Deutz-Wasserstoffmotor: alte Ideen für neue Konzepte

Deutz bringt seinen ersten Wasserstoffmotor auf den Markt. Doch dieser funktioniert ganz anders als die anderen.

Zu sehen ist ein Wasserstoffmotor der Firma Deutz
Der Wasserstoffmotor von Deutz eröffnet vor allem im Off-Road-Bereich vielversprechende Perspektiven [Quelle: Deutz AG]

TCG 7.8 H2 nennt der Motorenhersteller Deutz seine neueste Kreation. Das Kürzel „H2“ am Ende verrät: es handelt sich um einen Wasserstoffmotor. Der TCG 7.8 H2 funktioniert allerdings ganz anders als herkömmliche Wasserstoff-Antriebe. Denn in Deutz‘ Motor wird der Wasserstoff nicht zur Erzeugung elektrischen Stroms genutzt, der dann einen Elektromotor antreibt. Die Energie entsteht aus der Verbrennung von Wasserstoff. Es handelt sich um einen Verbrennungsmotor, der Wasserstoff als Kraftstoff nutzt.

Der Sechszylinder baut laut Deutz auf einem bestehenden Motorenkonzept auf. Er leistet 270 PS (200 kW) und läuft CO2-neutral. Sein Einsatzgebiet sieht der Hersteller langfristig abseits befestigter Straßen und in der Landwirtschaft. Wegen der bislang noch sehr lückenhaften Tankstellen-Infrastruktur für Wasserstoff, soll der Motor mittelfristig zunächst für stationäre Anlagen, Generatoren sowie im Schienenverkehr eingesetzt werden. Zusammen mit dem Energiekonzern Rheinenergie startet Deutz ein erstes Pilotprojekt, dass die Praxistauglichkeit des Motors unter Beweis stellen soll. Dazu ist eine stationäre Anlage zur Stromerzeugung geplant. Ihren Betrieb soll sie Anfang 2022 aufnehmen.

Der Wasserstoff-Motor: Eine lange Geschichte

Den ersten Wasserstoffmotor baute vor mehr als 200 Jahren François Isaac de Rivaz. Der französische Offizier führte den Wasserstoff in einem Ballon mit sich. Strenggenommen handelte es sich um ein Gemisch aus Steinkohlengas, Wasserstoff und Luft. Von dort aus wurde das Gemisch seitlich in den Zylinder des Versuchsfahrzeugs eingeblasen. Einige hundert Meter legte er damit zurück.

1996 experimentierte MAN mit der Technik und rüstete versuchsweise einige Stadtbusse mit dieser Art Motoren aus. Im Jahr 2000 nahm sich BMW des Themas an und baute in einer Kleinserie von 15 Exemplaren den BMW 750hL, der neben Wasserstoff auch mit normalem Benzin betankt werden konnte. Sieben Jahre später gab es mit dem Modell E68, basierend auf dem BMW 760Li ein weiteres Wasserstoff-Intermezzo. Hier bleib es allerdings beim Prototyp.

Nur 500 Wasserstoff-Autos auf Deutschlands Straßen

Heute versuchen vornehmliche asiatische Hersteller, mit Wasserstoff-Fahrzeugen in den Automobil-Markt vorzustoßen. Toyotas Mirai fährt in zweiter Generation, Hyundais Nexo wird seit 2018 in Südkorea produziert. Besonders weit verbreitet sind die Modelle allerdings nicht: Etwa 500 Wasserstoff-Autos sind derzeit in Deutschland zugelassen.

Dennoch steht man im politischen Berlin hinter der Antriebstechnologie: Laut der „Nationalen Wasserstoffstrategie“ der Bundesregierung sollen besonders de Bereiche gefördert werden, die ohne die Wasserstofftechnologie nur schwierig zu dekarbonisieren sindschwere Industrie oder den Luft-, Schiffs,- und Fernlastverkehr. Im europäischen Straßenverkehr sind die Lastwagen für rund 26 Prozent des ausgestoßenen CO2 verantwortlich. Pkw und Krafträder führen die Statistik mit 62 Prozent an. Perspektivisch könnten Antriebe wie der TCG 7.8 H2 helfen, die Bilanz zu verbessern.

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