Deutsche wollen mehr Wasserstoff-Fahrzeuge

Während in deutschen Städten immer mehr Wasserstoff-Busse fahren, sind Autos mit H2-Antrieb eine Rarirät. Die Mehrheit der Deutschen fordert ein Umdenken bei der Förderung.

Zu sehen ist ein Wasserstoff-Bus
Mittelfristig sehen die Hersteller die Zukunft des Wasserstoffantriebs eher im Schwerlast-Verkehr [Quelle: Adobe Stock]

Ob Wasserstoff die umweltfreundlichste Antriebsart ist, darüber streiten wir in der Redaktion und die Experten weltweit. Sicher ist. Wasserstoff ist eine der möglichen umweltfreundlichen Antriebsalternativen zu den heutigen klassischen Verbrennern. Dennoch sind wasserstoffbetriebene Fahrzeuge Raritäten auf deutschen Straßen. Elon Musk, sagt, wasserstoffbetriebene Pkw seien Zeitverschwendung. Und auch Volkswagen-Chef Herbert Diess stellt klar, dass der Konzern auch langfristig keine H2-Autos bauen wird. Dabei haben wasserstoffbetriebene Autos gegenüber der Elektro-Mobilität klare Vorteile. Im Grunde fahren zwar auch Wasserstoff-Autos mit elektrischem Strom. Sie beziehen ihn aber nicht aus einer großen und aufwendig hergestellten Batterie, sondern aus einer Brennstoffzelle. In ihr reagiert Wasserstoff mit Sauerstoff. Daraus entsteht elektrischer Strom. Abfallprodukte der sogenannten „kalten Verbrennung“ sind Wärme und Wasser.

Hyundai und Mercedes sehen die Zukunft dieser Antriebsart mittelfristig im ÖPNV und dem Schwerlast-Verkehr. Dort ist die Elektrifizierung auf Basis von Batterien kein effizientes Mittel. In der Logistikbranche etwa wird mit jeder Stunde und jedem Kilogramm gerechnet. Größe und Gewicht der Batterien reduzieren die Ladekapazitäten der Lastwagen. Die langsame Ladegeschwindigkeit von Elektro-Lkw kostet im wahrsten Sinne Zeit.

Das sieht die Bundesregierung genauso und setzte deshalb die „Nationale Wasserstoffstrategie“ auf. So will die Regierung besonders jene Bereiche fördern, die auf akku-elektrischem Wege nicht dekarbonisierbar sind: etwa schwere Industrie, den Luft- und Schiffsverkehr und den Fernlastverkehr. Letztere sind in Europa für rund 26 Prozent des ausgestoßenen CO2 verantwortlich. Pkw und Krafträder verantworten 62 Prozent.

Zu wenig Tankstellen, zu wenig Fahrzeuge

Um den Ausbau der noch lückenhaften Wasserstoff-Tankstelleninfrastruktur zu fördern, steigt Hyundai als Gesellschafter bei H2 Mobility ein. Die Firma arbeitet schon seit 2015 an einem flächendeckenden Angebot. Mittlerweile betreibt das Unternehmen 92 Tankstellen in Deutschland. Das klingt nach wenig, reicht aber trotzdem für den Europameistertitel. Ziehen wir Deutschlands 92 Tankstellen ab, kommt der Rest Europas auf gerade einmal rund 40 Tankstellen.

In der Schweiz testet Hyundai derzeit 10 Xcient Fuel Cell, LKW der Klasse bis 28 Tonnen im Regelbetrieb. Das Projekt wollen die Koreaner noch in diesem auf 140 Fahrzeuge aufstocken. In einem weiteren sollen bis 2025 dann rund 1.600 Brennstoffzellen-Lkw in Europa ausgeliefert werden. Etwas weiter nördlich – in München – läuft ein weiteres Pilotprojekt. Dort testet Hyundai zusammen mit zwei Busunternehmen wasserstoffbetriebenene Busse im Personennahverkehr.

Im Vergleich dazu liegt Daimler etwas zurück. Die Stuttgarter haben mit dem GenH2 einen wasserstoffbetriebenen Schwerlast-Lkw auf Basis des Actros entwickelt. Bis 2023 absolviert das Fahrzeug noch Entwicklungsfahrten, dann starten die ersten Kundenerprobungen. Bis zum kaufbaren Serienfahrzeug dauert es laut Daimler noch bis 2027.

Deutsche wollen Wasserstoff-Autos

Fehlende Tankstellen-Infrastruktur und hohe Preise der Fahrzeuge machen es der Technologie nicht einfach. Mit der Begründung, es lohne sich nicht – listet das Kraftfahrt-Bundesamt diese Antriebsform nicht einmal in der Übersicht zu Neuzulassungen und Fahrzeugbestand. Auf dem Markt gibt es derzeit nur zwei Modelle: den Hyundai Nexo und den Toyota Mirai. Mit Preisen jenseits der 70.000 Euro sind sie nicht förderfähig. Eine Förderung erhalten nur Flottenkunden beim Kauf mehrerer Fahrzeuge. In Deutschland sind etwa 200 Nexo und 300 Mirai zugelassen.

Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ zeigt, dass die Deutschen großes Interesse an wasserstoffbetriebenen Pkw haben. Demnach sprachen sich 39 Prozent der 5.002 Befragten dafür aus, Wasserstoff-Fahrzeuge für ein Gelingen der Verkehrswende staatlich zu fördern. Für die Förderung von Elektroautos votierten 14 Prozent. Die Umfragewerte in der Übersicht:

Öffentlicher Personennahverkehr

61%

Fernverkehr der Bahn

41%

Wasserstoff-Autos

39%

E-Bikes / Fahrräder / Lastenräder

15%

Elektroautos

14%

Carsharing

9%

E-Scooter

1%

Neue Förderung für H2-Tankstellen gestartet

Die Bundesregierung sieht großes Potenzial besonders in wasserstoffbetriebenen Nutzfahrzeugen. Um den dafür notwendigen Ausbau der Infrastruktur voranzutreiben, startet das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) nun einen neuen Förder-Aufruf. Die Förderung unterstützt den Bau von Wasserstofftankstellen, die im Betrieb Wasserstoff aus erneuerbaren Quellen abgeben. Die Förderquote beträgt dabei 80 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben. Insgesamt stehen 60 Millionen Euro zur Verfügung.

Auch den Bau von Elektrolyseanlagen will das BMVI fördern – sofern der Strom zum Betrieb aus 100 Prozent erneuerbaren Quellen stammt. Die Förderquote beträgt in diesem Fall 45 % der zuwendungsfähigen Ausgaben zur Errichtung der Anlage. Mit Hilfe von elektrischem Strom zerlegt die Elektrolyseanlage Wasser in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff. Ersteres kommt in den Tank und letzteres entweicht in die Atmosphäre.

Der Förderaufruf ist Teil des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie Phase II (2016 – 2026). Innerhalb dieser Förderung unterstütze der Bund zudem den Kauf etwa von Brennstoffzellen-Bussen, Müllsammelfahrzeuge und leichten Nutzfahrzeugen.

Fazit:

Wasserstoff leistet dort, wo Elektrifizierung kein effizientes Mittel darstellt, einen wichtigen Beitrag zur Transformation des Verkehrs. Im Pkw-Segment fehlt die Angebotsvielfalt und der Kaufanreiz, etwa über eine staatliche Förderung für Privatkunden.

Dennis | @MobilityTalk

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