Autofahrer sollen für Ausbau des ÖPNV bezahlen

Der ÖPNV spielt bei der Mobilitätswende eine Schlüsselrolle. Dafür muss er attraktiver werden. Die Mehrkosten könnten einer Studie zufolge Autofahrer tragen.

Zu sehen sind Züge auf Gleisen
Damit der ÖPNV die EU-Klimaziele bis zum Jahr 2030 erreicht, muss der Staat rund 48 Milliarden Euro investieren[Quelle: Andreas Franke/Picture-Alliance]

CO2-neutraler ÖPNV kostet Geld. Wie viel – das verrät ein Gutachten des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). Damit dieser bis zum Jahr 2030 die EU-Klimaziele erreicht, braucht es demnach etwa 48 Milliarden Euro zusätzlich. Das Geld sei nötig, um das ÖPNV-Angebot auszubauen, mehr Personal einzustellen und neue Fahrzeuge und Konzepte zu finanzieren, heißt es in den Gutachten.

Um etwa ein Viertel müsse das Angebot an Bus- und Bahnverkehr in den Städten und auf dem Land ausgebaut werden, um die die von der Bundesregierung vorgegebene Senkung des CO2-Ausstoßes zu schaffen. Dem Papier zufolge steigen die Kosten für den ÖPNV bis zum Ende des Jahrzehnts um etwa 90 Prozent gegenüber 2018. Aus Fahrkarten-Verkäufen alleine lässt sich das nicht finanzieren. Heute decken die Ticketerlöse etwa zwei Drittel der ÖPNV-Kosten. Den Rest in Höhe von 25 Milliarden Euro schießt der Staat zu.

Die zusätzlich erwarteten Fahrgeldeinnahmen durch mehr Fahrgäste könnten das benötigte Geld nur etwa zur Hälfte kompensieren. Daher könnten den Gutachtern zufolge Bundes- und Landesmittel erhöht werden. Außerdem könnte im kommunalen Bereich zusätzliches Geld mithilfe von Parkraumbewirtschaftung oder einer City-Maut eingenommen werden.

Die Deutschen wollen keine höheren Preise

Mehr Geld für Bus und Bahn wollen die Bürger nicht bezahlen. Einer Allensbach-Umfrage für den Verband der Automobilindustrie (VDA) zufolge, wünschen sich drei Viertel der Deutschen günstigere Fahrpreise und knapp zwei Drittel einen Ausbau des Nahverkehrs. Die Bedeutung des Autos bleibt hingegen weiterhin hoch. 76 Prozent der Befragten halten das Auto für ihren privaten Alltag für unverzichtbar – je kleiner der Wohnort, desto größer dieser Anteil. Doch auch Menschen in Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern halten das Auto für das am wenigsten verzichtbare Verkehrsmittel.

Warum das so ist, darüber gibt der jüngste „Digital Auto Report“ der Strategie-Beratungsfirma PwC Aufschluss. 1.000 Menschen aller Einkommensschichten wurden befragt: Die Großstädter brauchten für ihre Fahrt mit Bus und Bahn etwa doppelt so lang wie mit dem Auto. Ein Zeitnachteil von 30 Prozent gegenüber dem Auto ist für die meisten verschmerzbar. Wird die Parkplatzsuche hinzugerechnet, sind auch 50 Prozent für viele Befragte noch im Rahmen.

Gleichzeitig offenbart die PwC-Befragung bei den Deutschen hohe Ambitionen an nachhaltiges Mobilitätsverhalten. Rund die Hälfte gab an, kürzere Distanzen künftig vermehrt mit dem Fahrrad oder zu Fuß zurücklegen zu wollen und rund ein Viertel will auf Kurzstreckenflüge gänzlich verzichten.

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