Airbus: Fahrrad aus Carbon-Abfällen

Airbus setzt CFK im Flugzeugbau ein – dementsprechend viel CFK-Schnittreste fallen an. Die Entsorgung ist aufwändig und teuer. Nun baut das Start-Up Petit Breton nun Fahrräder daraus.

Dennis Merla
Dennis Merla
Ein Fahrrad aus Carbon steht in einem Hauseingang
Die Geschichte der Marke Petit Bretonist lang: Schon 1920 wurde eine gleichnamige Fahrradmarke gegründet, in Erinnerung an den Radrennfahrer Lucien Petit-Breton (1882-1917) Bildquelle: Petit Breton

Tennisschläger, Skier und Autokarosserien: Carbonfaserverstärkte Kunststoffe (CFK) stecken in immer mehr Gegenständen des täglichen Lebens. Besonders im Leichtbau ist CFK unverzichtbar, denn das Material bietet neben einem geringen Gewicht eine hohe Strapazierfähigkeit. Carbonfaserverstärkte Kunststoffe bestehen aus Kohlenstofffasern, die in eine Matrix aus Epoxidharz eingebettet sind. Dieser Verbund aus Kohlenstoff und Epoxidharz lässt sich nur mit hohem Aufwand und hohen Kosten entsorgen. Bedarf besteht durchaus, denn schätzungsweise fallen in Deutschland jedes Jahr 3.000 bis 5.000 Tonnen Carbonfaser-Abfälle an.

Das Luftfahrtunterhmen Airbus verwendet ebenfalls CFK-Kunststoffe. An seinem Standort im französischen Nantes finden sie im Flugzeugbau Verwendung. In vielen Bauteilen ersetzt CFK das schwerere Aluminium. Bei der Teile-Produktion fallen jedoch regelmäßig Schnittreste an, für die das Unternehmen bisher keine Weiterverwendung findet. Die hat nun der französische Fahrradhersteller „Petit Breton“ gefunden. Das 2018 unter dem Namen einer legendären französischen Fahrradmarke neu gegründete Unternehmen baut aus den CFK-Resten Fahrräder.

Airbus suchte bereits nach Verwertungs-Möglichkeiten

Auf die Idee kam Gründer Robin Cojean 2013 bei seinem Ingenieurpraktikum am Ende seines Studiums. Er arbeitete damals in einer Composite-Reparaturwerkstatt in Nantes. „Ich habe viele ungenutzte Carbon-Zuschnitte gesehen. Ich war damals leidenschaftlicher Fahrradfahrer und die Idee, Carbon-Fahrräder in Frankreich zu produzieren, war schon in meinem Kopf.“, sagt Cojean.

Der Unternehmensgründer wandte sich an Airbus, die die Idee sofort aufnahmen. Aus gutem Grund, denn am Standort Nantes beschäftigt der Flugzeugbauer innerhalb des Technozentrums ohnehin ein „Re-use Carbon“-Projektteam. Es hatte bereits Erfahrungen mit der Herstellung von Prothesen und Surfbrettern aus CFK-Resten gesammelt. Die Zusammenarbeit zwischen Airbus und Petit Breton startete schließlich im Dezember 2020. Die Partner entwarfen zusammen Rahmen, Gabel, Lenker, Sattel und Vorbau des Bikes. Als erstes Modell sollte ein Gravelbike entstehen, also ein komfortables Fahrrad, das sich auch auf Kies und Schotter fahren lässt.

Für den Prototypen versorgte Airbus das französische Unternehmen mit einem vier Meter langen Carbonblech und Carbongewebe. Mittlerweile fertigt Petit Breton das Carbonfahrrad „Made in Airbus“ in Serie. Für den Juni 2022 sind die ersten Auslieferungen geplant.

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