Aiways U5 Test: Elektro-SUV vom Elektromarkt

Den Aiways U5 gibt es zum günstigen Preis mit viel Platz, 400 Kilometern Normreichweite – und nur beim Elektronikmarkt Euronics. Auch sonst läuft im Test des Elektro-SUVs nicht alles wie gewohnt.

Heiko Dilk
Heiko Dilk
Ein Aiways U5 fährt auf der Landstraße
Der Aiways U5 muss sich gegen Elektro-SUVs wie den Skoda Enyaq oder den VW ID.4 behaupten. Dabei macht er einiges anders, aber wenig besser als die Wettberber [Bildquelle: Aiways]

Ich weiß gar nicht, wann ich zum letzten Mal ins Handbuch gucken musste, um ein Auto zu verstehen. Es liegt schon lange zurück. Mit dem Aiways U5 kam ich drei Kilometer weit, bevor ich die Anleitung konsultieren musste. Dabei wollte ich bloß die Anzeige des Bordcomputers verstellen. Statt der Spannung des Antriebssystems interessierte mich der Stromverbrauch. Willkommen also im etwas anderen Elektro-SUV. Anders, weil es vor allem beim Infotainment eigenwillige Wege geht. Aber auch, weil man den Aiways U5 nicht beim Aiways-Händler bekommt. Sondern beim Elektronikfachmarkt Euronics.

Pro

Das gefällt uns am Aiways U5
  • Komfortabel auf Holperstrecken
  • Umfangreiche Ausstattung
  • Günstiger Preis
  • Gutes Platzangebot

Kontra

Das gefällt uns nicht am Aiways U5
  • Enttäuschende Ladeleistung
  • Unzureichendes Infotainment
  • Zu weiches Fahrwerk
  • Schwammige Lenkung

Das ist erstmal eine clevere Idee. Denn ein Händlernetz aufzubauen, ist teuer. Ein bestehendes zu nutzen spart Geld, das Kund*innen nicht zahlen müssen. Und womöglich nicht wollen würden, denn deutsche Autokäufer*innen geben zwar gerne Geld für Autos aus. Aber eigentlich nur, wenn sie von etablierten Marken kommen. Am besten von deutschen Marken. Aiways ist nicht etabliert. Nicht mal im Herkunftsland China. 2017 wurde die Marke gegründet, 2019 die europäische Niederlassung. Der Aiways U5 muss sich also über den Preis verkaufen. 38.990 Euro kostet das Basismodell. Für ein Mittelklasse-SUV mit einer Länge von 4,68 Metern kein übler Preis. Aber dazu später mehr.

Aiways U5 im Test: Infotainment mit Defiziten

Zurück zur Verstellung des Bordcomputers: Um die kleine Anzeige links vom digitalen Instrumententräger zu ändern, muss man zunächst lange auf die kleine Walze am Lenkrad drücken, dann kann man zur gewünschten Anzeige drehen. Zum Glück ist ein relativ umfangreiches Bordbuch in wenigen Klicks auf dem Infotainment-Bildschirm aufrufbar. Auch davon abgesehen findet man sich vergleichsweise zügig zurecht. Was jedoch vor allem daran liegt, dass das Infotainment keine allzu große Funktionsvielfalt bietet. Die Menüführung überzeugt nicht in allen Details. Manche Funktionen muss man länger suchen, weil sie sich in unerwarteten Untermenüs verbergen. Detailliertere Infos zu Energiefluss und zur Verbrauchshistorie wären schön, doch die gibt es nicht.

Ein Navigationssystem fehlt ebenfalls. An sich nicht schlimm, jedenfalls wenn man ein iPhone nutzt. Apple Carplay ist an Bord, so dass sich Google Maps oder die Apple-Karten nutzen lassen. Der Smartphone-Standard Android Auto fehlt jedoch. Stattdessen soll man sein Handy via Easyconnection verbinden. Das ist sowas wie die chinesische Version von Mirrorlink. Und damit noch weniger verbreitet als der nahezu obsolete Mirrorlink-Standard. Das (chinesische) Huawei-Handy lässt sich im Test nur bei freigeschaltetem Entwicklermodus verbinden. Android Auto soll in Planung sein.

Weder Carplay noch Android Auto lösen allerdings ein Grundproblem: Eine zuverlässige Routenplanung inklusive clever platzierter Ladestopps lässt sich damit nicht vornehmen. Auch die Aiways App beherrscht das nicht. Immerhin kann man aus der Ferne den Ladestand nachsehen, die mögliche Reichweite, die Klimaanlage aktivieren, Türen und Heckklappe schließen und öffnen sowie das Fahrzeug starten – warum auch immer.

Blick auf den Bildschirm des Infotainmentsystems des Aiways U5
Das Infotainmentsystem bietet nur einen begrenzten Funktionsumfang. Die Bedienung könnte deutlich intuitiver ausfallen [Bildquelle: Aiways]

Kofferraum und Interieur: Viel Platz im Aiways U5

Das Platzangebot im Aiways fällt ordentlich aus. Bei einer Länge von 4,68 Metern passen 423 bis 1555 Liter in den Kofferraum. In der Praxis scheint der Wert eher konservativ bemessen. Die Ladefläche ist groß und topfeben, wenn man die Sitzflächen in Reihe zwei nach vorne klappt. Die Laderaum-Abdeckung findet unter dem Boden Platz. Ösen oder Haken für die Sicherung der Einkäufe fehlen leider. Die Heckklappe öffnet elektrisch. allerdings nicht sehr weit. Die Gefahr, sich den Kopf zu stoßen, trifft nicht nur groß Gewachsene.

Hinten sitzen Passagiere großzügig, mit viel Platz für Kopf und Knie. Vorne sitzt man luftig und licht, woran das Panoramaglasdach einen  großen Anteil hat. Ablagen gibt es in der Mittelarmlehne. Davor befinden sich zwei Becherhalter, die gerne eine Spur breiter ausfallen könnten. Unter der Mittelkonsole lassen sich ebenfalls einige Sachen ablegen, ein Handschuhfach fehlt jedoch. Ein Fach fürs Handy platziert Aiways hinter der aufklappbaren Bedieneinheit der Klimaanlage, dort finden sich auch ein 12-Volt- und ein USB-Anschluss. Für aktuelle Smartphones ist das Fach jedoch deutlich zu klein.

Die Verarbeitung im Innenraum gibt wenig Anlass zum Meckern. Nicht mal auf gröbstem Kopfsteinpflaster klappert oder knarzt es, den Drucktest bestehen die verbauten Leisten und Paneele ebenfalls. Oberflächen und Materialien wirken nicht besonders wertig, fühlen sich aber auch nicht billig an. Solide und wohnlich wirkt der Innenraum des Aiways U5.

Weiches Fahrwerk, schwammige Lenkung

Weniger solide wirkt das Fahrverhalten des Aiways U5. Bei niedrigen Geschwindigkeiten gefällt die weiche Federung noch, weil sie tiefe Schlaglöcher und grobe Buckel unbeeindruckt schluckt. Die Kehrseite des Komforts ist jedoch eine ausgeprägte Schaukelneigung bei etwas höheren Geschwindigkeiten. Bei welligem Bodenbelag schwingt die Karosserie zu viel. Die Lenkung bietet kaum Rückmeldung und wenig Widerstand, was in der Stadt nicht stört, bei Tempo aber wenig Vertrauen vermittelt.

Auf der Landstraße bewegt man das SUV entsprechend lieber gemütlich. Auf der Autobahn ebenfalls, was am recht hohen Geräuschniveau liegt. Die Windgeräusche nehmen schon deutlich unter Richtgeschwindigkeit stark zu. Die Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h reizt man ohnehin nicht aus, weil die Reichweite dann massiv sinkt. Das ist auch bei anderen Elektroautos so üblich. Dabei mangelt es dem U5 nicht an Kraft. Sein Elektromotor leistet 150 kW (204 PS), von 0 auf 100 km/h beschleunigt er in 7,7 Sekunden. Das Drehmoment von 310 Newtonmetern liegt wie üblich ansatzlos an.

Aiways U5 von hinten auf der Landstraße
Bei flotter Überlandfahrt macht der U5 keine sehr gute Figur. Das Fahrwerk lässt ihn stark wanken und schwingen, die Lenkung vermittelt wenig Gefühl [Bildquelle: Aiways]

Stromzähler

0 km
Reichweite
0 h
Ladezeit bei 6,6 kW
0 min
20 bis 80 % bei bis zu 90 kW

Aiways U5: Reichweite und Verbrauch

Aiways bringt einen Akku mit 63 kWh Kapazität im U5 unter, von denen rund 61 kWh nutzbar sind. Er soll für 400 Kilometer Reichweite laut WLTP-Norm genügen. In der Praxis schaffen wir das nicht. Rund 300 Kilometer bleiben im gemischten Betrieb, bei recht kühlen Temperaturen. Das ist im Vergleich zum Wettbewerb nicht üppig.

Der Testverbrauch von 22 kWh auf 100 Kilometern liegt etwa auf dem Niveau eines Skoda Enyaq. Auf der gemächlichen Pendelstrecke und bei wenig Verkehr in der Stadt werden es auch mal moderate 15 kWh, was für ein Auto dieser Größe in Ordnung geht.

Leider füllt sich der Akku nur recht langsam. Zwar verspricht Aiways, dass er sich an einer Schnellladesäule innerhalb von 36 Minuten von 20 auf 80 Prozent bringen lässt, doch die versprochene Ladeleistung von bis zu 90 kW erreichen wir nicht annähernd. Zwischen 19 und 61 Prozent fließt der Strom im Schnitt nur mit 50 kW. Die niedrigen Außentemperaturen dürften dafür verantwortlich sein. Hier zeigt sich, wie schon beim Ioniq 5, dass eine theoretisch hohe Ladeleistung wenig hilft, wenn sich der Akku nicht vorkonditionieren lässt. Ebenfalls suboptimal ist die Ladeleistung an Wechselstrom. Der Aiways U5 lädt nur einphasig mit maximal 6,6 kW.

Aiways U5: Preis und Ausstattung

Wie bereits erwähnt: Der Preis des Aiways U5 liegt bei mindestens 38.990 Euro, abzüglich Elektroprämie. Das klingt nicht wenig, schließlich bekommt man für ähnliches Geld auch einen Skoda Enyaq iV 60. Der verfügt mit 136 kW über etwas weniger Leistung, aber eine ähnliche Reichweite. Er federt zwar straffer und spricht zuweilen hölzern auf Buckel an, dafür fährt er jedoch kontrollierter und geht zügiger um Ecken. Sogar das Infotainment (aktuell keine Stärke im Hause Volkswagen) lässt sich besser bedienen und bietet einen deutlich größeren Funktionsumfang.

Interessant ist der Preis des U5 trotzdem. Unser getestetes Modell in Vollausstattung liegt bei 42.070 Euro. Dafür gibt es zahlreiche Assistenten wie beispielsweise Citynotbremse, Spurhalter, Abstandstempomat mit Stauassistent, Querverkehrswarner und Ausstiegswarner. Ausstattungsbereinigt liegt der Aiways U5 also noch ein paar Tausender unter den meisten Wettbewerbern.

Ebenfalls reizvoll: Aiways setzt das Wartungsintervall bei 100.000 Kilometern an. Dafür muss man dann natürlich nicht zu Euronics, wo man den Aiways U5 kauft, sondern darf zu A.T.U. Die Werkstattkette übernimmt hierzulande die Wartung und soll sich Dank Schulungen auch mit Reparaturen auskennen. 

Fazit:

Der Aiways U5 muss noch Überzeugungsarbeit leisten. Der Preis geht in Ordnung, macht ihn aber nicht zum Superschnäppchen. Fahrverhalten und Infotainment lassen zudem zu wünschen übrig. Bei Reichweite und Ladegeschwindigkeit bietet der U5 keine aufsehenerregenden Topwerte. So dürfte der Aiways U5 noch nicht allzu viele Kund*innen dazu bringen, ihren Neuwagen beim Elektronikmarkt statt im Autohaus zu kaufen.

Heiko | @MobilityTalk

Technische Daten – Aiways U5
ModellAiways U5 Premium
Reichweite (WLTP)400 km
Reichweite (Test)398 km (Pendelfahrt), 218 km (Autobahn) , 277 km (Stadt) (Winter)
CO2-Ausstoß (mit deutschem Strommix, ohne Ladeverluste)61 g/km (Pendelfahrt), 111 g/km (Autobahn), 87 g/km (Stadt) (Winter)
Ladedauer DC36 Minuten (20-80 Prozent)
Ladeleistung DC90 kW
Ladedauer ACca. 10 Stunden
Ladeleistung AC6,6 kW
Kofferraum432 – 1.555 l
Länge4.680 mm
Breite1.865 mm
Höhe1.700 mm
Radstand2.800 mm
Gewicht1.770 kg
Zuladung310 kg
Akkukapazität63 kWh (brutto); 61 kWh (netto)
0-100 km/h7,8 s
Geschwindigkeit160 km/h
Leistung150 kW (204 PS)
Drehmoment310 Nm
AntriebElektrisch, Heck (ein Motor)
Verbrauch (Norm)17,0 kWh/100 km
Verbrauch (Test)15,3 kWh/100 km (Pendelfahrt), 28,0 kWh/100 km (Autobahn), 22,0 kWh/100 km (Stadtverkehr) (Winter)
Basispreis39.990 Euro
Testwagenpreis42.070 Euro

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