Dieses Auto besteht aus Müll

Mobilität trifft Nachhaltigkeit: Ein Team der TU Eindhoven hat ein Elektroauto komplett aus wiederverwertetem Müll hergestellt. Damit treiben sie einen Trend in der Automobil-Industrie auf die Spitze.

TUecomotive Luca Fahrzeug aus Müll, Front, offene Türen
Das kleine Elektroauto soll Nachhaltigkeit und Mobilität verbinden. Fast alle Teile des Fahrzeugs bestehen aus recycelten Materialien [Quelle: Bart van Overbeeke]

Laut Prognosen wiegt der Plastikmüll in Weltmeeren im Jahr 2050 mehr als alle darin lebenden Tiere zusammen. Im Kampf gegen den Plastikmüll in den Weltmeeren hat das Ecomotive-Team der TU Eindhoven eine besonders kreative Idee entwickelt. Das Resultat ist Luca, ein Elektroauto aus Abfall. Das Konzept-Fahrzeug soll aufzeigen, wie sich Nachhaltigkeit und Mobilität miteinander verbinden lassen.

Die knallgelbe Karosserie des Fahrzeugs besteht aus einem Verbundwerkstoff, hergestellt aus Flachs und recyceltem Plastik. Der für die Karosserie verwendete ABS-Kunststoff stammt direkt aus den Ozeanen. Die Scheiben bestehen ebenfalls aus wiederverwertetem Kunststoff, wobei die Tönung laut der TU Eindhoven beim Recyclingprozess entstand. „Mit diesem Auto wollen wir zeigen, dass Abfall ein wertvolles Material ist, auch bei komplexen Anwendungen wie einem Auto“, sagt Teammitglied Matthijs van Wijk. Ziel des Projektes sei es, die Menschen auf ihr Konsumverhalten aufmerksam zu machen und so zur Entwicklung einer Kreislaufwirtschaft beizutragen.

Fahrer*innen werden auf Kokos- und Rosshaar gebettet

Nicht alles im kleinen Luca konnte das Team aus aufbereitetem Alt-Plastik herstellen. Für die Radaufhängung des kleinen Elektroautos kam deshalb recyceltes Aluminium zum Einsatz. Die darin aufgehängten Räder werden von zwei Radnabenmotoren mit jeweils 15 kW (20 PS) Leistung angetrieben. Damit fährt der 420 Kilogramm Kleinwagen bis zu 90 Kilometer pro Stunde schnell. Die Akkus bestehen aus sechs austauschbaren Modulen und liefern Energie für 220 Kilometer.

Einen Infotainment-Bildschirm hat Luca nicht. Für dessen Herstellung würden schließlich seltene Erden gebraucht und die sind ganz und gar nicht nachhaltig. Stattdessen verfügt das Fahrzeug über eine Schnittstelle, an der das Smartphone angeschlossen werden kann. Fahrinformationen wie Navigationsdaten und Geschwindigkeit projiziert ein Head-Up-Display direkt auf die Frontscheibe. Auch an die Sitze stellte das Team den Anspruch der Nachhaltigkeit. Sie sind mit einer Mischung aus Kokos- und Rosshaar gefüllt, der Sitzbezug besteht aus recycelten PET-Flaschen besteht. 

Recycling-Materialien in der Autoindustrie

Mit dem, was die TU Eindhoven auf die Spitze treibt, fangen etablierte Autohersteller zaghaft an. Nachhaltigkeit entwickelt sich mittlerweile zu einem gewichtigen Kaufargument. Im Mazda MX-30 etwa bestehen die Türinnenverkleidungen aus aufbereitetem Alt-Plastik und die Mittelkonsole ziert eine Oberfläche aus wiederverwendetem Kork.

Ford etwa experimentierte mit zurückgewonnener Baumwolle aus alten Jeans. Das Material kam in Türen und Sitzen zum Einsatz. Der schwedische Autohersteller Volvo hat sich gleich höhere Ziele gesteckt. Ab 2025 sollen 25 Prozent des im Auto verwendeten Plastiks aus recycelten Stoffen bestehen. Im Rahmen einer XC60-Studie zeigte der Hersteller bereits eine Mittelkonsole aus Meeresplastik und alten Fischernetzen.

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