Südafrikas Ranger jagen Wilderer mit E-Motorrädern

Im weltberühmten Kruger-Nationalpark wächst die Zahl der Wilderer. Gemeinsam mit einem schwedischen Hersteller rüsten die Park-Ranger nun auf. Ihre neuen E-Motorräder haben nicht nur einen ökologischen Mehrwert.

Dennis Merla
Dennis Merla
Zwei Ranger stehen neben ihren Elektro-Motorrädern
In Südafrika gehen die Ranger nun mit E-Motorrädern auf die Jagd nach Wilderern [Bildquelle: Cake]

Das erste Corona-Jahr 2020 bedeutete nur eine kurze Verschnaufpause für Südafrikas Spitzmaul-Nashörner. Nachdem sich die Population im Lockdown erholen konnte, verzeichneten die Ranger im Kruger-Nationalpark im vergangenen Jahr einen starken Anstieg illegaler Wilderei. Allein im ersten Halbjahr wurden fast 300 Rhinozerosse getötet. Die Hörner bringen auf dem Schwarzmarkt bis zu 55.000 Dollar pro Kilogramm. Auch Antilopen und Elefanten werden immer wieder Opfer der illegalen Jagden. Im Kampf gegen Wilderei ergreifen die rund 400 Ranger im berühmten Kruger-Nationalpark nun eine ungewöhnliche Maßnahme.

Auf der Suche nach Wilderern und ihren Fallen patrouillieren die Ranger neuerdings mit elektrischen Motorrädern. Der schwedische E-Motorradhersteller Cake hat gemeinsam mit dem dem Southern African Wildlife College (SAWC), einer Ausbildungseinrichtung für Naturschutz, das geländefähige E-Motorrad Kalk AP entwickelt. Seinen Anwendungszweck trägt das Bike damit bereits im Namen. Die Buchstaben „AP“ stehen für „Anti-Poaching“, zu Deutsch: „Anti-Wilderei“. Die Plattform für das Ranger-Bike übernimmt Cake von seinem E-Modell „Kalk“.

Die Ranger verfolgen die Wilderer häufig bis in abgelegene Gegenden. Das Gelände ist unwegsam. Daher setzen sie schon seit längerer Zeit auf wendigere Geländemotorräder statt auf Autos. Die Treibstoff-Beschaffung war jedoch ebenso problematisch wie der Lärm. Die Motorräder waren schon von weitem zu hören, Verdächtige konnten rechtzeitig die Flucht ergreifen. Das Kalk AP nähert sich potenziellen Wilderern völlig geräuschlos

Leise, autark und umweltfreundlich

Der Elektromotor im Kalk AP leistet 15 PS und fährt in der Spitze etwas mehr als 90 Kilometer pro Stunde. 42 Nm lassen das 63 Kilogramm leichte Bike flink lossprinten. Die Energie dazu zieht der Motor aus einer 2,6-kWh-Batterie. Damit fahren die Ranger rund drei Stunden lang, bzw. etwa 80 Kilometer weit. Ist die Batterie leergefahren, wird sie entweder einfach ausgetauscht oder in der Basis an der Steckdose geladen. Sind die Tierschützer länger in abgelegenen Regionen unterwegs, kommt das Solar-Ladegerät von GoalZero zum Einsatz. Der US-Solarmodulhersteller hat das tragbare Ladegerät eigens für das Kalk AP entwickelt. Es verfügt über zwei große Solar-Paneele, die das Sonnenlicht auffangen und in Strom umwandeln. Damit ermöglichen sie den Rangern längere Patrouillenfahrten.

 

Teilweise übernachten die Ranger im Busch. Eine autoarke Stromversorgung macht sie flexibler [Bildquelle: Cake]

Die ersten Modelle sind seit Oktober im Einsatz. Die Ranger und das Southern African Wildlife College wollen die Maschinen innerhalb der nächsten zwei Jahre gemeinsam für den speziellen Einsatz in Südafrika optimieren. So machten die Tierschützer beispielsweise die Erfahrung, dass Schlamm die Batterie verstopfen kann. Die Jagd auf die Wilderer endete vorzeitig. Dennoch sind mit den flüsterleisen E-Maschinen bereits Erfolge zu verzeichnen. So sollen laut Cake seit Oktober mehrere Versuche der Wilderei von Zwergantilopen verhindert worden sein.

Kalk AP kostet ab 13.000 Euro

Mit 13.000 Euro pro Maschine sind die Bikes nicht gerade günstig. Die ersten zwei Modelle schenkte Cake der SAWC. „Es ist großartig zu sehen, dass die ersten Kalk-APs es nach Afrika geschafft haben“, sagt Cake-Gründer und CEO Stefan Ytterborn. „Dies ist nur der Anfang! Wir werden weiter Bikes an die SAWC und ihre Partner versenden, um ihre Arbeit gegen die Wilderei zu stärken“, so Ytterborn weiter. Als Finanzierungshilfe hat das schwedische Unternehmen ein „buy-one-give-one“-Programm aufgelegt. So können Interessenten das Kalk AP für 25.000 Euro kaufen – eines erhält der Kunde für seine Garage und eines erhalten die Ranger in Südafrika für ihre Arbeit.

Cake und GoalZero verdienen daran übrigens nichts. Laut Unternehmen spenden sie ihre Gewinnmargen aus dem Verkauf des Kalk AP direkt an das Southern African Wildlife College und seine Partner.

Das Kalk AP in Bildern

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