Das bedeutet die Öffnung von Teslas Superchargern

Tesla bietet seinen Kunden ein gut verteiltes, schnelles und bisher exklusives Ladenetz. Bald soll es für alle Elektroautos öffnen. Was das für den Hersteller bedeutet.

Constantin Bergander
Constantin Bergander
Teslas firmeneigene Ladesäulen ("Supercharger") sind ein wichtiges Verkaufsargument. Jetzt will der Hersteller sie für alle Automarken öffnen [Quelle: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Chris Carlson]

Tesla gibt sein größtes Alleinstellungsmerkmal auf. Der Elektroautobauer aus Palo Alto will seine markenspezifischen Schnellladesäulen („Supercharger“) für alle Fahrzeuge öffnen. Künftig laden dort nicht mehr nur Model S, Model X, Model 3 und Model Y, sondern jedes Elektroauto mit einem CCS-Anschluss – zum Beispiel die EQ-Familie von Mercedes, die ID-Modelle von VW oder die i-Fahrzeuge von BMW.

Gerüchte über einen solchen Schritt sind bereits seit einigen Jahren in Umlauf. Dennoch überrascht die Bekanntgabe von Tesla-Chef Elon Musk am 20. Juli 2021. Die Supercharger gehören zu den stärksten Verkaufsargumenten der Marke: In Nordamerika, Westeuropa und Ostasien ermöglichen sie Tesla-Besitzern komfortable Langstreckenfahrten. Mittlerweile gibt es weltweit etwa 3.000 Stationen mit rund 27.000 Ladeanschlüssen. In Deutschland verteilen sich 1.000 Ladesäulen auf fast 100 Orte. Öffentliche Ladesäulen sind stellenweise seltener, oft langsamer und generell in der Bedienung komplizierter. Über eigene Ladesäulen verfügt bisher kein anderer Autohersteller.

Trotzdem ergibt das Ende der Tesla-Exklusivität für Elon Musk Sinn – denn leere Ladesäulen verdienen kein Geld. Die Öffnung erhöht die Anzahl der potenziellen Nutzer. Das mag Tesla-Fahrer ärgern, denn sie sind freie Ladeplätze gewöhnt. Aber das reine Vorhandensein von vielen Schnellladesäulen genügt bald nicht mehr als Vorteil beim Neuwagenverkauf. Und Regierungen bieten finanzielle Anreize.

Staatliche Unterstützung für Supercharger-Freigabe

Beispiel USA: Ein verabschiedetes Infrastrukturpaket stellt ein Budget von insgesamt 7,5 Milliarden US-Dollar (umgerechnet ca. 6,4 Milliarden Euro) für die Eröffnung von Ladepunkten bereit. Für diesen Topf qualifizieren sich Ladesäulen, die öffentlich zugänglich sind, von allen Elektroauto-Fahrern genutzt werden und bezahlt werden können. Bisher trifft das auf Teslas Supercharger nur teilweise zu. Mit der Öffnung hätte der Hersteller Zugriff auf einen Teil der Subventionen. Besonders interessant: Er müsste dafür nicht erst in die Errichtung neuer Ladesäulen investieren, hat also vergleichsweise geringe Kosten.

Deutschland unterstützt ebenfalls das Errichten von neuen Ladepunkten. 500 Millionen Euro stehen für den Zeitraum von Sommer 2021 bis Ende 2025 bereit. Davon sollen mindestens 20.000 Schnellladesäulen subventioniert werden. Das zuständige Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur (BMVI) bestätigt nach einer Anfrage von mobility.Talk, dass Tesla bis zu 60 Prozent der Kosten für die Aufrüstung geltend machen kann, wenn der jeweilige Ladepunkt noch nicht gefördert wurde. Zudem wird Tesla bei der Errichtung neuer Supercharger unterstützt, wenn sie für alle Autos zugänglich sind.

Tesla verdient mit seiner neuen Taktik also auf zwei Arten Geld. Der Hersteller lässt sich die Freischaltung bzw. Errichtung bezuschussen und verkauft künftig mehr Strom an die Besitzer von elektrischen Fahrzeugen. Ein weiterer Ausbau der Infrastruktur sollte Überlastungen abfangen. Zu Stoßzeiten könnte es trotzdem zu Wartezeiten kommen. Tesla-Besitzer machen deshalb in Foren bereits ihrem Ärger Luft.

Kein Dauerzustand: Langfristig werden Elektroautos aller Marken Teslas Supercharger nutzen können [Quelle: picture alliance / Bildagentur-online/Joko | Bildagentur-online/Joko]

So laden Fahrer von Fremdmarken künftig an Tesla-Superchargern

Noch im laufenden Jahr sollen die ersten Supercharger für andere Marken eröffnen. Das gelte für alle Märkte, in denen es Supercharger mit CCS-Anschluss gibt, und in den USA. Auf dem Heimatmarkt nutzt Tesla einen eigenen Anschluss. Dort will der Hersteller Adapter bereitstellen. Musk hat bereits Details zur Bezahlmethode bekanntgegeben: Interessenten müssen sich die Tesla-App auf ihr Smartphone laden und ihre Kreditkartendaten hinterlegen. Am Supercharger wählen sie die entsprechende Ladesäule in der App aus und schließen ihr Auto an, dann startet der Ladevorgang.

Genaue Details zu den Kosten sind noch nicht bekannt. Musk deutet an, dass sich der Preis dynamisch an der Auslastung der Ladestation und an der akuten Ladegeschwindigkeit orientieren wird. So will er kurze Ladevorgänge fördern. Vermutlich kostet schnelles Laden bei niedrigem Akkustand also weniger als träger Stromfluss im letzten Drittel. Ob sich für Tesla-Fahrer etwas ändert, ist nicht bekannt. Aktuell bezahlen sie pauschal 40 Cent pro Kilowattstunde. Es ist möglich, dass sie langfristig günstiger laden als Besitzer von Fremdfabrikaten.

Auf jeden Fall laden sie unkomplizierter, denn bei Tesla sind die Kreditkarteninformationen mit dem Auto verknüpft. Der Umweg über eine App entfällt, Aktivierung und Abrechnung erfolgen automatisch.

Darum hat Tesla eigene Ladesäulen

Tesla hat früh verstanden, dass Elektromobilität nicht nur aus leisen Autos besteht. Eine neue Form der Mobilität benötigt die passende Infrastruktur. Mit der Einführung des ersten komplett selbst konstruierten Elektroautos im Jahr 2012 begann der Hersteller deshalb mit dem Aufbau eines passenden Ladenetzes. Schnellladesäulen waren vorher noch nicht vorhanden, weil es keine passenden Autos für die Langstrecke gab. Ein Ladestecker-Standard für hohe Ladeleistungen war ebenfalls noch nicht etabliert – Tesla nutzte einen eigenen Stecker.

Frühe Tesla Supercharger luden zunächst mit einer Leistung von maximal 90 kW. Später stieg die Leistung dieser Ladesäulen auf zunächst 120, dann 138 kW. Dieser Typ Ladesäule ist in Europa kaum noch vorhanden. Supercharger der zweiten Generation (ab 2013) laden mit bis zu 150 kW. Die aktuelle dritte Generation (seit 2018) erreicht mit dickeren, wassergekühlten Kabeln bis zu 250 kW. Mit dem Marktstart des Model 3 (ebenfalls 2018) begann Tesla damit, ältere Supercharger mit einem CCS-Anschluss nachzurüsten. Das Mittelklassemodell nutzt als erster Tesla den Standardstecker. Erst seit diesem Zeitpunkt sind Supercharger physisch mit anderen Marken kompatibel.

Das haben sie bereits unter Beweis gestellt. Denn bei der Einführung der dritten Supercharger-Generation unterlief Tesla ein Fauxpas: Für einen kurzen Zeitraum konnten bereits Fremdfabrikate an den Ladesäulen laden. Die Authentifizierung erfolgt bei den Superchargern nicht in der Säule, sondern am Auto. Überall sonst ist es andersherum. Ein Fehler im Protokoll startete den Ladevorgang ohne Bestätigung des Fahrzeuges. Nach wenigen Tagen war das Problem behoben. Die kuriosen Bilder von Hyundai Kona, Renault Zoe und VW E-Golf an Tesla Superchargern von damals werden aber langfristig zur Realität werden.

So voll wie auf diesem Bild ist es an Teslas Superchargern selten. Ladepunkte an Autobahnen sind unregelmäßig frequentiert und stehen oft leer. Für Tesla bedeutet das: Verlorenes Geld [Quelle: TeamOn]

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