E-Busse: Flottenumbau nimmt Fahrt auf

Im ÖPNV schreitet die Transformation zur E-Mobilität nur langsam voran. Eine EU-Verordnung und ein großer Fördertopf ändern das allmählich.

Redaktion
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Elektrobusse beim Besuch von Umweltministerin Svenja Schulze und NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst bei der KVB Köln mit symbolischer Inbetriebnahme der neuen Ladeinfrastruktur für Elektro-Busse. Köln, 29.06.2021
Bei den Verkehrsunternehmen hält die E-Mobilität nur langsam Einzug. Aktuell fahren etwa 1.200 elektrische Busse auf Deutschlands Straßen [Bildquelle: Picture Alliance / Christoph Hardt]

Die E-Mobilität ist auf dem Vormarsch. Doch bei den Verkehrsunternehmen entwickelt sich der Trend zum Elektrofahrzeug nur langsam. Im Herbst vergangenen Jahres fuhren laut dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) rund 1.200 reine Batteriebusse auf Deutschlands Straßen. Dem gegenüber standen 34.000 Dieselbusse. Auch wenn laut VDV-Vizepräsident Werner Overkamp inzwischen 5.000 weitere Elektrobusse beantragt wurden, wird es wohl noch einige Zeit dauern, bis ein Großteil der Flotten umgerüstet ist. Das Ziel der Bundesregierung sind 50 Prozent alternativ angetriebene Busse bis 2030.

Bei den Busunternehmen startet dieser Transformationsprozess gerade erst: „Kein Verkehrsunternehmen hat im großen Stil auf Elektrobusse gesetzt. Es gab seitens des Gesetzgebers keine Vorgaben,“ erklärt Philipp Kosok, Projektleiter für Öffentlichen Verkehr bei der Agora Verkehrswende. Diese Vorgaben schob die Bundesregierung erst im vergangenen Sommer nach. Und zwar mit einer schon länger existierenden EU-Verordnung. Denn mit der Clean Vehicle Directive (CVD, zu Deutsch etwa: Richtlinie für saubere Fahrzeuge) müssen 45 Prozent der neu angeschafften Busse über saubere Antriebe verfügen. Kosok geht davon aus, dass die meisten der Unternehmen bei der Neubeschaffungsquote zum großen Teil auf Elektrobusse setzen.

Dass das Thema bei den Verkehrsunternehmen durchaus ankommt, machen die schnell vergriffenen Fördermittel deutlich. 1,25 Milliarden Euro stellte die Bundesregierung im vergangenen Herbst für die Anschaffung zur Verfügung. Die sind nahezu aufgebraucht. Der VDV fordert längst mehr Mittel.

Von Ladeinfrastruktur bis Denkmalschutz

Für die Verkehrsunternehmen ist die Umrüstung nicht nur finanziell eine Herausforderung. „Das Problem sind nicht so sehr die Fahrzeuge, als vielmehr die Frage, wie schnell schaffe ich Infrastruktur dorthin, wo ich sie brauche“, erläutert Daniel Hesse, der bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) den Bereich Neue Mobilität leitet. Die BVG setzt mittelfristig auf ein System, mit dem sowohl an den Endhaltestellen geladen werden kann als auch auf den Betriebshöfen. Das macht weitreichende Umbauten erforderlich. „Wir haben Betriebshöfe, die stehen unter Denkmalschutz. Das ist nicht so trivial, bis so ein Umbau genehmigt ist. Das ist das, was uns im Moment vor die größte Herausforderung stellt: der Pfad des Infrastrukturaufbaus. Da geht es um alles, was mit Bau und Planfeststellung zu tun hat.“

Ende des Jahres sollen rund 220 Batteriefahrzeuge für die BVG im Einsatz sein. Das sind laut Hesse rund 15 Prozent der Gesamtflotte, auch wenn der Anteil an der Verkehrsleistung noch deutlich geringer ist. Hinzu kommt, dass sich die Hersteller auf die wachsende Fahrzeug-Nachfrage erst noch einstellen müssen. „Im Moment ist es noch so, dass wir den Eindruck haben, dass die Produktionskapazitäten nicht so hoch sind“, sagt Hesse. „Wir haben lange Wartezeiten.“

1.700 Förderbescheide übergeben

Der 1,25 Milliarden Euro schwere Fördertopf dient zur Anschaffung der Wartungs- und Lade- bzw. Tankinfrastruktur sowie der alternativ betriebenen Fahrzeuge. Mitte April übergab Bundesverkehrsminister Volker Wissing 1.700 Förderbescheide an Verkehrsunternehmen aus ganz Deutschland. Sie stellen den Startschuss der Bearbeitung des ersten Förderaufrufs aus dem Jahr 2021 dar. Berlin erhält nach Angaben der BVG-Chefin Eva Kreienkamp rund 200 Millionen Euro. Kreienkamp fasst die Ziele des Berliner Programms so zusammen: „Unser Ziel: Ab 2030 fahren alle Busse ohne fossile Treibstoffe! Bald fahren wir mit 600 E-Bussen durch Berlin und haben damit eine der größten Batterie-Elektrobusflotten Deutschlands“.

Laut Ministerium sind weitere Anträge bereits in der Bearbeitung. Der zweite Förderaufruf soll im zweiten Quartal 2022 erfolgen. Die 1.700 Busse der aktuellen Runde setzen sich aus 1.400 Batterie-, 150 Brennstoffzellen-, 50 Oberleitungs- und 110 Gas-Bussen zusammen. Im Detail verteilen sich die Förderbescheide wie folgt:

  • Kieler Verkehrsgesellschaft: 50 Batteriebusse
  • Stadtwerke München: 71 Batteriebusse
  • Flughafen München: 72 Batteriebusse
  • Bremer Straßenbahn: 50 Batteriebusse
  • Esslingen am Neckar: 51 Batterie-Oberleitungsbusse
  • Regionalverkehr Köln: 108 Brennstoffzellenbusse
  • Berliner Verkehrsgesellschaft (BVG): 350 Batteriebusse
  • Transdev Berlin: 325 Batteriebusse, 40 Brennstoffzellenbusse und 110 Biomethanbusse
  • Hamburger Hochbahn: 289 Batteriebusse
  • Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH): 183 Batteriebusse

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