Schwerlastdrohne debütiert über Hamburg

Weltpremiere in Hamburg: Die Schwerlastdrohne von DB Schenker und Volocopter meistert ihren ersten offiziellen Flug mit Transportgut. Perspektivisch soll sie das Verkehrsbild nachhaltig verändern.

Die Schwerlastdrohne Volodrone fliegt während des Premierenflugs über den Hafen von Hamburg. Für eine Woche ist die Hansestadt das weltweite Schaufenster für intelligente Verkehrssysteme. Zum ITS-Weltkongress treffen sich Experten für Verkehr, Logistik und Digitalisierung in Hamburg, um darüber zu diskutieren, wie gewerblicher und privater Verkehr unter den Vorzeichen von Klimakrise und steigenden Mobilitätswünschen aussehen könnten.
Zur Präsentation über dem Hamburger Hafengebiet durfte die Drohne eine beladene Kiste transportieren [Quelle: Picture-Alliance | Marcus Brandt]

Um 15.02 Uhr war es so weit: Im Rahmen des ITS-Weltkongresses ließen das Logistikunternehmen DB Schenker gemeinsam mit dem Bruchsaler Flugtaxi-Hersteller Volocopter eine selbstentwickelte Schwerlastdrohe fliegen. Drei Minuten dauerte die Vorführung im Hafengebiet der Hansestadt. Volocopter will diese Art von Drohnen gemeinsam mit dem Logistikriesen DB Schenker als Teil der Logistikkette etablieren. Die Bahntochter war im vorigen Jahr als Investor bei Volocopter eingestiegen, um die Lastdrohne zur Marktreife zu bringen.

Für den Testflug wurde die elektrische Lastendrohne mit einer Ladebox zwischen dem Landegestell ausgerüstet, beladen und anschließend zu einem Cargo Bike von DB Schenker geflogen. 18 Rotoren halten Drohne in der Luft. Der Durchmesser beträgt 9,15 Meter. Das Transportgut befindet sich unter der Drohne. Zwischen dem Landegestell kann sie Fracht von der Größe einer Europalette transportieren. Maximal 200 Kilogramm Ladung sind möglich. Die unbemannte Drohne wird entweder vom Boden aus manuell gesteuert, oder fliegt selbstständig voreingestellte Routen ab. Eine Akkuladung reicht für Distanzen von 40 Kilometer.

Einsatz in Logistik, Landwirtschaft und auf Baustellen

Volocopter-Chef Florian Reuter wertete den Testflug als Beleg für die führende Position seines Unternehmens im Bereich des urbanen Lufttransports („Urban Air Mobility“, UAM). „Wir sind das einzige UAM-Unternehmen, das Lösungen für Passagiere und Güter entwickelt und diese weltweit in öffentlichen Flügen zeigt.“ Die Lastendrohne werde Logistikprozesse „robuster, effizienter und nachhaltiger machen“.

 

„Dank eines standardisierten Befestigungssystems kann die Volodrone eine Vielzahl von Einsatzzwecken erfüllen und beispielsweise Kisten, Flüssigkeit oder Maschinen transportieren“, heißt es beim Hersteller. Mögliche Anwendungen sind laut Unternehmen Lieferungen schwerer Pakete in abgelegene Orte oder Transporte von unhandlichen Teilen auf Baustellen: „Überall dort, wo ein Bodentransport an seine Grenzen kommt, kann die Volodrone eine neue Zugangsdimension über die Luft bieten.“ Mit einer unter dem Volocopter installierten Sprühvorrichtung könnte die Drohen auch in der Landwirtschaft zum Einsatz kommen.

Mobiler Landeplatz für den Velocopter

Damit die Transportdrohne auch überall zum Boden zurückkehren kann, sorgt der österreichische Fahrzeugbauer Schwarzmüller mit einem umgebauten Trailer für einen mobilen Landeplatz. Das sogenannte „Mobile Vertipad“ ist ein 12 Meter langer Anhänger in der Größe eines Fernverkehrstrailers. Auf dem Fahrwerk sitzt ein Ladecontainer, der den Volocopter aufnimmt. Von außen sieht er wie ein ganz normaler Trailer aus, doch auf Knopfdruck faltet er seine Wände nach dem Origamiprinzip auf. So entsteht eine kreisförmige Plattform mit 20 Metern im Durchmesser. „Wir wollen unseren Industriekunden eine ganzheitliche Lösung anbieten, die jederzeit und ohne lange Vorlaufzeiten den Einsatz einer Volodrone ermöglichen kann“, sagte Christian Bauer, Chief Commercial Officer bei Volocopter.

Die Aufgaben des Mobile Vertipads gehen jedoch über die Anwendung als reinen Landeplatz und Transportmittel für die Drohne hinaus. Es soll auch als mobile Wartungs-Station dienen. So können dort etwa Reparaturen durchgeführt, oder die Akku der Drohen aufgeladen werden. Anfang 2023 soll der Anhänger mit Drohnen-Landeplatz zum ersten Testeinsatz bereit sein.

Ein Trailer für eine Schwerlastdrohne steht auch weißem Grund
Der Trailer ist 12 Meter lang [Quelle: Schwarzmüller]
Ein Trailer steht auf weißem Grund und faltet seine Außenwände auf
Er öffnet sich nach dem Origami-Prinzip [Quelle: Schwarzmüller]
Ein Landeplatz für Drohne auf weißem Grund
Am Ende ensteht eine ebene Platttform [Quelle: Schwarzmüller]

Aktionsplan „Drohnen-Verkehr“

Die Bundesregierung sieht großes Potenzial im Drohnen-Verkehr. Bereits im Mai 2020 startete sie einen Aktionsplan, um die Technologie perspektivisch als alltäglichen Verkehrsträger zu etablieren. Dazu zählen unter anderem die Klärung rechtlicher Rahmenbedingungen und der Ausbau der Forschungsförderung für Drohnen und Flugtaxis. Außerdem läuft eine Informationskampagne, die über Nutzen und Gefahren von Drohnen-Anwendungen informiert und Maßnahmen zum Schutz der Bürgerinnen und Bürger aufzeigt.

Einer Marktstudie des Verbandes Unbemannte Luftfahrt vom Frühjahr zufolge soll sich 2025 die Zahl der kommerziell betriebenen Drohnen hierzulande auf 132.000 verdreifachen.

Techniker stehen nach dem Premierenflug an der Schwerlastdrohne Volodrone. Für eine Woche ist die Hansestadt das weltweite Schaufenster für intelligente Verkehrssysteme. Zum ITS-Weltkongress treffen sich Experten für Verkehr, Logistik und Digitalisierung in Hamburg, um darüber zu diskutieren, wie gewerblicher und privater Verkehr unter den Vorzeichen von Klimakrise und steigenden Mobilitätswünschen aussehen könnten.
Zwischen dem Landegestell ist Platz für eine Europalette. Maximal 200 Kilogramm kann die Drohne transportieren [Quelle: Picture-Alliance | Marcus Brandt]

Weiterführende Artikel

Autonome S-Bahn fährt durch Hamburg

In Hamburg fährt die S-Bahn jetzt autonom. Im Rahmen der Mobilitätsmesse „ITS“ starten zunächst vier Züge. Viele weiter sollen folgen.

Synthetisches Kerosin: Atmosfair eröffnet erste Anlage

Atmosfair eröffnet die erste Anlage zur Produktion von synthetischem Kerosin. Einen ersten Kunden für den CO2-neutralen Kraftstoff gibt es auch schon.

DHL kauft E-Flugzeuge mit 815 Kilometer Reichweite

1200 Kilogramm Transportvolumen, 30 Minuten Ladezeit pro Flugstunde: Das Logistikunternehmen DHL  hat 12 Maschinen des Typs Alice geordert. Dieses E-Flugzeug hat allerdings eine Vorgeschichte.
Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on whatsapp
Share on email
Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on whatsapp
Share on email

Immer informiert sein?

Abonniere unseren Newsletter!