Wieder mehr Verspätungen bei der Deutschen Bahn

Die Pünktlichkeit der Deutschen Bahn hat 2021 stark gelitten. Gründe für die vielen Verspätungen: Baustellen, Streiks, Flutkatastrophe, Lockdowns. Wird es 2022 besser?

Redaktion
ICE am Kölner Hauptbahnhof: Die meisten Verspätungen kommen im Fernverkehr zusammen [Bildquelle: Deutsche Bahn AG / Axel Hartmann]

Wer bei der Deutschen Bahn eine Umsteigeverbindung bucht, muss zwingend einen Zeitpuffer einplanen. Findet zumindest der in Schwäbisch Hall ansässige, US-amerikanische Youtuber Nick Alfieri in seinen 10 Tipps, um in Deutschland zu überleben. Für eine deutsche Organisation sei die Deutsche Bahn erstaunlich unzuverlässig. „Geh immer davon aus, dass Du Deinen Anschlusszug verpasst. Das ist sehr wichtig“.

Die nun vorgelegte, aktuelle Statistik der Bahn-Verspätungen gibt ihm Recht. Kund*innen der Deutschen Bahn mussten sich im Jahr 2021 wieder deutlich häufiger über verspätete Fernzüge ärgern. Im Schnitt kamen nur 75,2 Prozent der ICE- und IC-Züge pünktlich am Ziel an, wie die Deutsche Bahn mitteilt. Das sind deutlich schlechtere Werte also noch im Jahr 2020. Im ersten Corona-Jahr hatte die Pünktlichkeit noch bei knapp 82 Prozent gelegen und damit so hoch wie seit 15 Jahren nicht mehr.

Nun liegt die Bahn wieder auf dem schlechteren Niveau der Vor-Corona-Jahre und ist damit weit entfernt von langfristigen Zielen. Ein Zug landet als verspätet in der Statistik, wenn er mehr als sechs Minuten zu spät am Ziel ankommt. Dazu erhebt die Deutsche Bahn auch die Quote von Zügen, die bis zu 15 Minuten verspätet ihr Ziel erreichten. Die fällt deutlich besser aus, aber in dieser Zeit kann eine eng getaktete Anschlussverbindung schon einmal platzen. Auffällig: Die Verspätungen sammelt die Deutsche Bahn zum Großteil im Fernverkehr ein. Im Regionalverkehr fahren der Auswertung zufolge rund 95 Prozent aller Züge pünktlich.

Baustellen, Flut, Streiks, Lockdowns

Die Bahn begründet die Verschlechterung mit einer Vielzahl von Krisen im Jahr 2021. So seien wegen wiederholter Lockdown-Maßnahmen mehrmals die Fahrpläne geändert worden. An der „Nahtstelle von alten und neuen Fahrplänen“ habe es häufig Probleme gegeben. Die Flutkatastrophe im Juli 2021 hatte zudem besonders in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen große Teile der Bahninfrastruktur zerstört. Die Schäden schätzte die Bahn damals auf mehr als eine Milliarde Euro. Erst im November konnte auf der besonders stark betroffenen Ahrtalbahn in Rheinland-Pfalz wieder ein Zug fahren.

Im weiteren Verlauf des Sommers folgte der Tarifkonflikt mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL). Drei Streikwellen ließen den Zugverkehr in Deutschland über Tage hinweg nahezu zum Erliegen kommen. Ebenfalls ein wichtiger Faktor: Die Deutsche Bahn investiert viel in ihr Schienennetz. Das sorgt für Baustellen.

Die Bahn investiert viel in ihr Netz, was auch in den kommenden Jahren zu vielen Verspätungen führen wird [Bildquelle: Deutsche Bahn AG / Oliver Lang]

Diese hatten „vor allem negative Auswirkungen in den hochfrequentierten Engpässen unseres Netzes“, so die Deutsche Bahn. Züge kommen langsamer voran oder müssen große Umwege fahren. Das spürten nicht nur die Fahrgäste, sondern auch die Großkunden im Güterverkehr.

Verkehrswende sorgt erst mal für mehr Verspätungen

Die Zahl der Baustellen wird in den nächsten Jahren eher steigen, Fahrgäste müssen daher in der Zukunft mit weiteren Verspätungen rechnen. Die Bundesregierung sieht die Bahn als entscheidendes Rückgrat der Verkehrswende und will in den kommenden Jahren massiv investieren. Die Verkehrsleistung soll sich verdoppeln. „Wir werden in den kommenden Jahren viele Baustellen erleben“, sagt Philipp Kosok, Bahn-Experte der Agora Verkehrswende, im Gespräch mit mobility.talk. Beeinträchtigungen für die Fahrgäste ließen sich daher nicht vermeiden. Eine Alternative sieht er nicht: „Es ist kaum möglich, auf dem bestehenden Netzwerk einen pünktlichen Fernverkehr zu gewährleisten“, so Kosok.

(mit Material von dpa)

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