Die fahrradfreundlichsten Städte der Welt

Fahrradfahren kann wunderschön sein. Oder nervig. Das hängt auch davon ab, wie gut eine Stadt auf die Bedürfnisse der Radler*innen eingestellt ist. Hier ist eine Top 10 der fahrradfreundlichsten Städte.

Heiko Dilk

Heiko Dilk

Das Klischee von den Windmühlen und den Fahrradfahrer*innen stimmt: In der Top 10 der fahrradfreundlichen Städte belegen die kleinen Niederlande zwei Plätze [Bildquelle: picture alliance / NurPhoto | Nicolas Economou]

Laut einem Lied der Sängerin Katie Melua soll es zwar neun Millionen Fahrräder in Peking geben. Als besonders fahrradfreundlich gilt die chinesische Hauptstadt jedoch nicht. Das Allgemeinwissen sagt eher: In Kopenhagen lässt es sich bestens radeln, oder in Amsterdam. Da scheint was dran zu sein. Im „Global Bicycle Cities Index 2022“, der die fahrradfreundlichsten Städte listet, landen Kopenhagen und Amsterdam auf den Plätzen 4 und 5. Peking schafft es hingegen nur auf Platz 38. Oder: immerhin. Das ist deutlich vor Oslo oder Stockholm.

Der von dem Versicherer Luko herausgegebene Fahrrad-Index mag insoweit nicht in allen Details deckungsgleich sein mit der Erfahrung von Fahrradfahrenden. Doch er gibt  Anhaltspunkte für die Fahrradfreundlichkeit diverser Städte weltweit. Bewertet werden insgesamt 16 Kriterien. Darunter sind Faktoren wie das Wetter und der Anteil der Fahrradfahrenden unter den Bewohner*innen, die natürlich nur bedingt etwas über die wahre Fahrradfreundlichkeit aussagen.

Wichtiger schon eher: Wie unfallgefährdet sind Radfahrende? Werden Räder oft gestohlen? Wie hoch ist die Dichte und die Vernetzung von Fahrradwegen und -straßen, wird viel in die Fahrradinfrastruktur investiert und: Wie gut sind die Wege eigentlich in Schuss? Auch die Zahl von Fahrradläden und Sharing-Angeboten fließen in den Score ein. Wer schafft es in dieser Liste an die Spitze? Vorab so viel: Neun Städte in den Top 10 liegen in Europa, ein echter Überraschungskandidat ist auch dabei. Hier ist die Top 10 der fahrradfreundlichsten Städte laut „Global Bicycle Cities Index 2022“ (GBI).

Platz 10: Hannover

Die Stadt an der Leine tut sich nur in wenigen Punkten explizit hervor. Tatsächlich nutzen nur 19 Prozent der Einwohner*innen für tägliche Fahrten ein Fahrrad, einer der niedrigsten Werte in den Top 10. Doch Hannover investiert in die Fahrradinfrastruktur, hält einmal jährlich einen autofreien Tag ab und veranstaltet regelmäßig Events, um zum Fahrradfahren zu animieren.

Platz 9: Bremen

Junge Leute auf dem Fahrrad
Bremen kümmert sich in den letzten Jahren darum, das Fahrradfahren in der Stadt attraktiver zu gestalten [Bildquelle: WFB | Ingo Wagner]

In Bremen hat sich vor allem in den letzten vier, fünf Jahren viel getan für Fahrradfahrer*innen. Laut dem Copenhagenize Index (der ähnlich funktioniert wie der GBC) wurden dort 2019 rund 25 Prozent aller Wege mit dem Rad zurückgelegt. Mehr als in jeder anderen deutschen Stadt. Die Zahl spezieller Fahrradwege und -straßen ist zuletzt gestiegen, die Investitionen in die Infrastruktur sind hoch.

Platz 8: Bern

Die Schweizer Hauptstadt verfügt über den geringsten Anteil an Fahrradfahrer*innen an der Bevölkerung (15 Prozent). Dennoch gibt es viele Fahrradläden, ein gut ausgebautes Wegenetz und weiterhin hohe Investitionen in die Infrastruktur. Außerdem ist die Dichte an Bike-Sharing-Stationen und die Zahl der Sharing-Bikes eine der höchsten in den Top 10.

Platz 7: Hangzhou

Bis in die 1990er-Jahre war China das Fahrradland schlechthin. Doch dann wuchs die Automobilproduktion zum relevanten Wirtschaftsfaktor heran und bestimmte die Stadtentwicklung. Doch das dreht sich wieder. Nicht nur in der Stadt Hangzhou, aber auch dort. Hier nutzen 30 Prozent der Bewohner*innen das Rad für tägliche Wege. Die Zahl der Bike-Sharing-Möglichkeiten nimmt zu. Da die Regierung jetzt wieder mehr Menschen aufs Fahrrad bringen will, steigt auch die Zahl der Events, die dazu animieren.

Platz 6: Malmö

Ein Fahrradfahrer in Malmö
Malmö gilt als die fahrradfreundlichste Stadt Schwedens. [Bildquelle: Tourism in Skane]

Malmö weist die niedrigste Zahl an Fahrradunfällen mit Todesfolge unter allen Städten in den Top 10 auf. Zudem gibt es eine solide Dichte an Fahrradverkehrswegen und weiterhin hohe Investitionen in die Infrastruktur. Das macht Malmö zur fahrradfreundlichsten Stadt in Schweden.

Platz 5: Amsterdam

32 Prozent der Amsterdamer Bevölkerung nutzen für regelmäßige Wege das Fahrrad. Kein Wunder, das Radwegenetz ist top ausgebaut und in gutem Zustand. Bei den Investitionen belegt Amsterdam einen der Spitzenplätze in den Top 10, Fahrradevents finden ebenfalls in großer Zahl in der niederländischen Hauptstadt statt. Allerdings gibt es auf die Bevölkerung gerechnet auch recht viele Unfälle.

Platz 4: Kopenhagen

Ein Fahrradfahrer in Kopenhagen auf einer Brücke
Die dänische Stadt Kopenhagen ist berühmt für ihre fahrradfreundliche Infrastruktur. Im GBI Ranking schafft sie es trotzdem 2022 nur auf Platz 4 [Bildquelle: VisitCopenhagen 24]

Sonst regelmäßig an der Spitze derartiger Rankings (etwa im Copenhagenize Index), schafft die dänische Fahrradstadt es nur auf Platz 4. Dabei beeindrucken vor allem die geringe Zahl der Unfälle mit Fahrradbeteiligung, die geringe Zahl der Diebstähle und ein ordentliches Wegenetz. Die Zahl der Sharing-Stationen und Sharing-Bikes sowie die Zahl der Fahrradevents fällt hingegen gering aus. Ist vielleicht auch nicht nötig, wenn sowieso schon jede*r Fahrrad fährt.

Platz 3: Antwerpen

Antwerpen ist sowas wie die Hauptstadt des Bike-Sharings. Keine Stadt in den Top 10 verfügt über mehr Bike-Sharing-Stationen und Sharing-Bikes pro Einwohner*in. Allerdings ereignen sich auch nirgendwo so viele Unfälle mit Fahrradbeteiligung. Dabei ist das Radwegenetz groß, doch die Qualität der Infrastruktur lässt in Teilen zu wünschen übrig.

Platz 2: Münster

Münster gilt als die Fahrradstadt in Deutschland. Mehr als 39 Prozent der Einwohner*innen radeln regelmäßig. Die Zahl der Verkehrstoten und Unfälle pro Kopf ist niedrig, es gibt viele Radwege und -straßen, zudem wird noch immer gut in die Infrastruktur investiert.

Platz 1: Utrecht

Fahrradfahrer an einem Zebrastreifen
Fahrradfahrer*innen fühlen sich wohl in Utrecht. Mehr als 50 Prozent der Einwohner nutzen ihr Rad für tägliche Wege [Bildquelle: NBTC | Iris van den Broek]

Die niederländische Stadt Utrecht führt diese Liste mit weitem Abstand an. Spitzenwerte beim Wegenetz, bei den Investitionen und bei der Qualität der Infrastruktur sind die Hauptgründe. Und die führen offenbar dazu, dass hier mehr Menschen ihre täglichen Wege mit dem Rad erledigen als anderswo. 51 Prozent sind es laut dem GBI, keine andere Stadt kommt über 40 Prozent.

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