Porsche: Leasing mit CO2-Kompensation

Wer künftig einen Porsche least, dem kompensiert Porsche über den CO2-Ausstoß. Langfristig setzt die Marke auf E-Fuels und Elektroautos.

Dennis Merla
Dennis Merla
Porsche 911 GTS fährt über eine Landstraße
Die Leasingnehmenden treten auf's Gaspedal und Porsche kompensiert den CO2-Ausstoß mit Zertifikaten für Klimaschutzprojekte [Bildquelle: Porsche]

Im Jahr 2030 will Porsche bilanziell CO2-neutral sein. Zum Teil funktioniert das mit Strom: Im aktuellen Jahr verkaufte sich der vollelektrische Taycan besser als der Vorzeige-Sportler 911. Ein klares Zeichen, dass Porsche-Fans sich mit Elektroautos anfreunden können. Trotzdem sollen Verbrenner verfügbar bleiben, weil Porsche ohne einen Sechszylinder-Boxer kaum vorstellbar scheint. Für diejenigen, die lieber weiterhin Benzin verbrennen wollen, gibt es nun ein neues Leasing-Angebot.

CO2-Kompensation fürs Porsche-Leasing

Weiter Verbrenner fahren – aber bitte mit gutem Gewissen. Dabei greift Porsche seiner Kundschaft nun unter die Arme. Wer bis zum 31. Dezember 2022 ein Modell mit Verbrennungsmotor least, kann sich über ein ganz besonderes Angebot freuen: Porsche kompensiert über die gesamte Nutzungszeit den CO2-Ausstoß. Zahlen müssen die Kund*innen dafür nichts. „Porsche Impact“ nennen die Zuffenhausener das Projekt. Für die Höhe der Kompensation werden die Dauer des Leasingvertrags, die darin festgelegte jährliche Kilometerleistung sowie der Normverbrauch des Fahrzeugs herangezogen. Die für die Kompensation notwendigen CO2-Zertifikate kauft der Konzern bei Klimaschutzprojekten ein. 

Konkret stammen die Zertifikate vom Klimaschutzprojekt „Kariba Waldschutz“ in Simbabwe. Das Projekt schützt bedrohte Tierarten sowie Wälder und soll langfristig die Lebensbedingungen der Bevölkerung verbessern. „Kariba Waldschutz“ wird dabei regelmäßig unter anderem von der Naturschutzorganisation WWF überprüft. Wie viel CO2 mit der Leasing-Aktion eingespart werden soll und wie viele Leasingverträge Porsche jährlich mit Kund*innen abschließt, verrät der Konzern nicht.

2018 startet Porsche Impact

Gänzlich neu ist das Kompensationsprogramm des Herstellers nicht. Bereits seit 2018 können Porsche-Fahrer*innen im Rahmen des Impact-Projekts ihre CO2-Emission kalkulieren und kompensieren – allerdings auf eigene Kosten. Wohin das Geld fließt, entscheiden die Kund*innen selbst. Zur Auswahl stehen neben dem Projekt in Simbabwe drei weitere international zertifizierte Umweltschutz-Projekte. In der nordchinesischen Provinz Hebei können die Teilnehmenden von Porsche Impact einen Windpark fördern. 207 Windturbinen versorgen dort zehntausende Haushalte und Unternehmen.

In Vietnam wird über das Programm ein Wasserkraftwerk gefördert, und auf der Insel Afognak vor Alaska bewahrt ein Waldschutz-Projekt dessen Biodiversität und Gewässer. Innerhalb des Projekts wurden zwar bereits 47.138 Tonnen CO2  (Stand: Dezember 2021) kompensiert. In den knapp 47.000 Tonnen steckt allerdings auch die Kompensation von Porsches eigenem Fuhrpark.

Wie viele Porsche-Fahrer*innen den CO2-Ausstoß ihres Sportwagens auf eigene Kosten kompensieren, sagte das Unternehmen auf Anfrage von mobility.talk.

Ein Wasserkraftwerk in Vietnam
Das Wasserkraftwerk in der Proving Quang Nam leistet 30 MW [Bildquelle: Porsche]

Porsche will sich mit diesem Angebot klimafreundlich positionieren und fördert vier wichtige internationale Umweltschutzprojekte. Betreibt das Unternehmen damit „Greenwashing“, also den Versuch, einer Sache einen „grünen Anstrich“ zu geben, die gar nicht grün ist? Drücken die Fahrer*innen auf der A2 zwischen Braunschweig und Magdeburg aufs Gaspedal, stoßen sie CO2 aus. Dass das Unternehmen im Gegenzug Geld nach Afrika, Vietnam, China oder Alaska schickt, macht den Sportwagen auf der A2 um kein Gramm CO2 klimafreundlicher. Es kann dabei also nur um eine Übergangslösung gehen. Deshalb arbeitet Porsche an langfristig tragfähigen Lösungen. Porsche-Chef Oliver Blume sagt: „Wir wollen nicht kompensieren, sondern vermeiden. Wir wollen nicht bei anderen Unternehmen CO2-Zertifikate zukaufen, sondern selbst keine Emissionen verursachen“.

E-Fuels für alte und neue Modelle

Die Verkaufszahlen des Taycan belegen: die Faszination Sportwagen kommt auch ohne Verbrennungsmotor aus. Und doch klammert sich der Autohersteller nicht zu Unrecht an die alten Zeiten. Denn die sind für viele Porsche-Fahrer*innen ja noch gar nicht vorbei. Nach Unternehmensangaben sind 70 Prozent aller jemals gebauten Porsche heute noch auf den Straßen unterwegs. Ein Wert, den wohl kein anderer Autobauer mit der Tradition Porsches aufweisen kann.

Diese angestammte Kundschaft will der Hersteller nicht zurücklassen. Das zeigt Porsches Strategie bis 2030. Die Zuffenhausener setzen auf E-Fuels. Das sind künstliche, aus CO2 und Wasserstoff hergestellte Kraftstoffe. Stammt die Energie zur Herstellung aus regenerativen Quellen, stößt der Kraftstoff beim Verbrennen so viel CO2 aus, wie vorher zur Herstellung aus der Luft entnommen wurde.

Bis zum Jahr 2030 sollen 80 Prozent der Modellpalette rein elektrisch oder teilelektrisch als Plug-in-Hybrid fahren. 20 Prozent der Modelle sollen auch nach 2030 weiterhin von Verbrennungsmotoren angetrieben werden. Für Porsche sollen diese Autos dann mit E-Fuels fahren. Das Problem: E-Fuels funktionieren technisch, aber sind noch nicht marktreif. Geringe Kapazitäten, die ungünstige Energiebilanz und hohe Preise stehen einem breiten Einsatz im Weg. Daran arbeitet Porsche und baut in Chile eine Pilotanlage. Im kommenden Jahr soll sie ihren Testbetrieb aufnehmen und im ersten Schritt 130.000 Liter E-Fuels herstellen. Laut Entwicklungsvorstand Michael Steiner eignet sich der 911er besonders gut für den Einsatz der alternativen Kraftstoffe. Porsche peilt für den klimaneutralen Kraftstoff einen Preis von rund zwei Euro pro Liter an, jedoch vor Steuern. Damit wären Porsches E-Fuels deutlich günstiger als heute, aber immer noch rund viermal so teuer wie herkömmliches Benzin vor Steuern.

Reduzieren und Kompensieren

Die Richtschnur ist damit gesetzt. Überall dort, wo das derzeit nicht möglich ist, greift man auf Zertifikate zurück. Damit sich das ändert, stellt der Hersteller in seinem 10-Jahres-Plan rund eine Milliarde Euro für Windräder, Solarenergie und andere Klimaschutzmaßnahmen bereit. In den Porsche-Werken Leipzig und Zuffenhausen wird bereits mit regenerativen Energien und Biogas CO2-neutral produziert. Auch die Zulieferer nimmt der Sportwagenhersteller in die Pflicht. Seit dem 1. Juli 2021 verpflichtet der Konzern seine rund 1.300 Serienlieferanten dazu, ihre Komponenten komplett mit erneuerbaren Energien zu produzieren.

Die Transformation hin zu CO2-neutralen Antrieben verlangt den Autoherstellern viel ab und zwingt sie zu Wetten auf die Zukunft. Hyundai etwa setzt auf Wasserstoff, Volkswagen bekennt sich zum Elektroantrieb, während Porsche einen Misch-Weg aus Elektro und E-Fuels sucht. Wer die Wette gewinnt, zeigt die Zeit.

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