die Zulassung als verifizierter Host steht bei Sharepnp nicht pauschal allen zur Verfügung. Es gilt das „Einladungs-Prinzip“. Host kann demnach nur werden, wer von einem anderen Sharepnp-User eingeladen wurde. Dieser Vorgang soll Vertrauen innerhalb der Community schaffen und schwarzen Schafen den Zugang erschweren. Verifizierte Hosts können ihre Wallbox anderen E-Auto-Fahrer*innen anbieten.

Dabei können sie den Zugang zur ihrer Wallbox beschränken. Sollen etwa nur Verwandte, Nachbarn oder Arbeitskolleg*innen laden dürfen, können die Hosts für sie eine exklusive, geschlossene Gruppe erstellen. Dabei geht es für Sharepnp auch um Community-Bildung über das reine Laden hinaus. Als Beispiele für Gruppen weist das Start-Up auf seiner Internetseite etwa die Gruppen „Female_EVDriver“ (übersetzt: weibliche E-Auto-Fahrerinnen), „Tesla-Drivers“ oder „Vegan-Fans“ aus. Im März 2022 startet Sharepnp mit dem Beta-Test der Smartphone-App, Im Juli 2020 plant das Unternehmen das Ausrollen in den deutschen App-Stores.

Weitere Anbieter

Gänzlich neu ist die Idee von Sharepnp nicht. Wer seine Wallbox anderen Elektroauto-Fahrer*innen zur Verfügung stellen möchte, kann schon heute auf zahlreiche Online- und Nachbarschaftsportale zurückgreifen. Auf Seiten wie GoingElectric, AirElectric oder YouCharge.me können die User öffentliche Ladepunkte – aber eben auch ihre private Wallbox – eintragen. Andere User können auf einer Karte die freigegebene Wallbox finden und mit der Erlaubnis des Besitzenden dort ihr Fahrzeug laden. Auch hier bestimmen die Hosts die Preise – entweder als Festpreis oder pro geladener Kilowattstunde. Hier ist ebenfalls eine Kleingewerbeanmeldung notwendig. Die Portale bedienen allerdings weniger und teilweise gar nicht den Community-Gedanken, den Sharepnp integrieren möchte. Etwa das Zuordnen zu Gruppen nach persönlichen Interessen, oder den Austausch von Reiseerfahrungen mit dem E-Fahrzeug innerhalb der Community.

Garfik internationales Netzwerk
Mit Hilfe der Sharepnp-App können private Wallbox-Besitzer ihre Ladestation einfach vermieten. Die App soll ab Juli in den deutschen App-Stores zum Download verfügbar sein [Bildquelle: Sharepnp]

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