ADAC-Pannenhilfe für das Fahrrad

Seit Juli 2021 bietet der ADAC in Berlin und Brandenburg eine Fahrrad-Pannenhilfe an. Eine Idee, die zu gut ist, um es beim Piloten zu belassen.

Björn Tolksdorf
Björn Tolksdorf
ADAC-Helfer bei Fahrradpanne in Berlin
Seit Juli 2021 bietet der ADAC in Berlin und Brandenburg einen Pannenservice für Fahrräder an [Bildquelle: ADAC]

Wenn die Luft raus ist, wird die grüne und gesunde Mobilität auf zwei Rädern schnell zum Nervenkrieg. Eine Fahrradpanne auf dem Weg zur Arbeit oder gar auf der Fahrradtour ins Grüne, weit entfernt vom nächsten Bahnhof? Darauf kann wohl jeder verzichten. Denn Hilfe bedeutet in dem Fall meist: Selbsthilfe, vorausgesetzt man hat das nötige Equipment zur Fahrrad-Reparatur dabei.

Abhilfe schaffen seit Juli 2021 die „gelben Engel“ des ADAC. Zumindest in Berlin und Brandenburg, denn dort testet Deutschlands größter Autoclub derzeit die Pannenhilfe fürs Fahrrad. Mit dem Ziel, den Dienst in der Praxis zu erproben und ihn dann deutschlandweit den rund 21 Millionen ADAC-Mitgliedern anzubieten. Denn wie dem Auto, droht auch dem ADAC eine Sinnkrise: Viele größere Städte wollen den Fahrzeugbestand und den Autoverkehr reduzieren.

So funktioniert die Fahrrad-Pannenhilfe

Notrufnummer: 030 86 86 86 86
  • Fahrt mit dem privaten Fahrrad
  • Fahrrad nach Unfall oder Panne nicht mehr fahrtüchtig
  • E-Bike: Akku defekt oder leer
  • Ort sicher und legal per Auto erreichbar
  • ADAC-Mitgliedschaft
  • Derzeit: Nur in Berlin und Brandenburg

In diesen Fällen hilft der ADAC nicht

  • Gewerbliche Fahrradnutzung
  • Bei fahrlässiger Beschädigung
  • Bei Fahrraddiebstahl (kein reiner Personentransfer)
  • An Stellen, die nicht per Auto erreichbar sind
  • Derzeit: Außerhalb von Berlin und Brandenburg

Damit sinkt mittelfristig auch der Bedarf an ADAC-Mitgliedschaften – wenn sich der Verein nicht als Mobilitätsclub versteht, der seinen Mitgliedern auch dann hilft, wenn sie nicht mit dem Auto unterwegs sind. Denn der Service richtet sich an ADAC-Mitglieder. Die Mitgliedschaft lässt sich jedoch, wie bisher auch bei Autopannen, vor Ort beantragen.

Insgesamt 150 auf Fahrrad-Reparaturen geschulte „Gelbe Engel“ fahren nun in Berlin und Brandenburg, ausgerüstet mit einer breiten Palette an Fahrradersatzteilen. „Wir sind sehr zufrieden mit dem bisherigen Verlauf, warten aber mit der Analyse noch bis Ende der Pilotphase“, sagt ein Sprecher. Noch bis Ende Oktober wertet der ADAC die Fahrrad-Notrufe in Berlin und Brandenburg aus. Bis Anfang Oktober zählt der Club gut 250 Einsätze. Davon entfallen vier von fünf auf das Berliner Stadtgebiet. Der Rest verteilt sich auf das umgebende Flächenland Brandenburg.

Die häufigsten Fahrrad-Pannen

Die große Mehrheit der Radfahrer, die den ADAC wegen einer Panne rufen, hat Probleme mit den Reifen. 75 Prozent der Notrufe entfallen auf diese Pannenart. Zumeist handelt es sich dabei um den klassischen „Platten“: „Nicht jeder hat das passende Werkzeug und einen Ersatzschlauch oder Flickzeug dabei, manche sind auch mit dem Ausbau des Rades überfordert“, sagt ein ADAC-Sprecher auf Anfrage von mobility.talk. Bei manchen Schaltungen oder bei aufwendig konstruierten E-Bikes sei dies keine Kleinigkeit.

Die Pannenhelfer sparen sich diese Arbeit ebenfalls, soweit möglich. Sie verwenden für Pannenreparaturen Fahrradschläuche der Firma Gaadi aus Mönchengladbach. Deren Schläuche lassen sich dank ihrer freien Enden ohne Radausbau montieren. Sie werden einfach zwischen Felge und Mantel geschoben.

Die zweithäufigste Pannenart bilden mit 9 Prozent Probleme an der Fahrradkette. In der Regel handelt es sich dabei um abgesprungene Ketten – nicht jeder Radfahrer fühlt sich sicher dabei, sie selbst wieder aufzulegen – und nicht jeder will sich dies eingestehen. Häufig war es so, dass Männer versucht haben, das selbst zu reparieren, wenn der Defekt beim Rad ihrer Partnerin auftrat“, sagt ein ADAC-Mitarbeiter. „Die sagten dann oft: ‚Das hätte ich mit dem richtigen Werkzeug jetzt aber auch geschafft‘“. Die übrigen Notrufe verteilten sich auf Bremse und Schaltung (je 3%), Elektrik und Schloss (je 2%) sowie sonstige Defekte und Probleme am Fahrrad.

Reifenpanne Fahrrad
Reifenschäden sind bei 75 Prozent der Notrufe das Problem [Bildquelle: picture alliance/chromorange | Alfred Hofer]

Erst Optimierung, dann bundesweites Angebot

Wer mit dem Auto unterwegs ist, kennt die Pannenhilfe der Autoclubs schon lange. Für Fahrradfahrer dagegen ist der Gedanke, dass da ein Pannendienst existiert, ungewohnt und keineswegs gelernt: „Die allermeisten haben sich sehr gefreut und waren sehr glücklich, vor allem, weil sie im ersten Moment nicht mit der Hilfe gerechnet hatten“, sagt der Mitarbeiter.

Diese und weitere Erkenntnisse will der ADAC nun auswerten und dann ein bundesweites Programm für den Radverkehr stricken. Optimierungsbedarf existiert durchaus noch: Wenn das Fahrrad nicht vor Ort repariert werden kann, transportiert es der ADAC derzeit noch mit einem Abschleppwagen ab. „Hier suchen wir eine zweckmäßigere Lösung“, sagt ein Mitarbeiter. Auch werde aufgrund der Erkenntnisse der Pilotphase entschieden, welche Ersatzteile in welcher Menge an Bord sein sollen. Und wo vielleicht noch Schulungsbedarf besteht.

Fahrrad-Pannenhilfe: Eine so schlichte wie naheliegende Idee, dass man sich fragt, ob noch kein Fahrradclub darauf gekommen ist? Doch. Seit 2016 bietet der ADFC seinen Mitgliedern bereits eine Pannenhilfe an. In der Bevölkerung verankert ist der Gedanke, in solchen Fällen Hilfe zu rufen,  jedoch nicht. Ob sich das bald ändert? Der ADFC hat deutschlandweit rund 200.000 Mitglieder – der ADAC rund einhundertmal so viele.

Zu sehen ist Björn Tolksdorf

Fazit:

Nicht nur die Autohersteller wollen Mobilitätsanbieter werden – offenbar gilt das auch für die Autoclubs. Gut so. Eine funktionierende und allgemein bekannte Fahrrad-Pannenhilfe erhöht ganz praktisch die Zuverlässigkeit und Krisenfestigkeit des Radfahrens. Und hat das Potenzial, das Vertrauen ins Radfahren als Verkehrsmittel deutlich zu steigern.  Je mehr und je größere Anbieter es gibt, umso besser.

Björn | @MobilityTalk

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