Energiekostenvergleich wird Pflicht an Tankstellen

Mehr Transparenz an der Zapfsäule: Eine EU-Verordnung verlangt nun, dass Tankstellen-Kunden Energiekosten vergleichen können. Problem: Die Berechnungsgrundlage ist veraltet, bevor es losgeht.

Redaktion
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Tankstellenzapfsäule
Tankstellen mit mehr als sechs Mehrproduktzapfsäulen sind ab Oktober verpflichtet über die Energiekosten verschiedener Antriebsformen zu informieren [Quelle: Adobe Stock]

Eine EU-Vorgabe soll ab Oktober Verbraucher an den Zapfsäulen größerer Tankstellen über die Energiekosten verschiedener Antriebsarten informieren. Ziel ist es laut Gesetzestext „künftige Kaufentscheidungen der Verbraucher bei der Personenkraftfahrzeugwahl zu unterstützen“. Demnach müssen Tankstellen mit mehr als sechs Zapfsäulen Plakate aushängen, auf denen Kunden ablesen können, wie viel Geld 100 Kilometer Fahrt mit den Energieträgern Benzin, Diesel, Strom und Wasserstoff jeweils kosten würden.

Auf dem gelborangenen Plakat werden die Fahrzeug-Klassen Klein- und Kompaktwagen zusammen ausgewiesen, also etwa Opel Corsa und VW Golf. Die zweite Kategorie sind Mittel- und Oberklassewagen – BMW 3er bis Audi A8.

So funktioniert die Preisberechnung für den Kostenvergleich

Die Berechnung dieser jährlichen Energieträgerkosten erfolgt auf der Grundlage der vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) jährlich veröffentlichten Kraftstoffpreisliste. Ein Liter Diesel kostet demnach im Durchschnitt 1,113 Euro, ein Liter Super-Benzin 1,29 Euro. Eine Kilowattstunde steht in der Tabelle mit 0,274 Euro. Hier wird als Energieträger für Elektroautos der Durchschnittspreis von Ladestromtarifen aus erneuerbaren Energien für private Haushalte bei einem jährlichen Verbrauch von 2.250 kWh Ladestrom angegeben. Das Bundeswirtschaftsministerium hat dafür die Durchschnittspreise des zweiten Quartals verwendet. Seither ist der Preis für Diesel jedoch um rund neun Cent pro Liter gestiegen. 

Welche Fahrzeuge zur Berechnung herangezogen werden, entscheidet sich anhand der jeweils drei meistverkauften Fahrzeugmodelle in den Segmenten Kleinwagen/Kompaktklasse und Mittel-/Oberklasse. Die für die Berechnung genutzten Verbrauchswerte basieren auf den WLTP-Angaben der Hersteller. Die Tabelle kann nur einen groben Kosten-Überblick bieten. Was nicht in die Berechnung einfließt, ist beispielsweise der individuelle Fahrstil, der einen großen Einfluss auf den Kraftstofferbrauch hat. Zudem fahren nicht alle Fahrer eines der zur Berechnung herangezogenen Fahrzeuge.

Die E-Autos kommen nach der Aufschlüsselung am besten weg. Am teuersten unter den sieben genannten Energieträgern ist Superbenzin mit 11,42 Euro pro 100 Kilometern. Laut Energiewirtschaftsverband BDEW liegt ein typischer Haushaltsstromtarif etwas über 30 Cent pro Kilowattstunde. An öffentlichen Ladesäulen seien es aber eher 39 bis 45 Cent und an Schnellladesäulen sogar 49 bis 79 Cent. Das Wirtschaftsministerium rechtfertigt die Nutzung des Haushaltsstromtarifs unter anderem damit, dass mehr als 80 Prozent der Ladevorgänge zuhause stattfänden. Mittelfristig sollen aber auch die Kosten für das Laden unterwegs mit in die Berechnung einfließen.

Statistik Energiekostenvergleich Tankstelle
Der Preisüberblick vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie [Quelle: BMWI]

Beispielrechnung: So viel kosten 100 Kilometer

Anhand der realistischen Verbrauchsdaten des ADAC Ecotest und der Kraftstoffpreistabelle des Bundeswirtschaftsministeriums rechnet mobility.talk für die Modelle Peugeot 208, VW Golf, und ID.3 nach. Der Peugeot e-208 mit permanenterregtem Synchronmotor und einer Leistung von 136 PS verbraucht dem Ecotest zufolge 18,7 kWh auf 100 Kilometern. Den Ladestrom aus erneuerbaren Energien als Energieträger für E-Autos beziffert das Ministerium auf 0,274 Euro pro kWh. Daraus ergibt sich ein Energiepreis pro 100 Kilometern von rund 5,12 Euro. Geringfügig mehr als laut dem Energiekostenvergleich des BMWI also.

Legt man allerdings den Strompreis an öffentlichen Ladesäulen laut Energiewirtschaftsverband BDEW zugrunde, ändert sich das Bild. Bei einem durchschnittlichen Strompreis von 42 Cent liegt der e-208 bereits bei 7,85 Euro, der ID.3 sogar bei 8,10 Euro. Die Energiekosten von Benzin und Strom rücken also deutlich stärker zusammen, der Diesel-Golf hat deutliche Vorteile. Bei Zugrundelegung der durchschnittlichen Kraftstoffpreise im August 2021 in Deutschland dreht sich das Bild erneut, doch Diesel bleibt mit Abstand der günstigste Energieträger.

ModellAntriebLeistungVerbrauch (lt. ADAC Ecotest)Preis/100 km (BMWI)Preis/100 km (BDEW/Aug. 21)
Peugeot e-208Elektro136 PS18,7 kWh5,12 Euro7,85 Euro
Peugeot 208Benzin (Super E10)131 PS6,5 Liter8,38 Euro10,12 Euro
VW ID.3Elektro146 PS19,3 kWh5,28 Euro8,10 Euro
VW GolfBenzin (Super E10)150 PS6,1 Liter7,87 Euro9,50 Euro
VW GolfDiesel150 PS4,8 Liter5,34 Euro6,65 Euro

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