5 Tipps zum Fahrradfahren im Winter

Fahrradfahren im Winter? Bei Eis und Schnee steigen viele lieber auf Bahn oder Auto um. Doch mit einigen Tipps und der richtigen Ausrüstung kommst Du auch im Winter sicher ans Ziel.

Fahrradfahren im Winter: ein Radfahrer steht mit seinem Rad auf einer verschneiten Straße
Wer auch im Winter nicht auf das Fahrradfahren verzichten möchte, sollte einiges beachten [Bildquelle: Adobe Stock]

Radfahren liegt im Trend. Immer mehr Menschen nutzen ihr Velo auch im Herbst und Winter regelmäßig. Doch die niedrigen Temperaturen in der dunklen Jahreszeit stellen besondere Ansprüche an Kleidung und Fahrrad. Wenn die Finger frieren, können Radfahrende schlechter auf spontane Situationen reagieren, und auf Eis und Schnee kann es mit dem Fahrrad schnell rutschig werden. In diesem Ratgeber erfährst Du, wie du auch im Winter warm und sicher ans Ziel kommst.

Die richtige Winterkleidung

Vor allem die richtige Bekleidung nimmt dem Winterradeln viel von seinem Schrecken. „Gute atmungsaktive, regenabweisende und winddichte Sportbekleidung ist zwar relativ teuer, aber unbedingt sinnvoll“, sagt ADAC-Sprecher Jürgen Grieving.

„Viele Menschen frieren im Winter, obwohl sie am Torso warm angezogen sind“, sagt Arne Bischoff vom Pressedienst-Fahrrad (pd-f). „Die Lösung: winddichte Handschuhe und Unterziehmütze unter dem Helm.“ Eine weitere Möglichkeit, die Hände warm zu halten, sind sogenannte „Pogies“. Pogies sind Lenkerstulpen. Sie werden rechts und links über die Griffe des Lenkers gezogen. Fahrende greifen mit der Hand in die Pogies hinein und erreichen so Griff, Bremse und Schaltung. Die halten genauso warm wie dicke Handschuhe, versichert Bischoff.

Auch für die Füße gibt es Warmhalter. Neben den obligatorischen Wintersocken setzen auch Überschuhe und Gamaschen der Winterkälte etwas entgegen. Sie können einfach über die Alltagsschuhe drübergezogen werden und eignen sich damit besonders für Pendler.

Je nach Länge und Beschaffenheit der Strecke gerät man auch bei Kälte ins Schwitzen. So empfiehlt sich Unterwäsche, die Feuchtigkeit schnell nach außen ableitet und dazu eng am ganzen Körper anliegt. Laut pd-f besitzt sie idealerweise einen hohen Anteil an Merinowolle. Als Isolations- oder Zwischenschicht darüber eignet sich ein Fleece. Außen am Körper gilt es, den Wind abzuhalten. Deshalb besteht die Außenschicht am besten aus einer winddichten Hose und Jacke mit einem atmungsaktiven Einsatz auf der Rückseite.

Um auf längeren Touren und bei eisigen Temperaturen das Gesicht zu schützen, empfiehlt sich eine spezielle Kältecreme. Die Mischungen sind wasserarm und stark fetthaltig – so wird das Gesicht isoliert und die Haut vor dem Austrocknen bewahrt.

Fahrradfahren im Winter: Fahrtipps für Eis und Schnee

Beim Fahrradfahren im Winter gelten ähnliche Tipps wie für Autofahrer. Regel Nummer 1 bei Glättegefahr: Geschwindigkeit reduzieren. Auch die Sicherheitsabstände zu anderen Verkehrsteilnehmern und zu parkenden Autos werden wichtiger, da sich bei Glätte die Bremswege verlängern.

„Bei rutschigem Untergrund sollte man in Kurven weder treten noch bremsen“, sagt Susanne Grittner vom ADFC Berlin. Lässt sich das Bremsen nicht vermeiden, sollten Fahrende vorwiegend, aber maßvoll die Hinterradbremse benutzen, denn: „Blockiert das Hinterrad, ist das eher zu beherrschen als ein blockierendes Vorderrad.“ Zudem sollte man auf Glatteis das Fahrrad nach Möglichkeit ohne zu lenken ausrollen lassen – auch das mindert die Sturzgefahr. Laut Jürgen Grieving sind Bodenmarkierungen und Kopfsteinpflaster schon bei Nässe besonders rutschig. Er rät Radlern wie Autofahrern, auch auf Brücken und schattigen Streckenabschnitten besonders langsam zu fahren – hier gilt verstärkte Glättegefahr.

Besondere Vorsicht beim Anfahren sollten insbesondere E-Bike-Fahrende walten lassen. Denn viele elektrische Antriebe reagieren zeitverzögert, aber nicht minder drehmomentstark auf die Pedalbewegungen.

Der richtige Reifen

Ein weiterer Trick macht Fahrrad und Pedelecs laut Grittner bei Glätte besser kontrollierbar: weniger Luftdruck. Wird der Luftdruck etwas abgesenkt, bekommen die Reifen auf der Fahrbahn mehr Haftung, weil sich die Aufstandsfläche vergrößert. Minimal- und Maximaldruck stehen auf der Reifenflanke. „Für kurze Strecken ist es auch möglich, den Sattel etwas nach unten zu stellen, um leichter mit den Füßen den Boden erreichen zu können.“ Weil eine zu niedrige Sitzhöhe auf Dauer die Knie belastet, eignet sich dies aber nur für kurze Zeit und bei „wirklich schwierigen Bedingungen“.

Für Fahrräder gilt keine Winterreifenpflicht – dafür sind anders als bei Autos Reifen mit Spikes erlaubt. Bei festgefahrenem Schnee oder auf vereisten Fahrbahnoberflächen seien die Pneus mit Metall-Pins „das Nonplusultra“, sagt Arne Bischoff und schränkt ein: „Auf trockener Fahrbahn ist ihr Rollwiderstand und Verschleiß aber spürbar höher.“ Deshalb können Fahrradwinterreifen eine Alternative sein: Ihre weichere Gummimischung optimiert zusammen mit spezieller Lamellenkonstruktion die Bodenhaftung.

Sehen und Gesehenwerden

In der dunklen Jahreszeit ist eine gute Beleuchtung besonders wichtig. Seit 2013 sind alternativ zum Dynamolicht auch akku-betriebene Scheinwerfer erlaubt. Arne Bischoff empfiehlt Modelle mit Großflächen-Lichtfeld und Nahfeld-Ausleuchtung. Entscheiden sich Fahrende für Akku-Leuchten, sollten sie natürlich darauf achten, die Akkus stets genügend zu laden. Um den Überblick zu behalten und nicht unerwartet im Dunkeln zu stehen, rät Anne Kliem von der Stiftung Warentest, auf die Leuchtdauer, die Ladezeit und eine klare Anzeige für die Restkapazität zu achten. Ideal ist eine Skala oder Restminutenanzeige.

Damit Radfahrende von anderen Verkehrsteilnehmenden gut erkannt werden, eignen sich reflektierende Elemente an den Füßen besonders gut, „weil sie durch die wirbelnde Bewegung der Beine viel Aufmerksamkeit erzeugen“, so Arne Bischoff. Dafür reichen schon einfache Hosenbänder mit Reflektoren aus.

Fahrradfahren im Winter: Der E-Bike-Akku

Die winterlichen Temperaturen machen den Akkus von E-Bikes zu schaffen. Damit der Stromspeicher lange durchhält, gilt es auch hier einiges zu beachten. Laut Jürgen Grieving sollten Radfahrende die Batterie erst aufladen, wenn sie selbst Zimmertemperatur erreicht hat: „Ist sie zu kalt, lässt sie sich nicht vollständig laden.“ Bei plötzlichem Temperaturwechsel könne sich zudem Kondenswasser bilden, das in der Elektronik Schäden anrichten kann.

Während der Fahrt in der Kälte können E-Biker*innen darüber hinaus die Reichweite strecken, indem sie den Stromspeicher wärmen. Grundsätzlich hält der Akku im Winter kürzer durch als im Sommer. Dem Effekt steuert man mit speziellen Akkuhüllen aus Neopren entgehen, die mehrere Hersteller für gängige Modelle anbieten.

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