Auto-Abos Ratgeber: Alle Infos, alle Anbieter

Zwischen Leasing und Miete liegt das Auto-Abo: Unkompliziert, flexibel, alle Kosten inklusive. Welche Anbieter es gibt, was sie leisten und worauf du sonst noch achten solltest, haben wir in diesem Ratgeber zusammengetragen.

Ein Mercedes EQA hängt an einer Ladesäule von Ionity
Erstmal ausprobieren: Mercedes bietet Abos zunächst nur für die elektrischen EQ-Modelle an. Das soll mögliche Hürden beim Umstieg auf die E-Mobilität überwinden [Bilduelle: Daimler]

Es ist das Mantra der digitalen Gesellschaft: Eigentum verliert an Bedeutung. Nur weil wir Dinge nutzen wollen, müssen sie uns nicht gehören. Eigentum verpflichtet schließlich und kann nerven. Das gilt besonders fürs Auto. Man muss es zulassen, versichern, pflegen, warten, durch den Tüv bringen. Und wenn man es nicht mehr braucht, muss man es verkaufen. All das kostet Lebenszeit und Geld. Doch es gibt das Auto-AboDas Versprechen: Flexibilität und klar kalkulierbare Kosten. Versicherung, Wartung, Zulassungsgebühren, Ersatzteile, Verschleißteile – alles inklusive. Nur Treibstoff muss man selbst zahlen. Damit liegt das Auto-Abo zwischen Miete und Leasing. Bei den Kosten genau wie bei der Laufzeit.

Auto-Abo: Flexibel und stressfrei

Die verlockende Idee, das passende Auto zum Anlass fahren zu können, stellt allerdings nicht unbedingt das gängige Modell dar. Zwar gibt es Angebote, die Fahrzeugwechsel innerhalb der Vertragslaufzeit vorsehen, doch die sind selten geworden. Laut Christian Middelhauve, Vertriebschef von Daimler Mobility, liegt das daran, dass diese Angebote nicht dem Kundenbedürfnis entsprechen. „Die Kunden wollen das Auto gar nicht wechseln“, sagt er. „Aber sie wollen flexibel sein, falls sich ihre Lebenssituation ändert.“

Zudem spielt auch Nachhaltigkeit eine gewisse Rolle. Stephan Lützenkirchen, Gründer und Sprecher des markenoffenen Anbieters Vivelacar, sagt: „Wir sehen jetzt, Ende September, wie die Buchungen hochgehen. Das sind Leute, die im Sommer gerne auf das Auto verzichten und lieber Fahrrad fahren.“ Anders gesagt: Wer kein Auto vor der Tür stehen hat, fährt auch weniger. Und wenn Autos seltener gefahren werden, müssen weniger Autos gebaut werden.

Für wen sich das Auto Abo lohnt, welche Anbieter es gibt und worauf Du dabei achten musst, haben wir für Dich zusammengestellt.

Auto-Abos: Das Wichtigste in Kürze

  • Alle Kosten außer Treibstoff inklusive
  • Flexibler als Leasing, günstiger als Miete
  • Hersteller und markenoffene Anbieter
  • Neu-, Gebraucht- oder Jahreswagen möglich
  • Laufzeiten von einem Monat bis zu zwei Jahren
  • Preis ab ca. 200 Euro, nach oben offen
  • Buchung meist online oder per App
  • Abholung oder Lieferung je nach Anbieter

Video: Für wen sich ein Auto-Abo lohnt

Flexibilität heißt das Stichwort beim Auto-Abo. Daher eignet es sich vor allem für Menschen, die nicht dauerhaft ein Auto benötigen, sondern saisonal. Wer im Sommer lieber Fahrrad fährt, kann im Herbst und Winter trotzdem automobil sein. Das gleiche gilt für Menschen, die beispielsweise den Winter im Ausland verbringen. Zudem kann Bequemlichkeit ein wichtiger Faktor sein. Beim Auto-Abo muss man sich um viele Dinge, die Eigentum mit sich bringt (Zulassung, Versicherung etc.), nicht kümmern.

Daneben hilft das Auto-Abo Menschen, deren Lebenssituation sich spontan verändern kann. Das können berufliche Umstände sein oder ein befristetes berufliches Projekt. Wer beispielsweise wegen Krankheit oder nach einem Unfall plötzlich befristet auf ein Auto angewiesen ist, für den kommt ein Abo ebenfalls in Betracht.

Oder für Ausprobierer. Wer beispielsweise herausfinden will, ob die Elektromobilität im Alltag funktioniert, kann das relativ risikolos über ein Auto-Abo machen. Daimler Mobility etwa bietet Abos derzeit ausschließlich für die elektrischen EQ-Modelle an. Laut Vertriebschef Middelhauve entfällt dort ein Drittel des Absatzes auf Abos.

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Auto-Abos im Vergleich zu Leasing und Langzeitmiete

Vor allem in drei Punkten unterscheidet sich das Auto-Abo vom Leasing: bei Laufzeit, Kosten und Leistungen. Während sich Leasingnehmer meist Jahre an ein Auto binden, wird ein Abo für Mindestlaufzeiten von einem bis zu mehreren Monaten abgeschlossen. Die Kündigungsfristen für den Ausstieg aus dem Abo liegen üblicherweise bei einem bis drei Monaten. Aus einem Leasingvertrag kommt man nur mit finanziellen Einbußen vorzeitig heraus. Zudem gibt es beim Leasing einen Schufa-Eintrag, beim Abo erfolgt lediglich eine Bonitätsprüfung ohne Eintrag.

Das Auto-Abo ist deutlich flexibler als ein Leasingvertrag. Diese Flexibilität bekommt man allerdings nicht umsonst. Auto-Abos sind in aller Regel teurer als Leasingverträge. Bei rund 200 Euro pro Monat geht es los, Leasingangebote findet man bereits für weniger als 100 Euro im Monat.

Das Hauptargument fürs Auto-Abo ist neben der Flexibilität der Leistungsumfang. Kosten für Zulassung, Steuer, Versicherung, Tüv, Wartung, Reparaturen und Verschleißteile sind im Idealfall mit der Monatsrate abgegolten. Ähnliche Leistungen erhält man sonst allenfalls mit einem Fullservice- oder All-Inclusive-Leasing.

Sonderfall Langzeitmiete

Viele klassische Autovermieter bieten als Sonderfall ab einem Mietzeitraum von einem knappen Monat Langzeitmieten an. Wie beim Auto-Abo sind alle Nebenkosten in der monatlichen Rate enthalten, die Kündigung ist nach Ablauf der Mindestmietdauer jederzeit möglich. Teilweise bieten die Vermieter auch die Möglichkeit zum Fahrzeugwechsel. Klingt nach Auto-Abo, doch je nach Vertragsgestaltung können Unterschiede zwischen Langzeitmiete und Auto-Abo bestehen. So erhält man beispielsweise nicht unbedingt sein Wunschfahrzeug, sondern irgendeines aus dem Fahrzeugsegment. Hier sollte man genau auf die Vertragsgestaltung achten.

Sonderfall Kurzzeitleasing

Das gleiche gilt fürs Leasing. Nicht überall wo Auto-Abo drauf steht, ist auch Auto-Abo drin. Zwar sieht der Leistungsumfang beim Full-Service- oder All-Inclusive-Leasing ähnlich aus wie beim Auto-Abo. Doch die konkrete Vertragsgestaltung kann sich in wichtigen Punkten unterscheiden. So erfolgt beim Leasing beispielsweise in Schufa-Eintrag. Fürs Auto-Abo reicht hingegen eine Bonitätsprüfung. Wieder gilt: Den vermeintlichen Auto-Abo-Vertrag gut lesen.

Diese Laufzeiten gibt es beim Auto-Abo

Die Laufzeiten für Abos können stark variieren, je nach Anbieter sind sehr kurze Laufzeiten ab einem Monat möglich. Manche verlangen eine längere Bindung von mehr als einem Jahr. Was möglich ist und was nicht, kann sich zudem von Automodell zu Automodell unterscheiden.

Prinzipiell gilt: Je länger die Bindung, desto günstiger. Wer sich beispielsweise bei Volvos Care by Volvo Programm für 36 Monate festlegt, statt auf eine dreimonatige Kündigungsfrist zu setzen, zahlt einen niedrigeren Monatsbeitrag. Ähnlich läuft es bei Finn, hier sind Laufzeiten von sechs oder 13 Monaten möglich. Oder ein Flex-Vertrag mit einmonatiger Kündigungsfrist. Bei Like2drive variieren die buchbaren Laufzeiten je nach Fahrzeugmodell. Bei Vivelacar bucht man keine Laufzeit, es besteht jedoch eine dreimonatige Kündigungsfrist.

Ein Mann surft auf einem Tablet das Auto-Abo Care by Volvo an
Volvo bot mit Care by Volvo als einer der ersten Autohersteller ein Auto-Abo an. Die Laufzeiten sind jedoch vergleichsweise lang, die Kosten hoch [Bildquelle: Volvo]

Das kostet das Auto-Abo

Die Preise für die kleinsten Autos starten bei den günstigsten Anbietern um 200 Euro pro Monat. Nach oben sind kaum Grenzen gesetzt, die Luxus- oder Oberklasse kostet meist mehr als 1000 Euro pro Monat.

Oft gilt beim Auto-Abo: Wer sich länger bindet, zahlt weniger. Bei Cluno oder Like2drive variieren die Preise zwischen 6, 12 und 18 Monaten Laufzeit in den kleineren bis mittleren Fahrzeugklassen oft nur um je 10 bis 20 Euro. Bei Finn hingegen kann eine Laufzeitverkürzung von 13 auf 6 Monate den Monatsbeitrag um 100 Euro verteuern. Volle Flexibilität mit monatlicher Kündigungsfrist kostet nochmal 100 Euro mehr. Faaren kennt derartige Einschränkungen beispielsweise nicht.

Zusätzlich basieren die Monatspreise bei nahezu allen Anbietern auf einer bestimmten Laufleistung. Meist bieten sie Kilometer-Pakete an, die pro Monat Laufzeit verfahren werden dürfen. Wer mehr fahren will, zahlt einen höheren Monatsbeitrag. Oft lassen sich die Kilometerpakete monatlich wechseln. Laut Stephan Lützenkirchen von Vivelacar eine Option mit Umweltaspekt, die man wahrnehmen sollte. „Das kann eine Motivation sein, keine unnötigen Fahrten mit dem Auto zu machen. Durch ein kleineres Monatspaket lässt sich schnell eine dreistellige Summe sparen.“ Aber Vorsicht: Wer mehr verfährt als gebucht, zahlt die zusätzlichen Kilometer extra.

Darauf musst Du beim Auto-Abo achten

Es gibt durchaus Einschränkungen beim Abo, die man als Interessent zumindest kennen sollte. Das betrifft die Auswahl an buchbaren Fahrzeugen oder mögliche Zusatzkosten, etwa für die Versicherung. Und: Nicht jeder, der ein Auto abonnieren will, darf das auch. Viele Anbieter haben Altersbeschränkungen nach oben und nach unten, manche liefern das Auto, bei anderen muss man es abholen.

Auswahl an Fahrzeugen

Wer bei einem Hersteller abonniert, kann nur Automodelle dieser Marke buchen, logisch. Doch auch bei freien Anbietern gibt es nicht unbedingt alle Marken und alle Modelle. Zudem kann man sein Auto nicht so konfigurieren, wie man es gerne hätte. Angeboten werden Autos, die bereits gebaut sind. Das können bei manchen Anbietern auch Gebrauchtwagen oder Tageszulassungen sein. Die Lieferzeiten variieren, liegen jedoch deutlich unter denen beim Neuwagenkauf. Manche Fahrzeuge sind innerhalb weniger Tage verfügbar, andere innerhalb von Wochen.

Mögliche Zusatzkosten

Manche Abo-Anbieter erheben eine einmalige Anmeldegebühr, oftmals wird zudem eine Kaution fällig. Zusatzkosten können außerdem entstehen, wenn man zusätzliche Fahrer eintragen lassen will oder Auslandsreisen abgedeckt sein sollen. Ähnlich wie beim Leasing werden die Rückläufer auf Schäden, Beulen und Kratzer überprüft. Sind mehr als die „üblichen Gebrauchsspuren“ vorhanden, kostet die Reparatur Geld.

Strafzettel werden ebenfalls teurer als beim eigenen Auto. Sie werden wie bei Mietwagen zunächst dem Fahrzeughalter zugestellt. Für die Weiterleitung an den Abo-Kunden erheben die Abo-Anbieter eine Bearbeitungsgebühr. Weitere Zusatzkosten können bei Unfällen entstehen. Zwar versichert der Abo-Anbieter die Autos, oft jedoch mit Selbstbehalt. Auf die Höhe der Sätze sollte man beim Abschluss achten. Und darauf, ob das Auto kostenfrei oder kostenpflichtig geliefert wird oder ob man es abholen muss.

Altersbeschränkungen

Bei vielen Anbietern gilt ein Mindestalter fürs Auto-Abo, oder es gelten Einschränkungen für junge Abonnenten. Je nach Anbieter liegt das Mindestmietalter zwischen 18 und 23 Jahren. Bei Vivelacar dürfen Kunden zwischen 18 und 20 Jahren maximal 135 PS starke Autos abonnieren, ab 21 Jahren und dreijährigem Führerschein sind 286 PS möglich, ab 27 und fünfjährigem Führerschein gibt es keine Grenzen mehr. Oft gibt es zudem ein Höchstalter, das üblicherweise um 75 Jahre liegt.

Fazit:

Auto-Abos können eine gute Alternative zum Kauf oder zum Leasing sein. Kurzfristig das richtige Auto für jede Gelegenheit bekommt man allerdings nicht. Zum Glück: Das wäre alles andere als nachhaltig. Vor allem für Menschen, deren Lebenssituation sich schnell ändern kann, ergibt das Abo Sinn. Und wenn man es mit einem Sharing-Modell kombiniert, bei dem sich mehrere Parteien ein Auto-Abo teilen, wird es sogar ein bisschen ökologisch.

Heiko | @MobilityTalk

Die wichtigsten Anbieter von Auto-Abos

Der Markt der Abo-Anbieter ist in Bewegung. Derzeit gibt es mehrere Dutzend Anbieter, darunter verschiedene Fahrzeughersteller und viele freie Anbieter. Diese Liste deckt Stand Oktober 2021 die wichtigsten Anbieter von Abos, Langzeitmieten und Full-Service-Leasing ab.

Hersteller

Markenoffene Anbieter

Vermieter

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