Kette oder Riemenantrieb beim Fahrrad – Darin liegen die Vorteile der Antriebe

Seit ein paar Jahren gibt es Fahrräder mit Riemenantrieb. Ist das eine technische Spielerei für Freaks oder eine ernstzunehmende Technik mit echten Vorteilen?

Fabian Hoberg
Fabian Hoberg
Riemenantrieb eines Fahrrads
Fahrräder mit Riemenantrieb haben Vorteile: Es gibt kein Öl, das die Kleidung beschmutzt, und der Verschleiß ist minimal [Bildquelle: Picture Alliance]

Sie fällt meist erst auf, wenn sie abspringt oder quietscht, die Antriebskette am Fahrrad. Oft wird sie dann wieder mühsam auf die Ritzel gehoben und geölt. Danach sind zwar die Hände meist schwarz, aber das Rad läuft wieder einwandfrei – bis zur nächsten Panne. Seit etwa zehn Jahren gibt es eine Alternative zur Fahrradkette mit ihren vielen einzelnen Gliedern: Riemen. Wir erklären die Vor- und Nachteile der beiden Antriebsarten fürs Fahrrad.

Kettenantrieb

Die meisten Fahrräder, ganz gleich, ob Mountainbike, E-Bike, Rennrad, Trecking- oder Kinderfahrrad, setzen auf Ketten. Ketten sind fast überall verfügbar, je nach Einsatz günstig und lassen sich in der Länge variieren. Dafür müssen lediglich einige Kettenglieder entfernt oder hinzugefügt werden. Damit lässt sich eine Kette in jedem Fahrradrahmen verbauen, selbst wenn die Tretkurbel außerhalb des Rahmens und das hintere Ritzel innerhalb des Rahmens liegen.

Eine gut geschmierte, frische Kette mit einer Kettenschaltung erzielt wegen geringerer Reibungsverluste sogar einen besseren Wirkungsgrad als ein Riemen. Heißt: von der Beinkraft kommt mehr Power am Hinterrad an. Bei Schaltungsketten ermöglichen verschiedene Ritzel (hinten) und Kettenblätter (vorne) eine Veränderung des Übersetzungsverhältnisses.

Je nach Modell halten sich die Anforderungen an die Pflege in Grenzen: Ein, zwei Mal im Jahr ölen und gegebenenfalls nachspannen, fertig. Bei schlechter Pflege und Dauerfahrten bei Regen, Schnee und Matsch kann die Kette jedoch rosten. Sie fängt dann an zu quietschen und kann bei einem oder mehreren steifen Kettengliedern leicht von der Kette springen. Zudem längt sich jede Kette sukzessive und muss daher regelmäßig nachgestellt oder ersetzt werden. Denn während der Bewegung nutzen sich die Verbindungsbolzen ab und das Spiel wird größer. Günstige Ketten kosten ab rund zehn Euro, spezielle Ketten mitunter mehr als 70 Euro. Dazu kommen je nach Rad neue Ritzel und Kettenblätter. Denn die verschleißen ebenfalls mit der Zeit.

Bei ausreichender Pflege und je nach Einsatz, Schalthäufigkeit sowie Antrittsstärke halten Ketten bis zu 10.000 Kilometer. Klingt viel? Ambitionierte Radfahrer fahren pro Jahr zwischen 4.000 und 7.000 Kilometer, müssen also spätestens nach zwei Jahren die Kette wechseln. Wer mit dem Rad nur ab und an mal am Wochenende und bei schönem Wetter unterwegs ist, fährt mit ein und derselben Kette womöglich aber mehrere Jahre.

Vorteile Kettenantrieb

  • Günstig
  • Effizient
  • Bei jedem Radrahmen einsetzbar
  • Reparaturen möglich
  • Kombination mit Ketten- oder Getriebeschaltung möglich

Nachteile Kettenantrieb

  • Wartung erforderlich
  • Geringe Haltbarkeit
  • Höheres Gewicht
  • Geräusche im Betrieb

Riemenantrieb

Leicht, leise, fett- und ölfrei. Ein Riemen als Antrieb bietet einige Vorteile gegenüber der Fahrradkette. Egal ob in Sand, Schnee, Matsch oder Dauerregen. Der Riemen besitzt an der Innenseite aus Nylon gefertigte Zähne. Ölverschmierte Hosenbeine oder Öl auf der Felge oder den Bremsflächen gibt es nicht. An der Tretkurbel befindet sich eine große Riemenscheibe, am Hinterrad eine kleine Riemenscheibe. In der Nabe ist meist eine Nabenschaltung oder Getriebeschaltung verbaut. Die Zähne des Zahnriemens greifen mit den Zähnen der Zahnscheiben ineinander. Bei korrekter Spannung rutscht der Riemen nicht durch.

Ein Riemen kann sich nicht längen, da darin steife Carbonfasern oder Aramid-Fasern integriert sind. Da der Riemenantrieb zudem weniger anfällig gegen Regen und Schmutz ist, hält er bis zu dreimal länger als eine Kette, also bis zu 30.000 Kilometer. Weiterer Vorteil: geringerer Wartungsaufwand. Der Riemen muss nur während einer normalen Wartung auf Spannung überprüft werden. Pannen treten selten auf, und meist auch nur dann, wenn der Riemen seitlich einen Schlag abbekommt.

Aber der Riemen besitzt auch Nachteile gegenüber der Fahrradkette. So lassen sich Riemen in der Regel nicht teilen, sie passen daher nicht an alle Rahmen. Spezielle Räder mit Riemenantrieb setzen auf ein Rahmenschloss, durch das der Riemen eingeführt wird. Zudem müssen Riemenspannung und Riemenflucht exakt eingestellt sein, damit der Riemen nicht durchrutscht und Laufgeräusche produziert. Eine Reparatur unterwegs ist nicht möglich.

Die beim Riemenantrieb eingesetzten Getriebeschaltungen sind schwerer als Kettenschaltungen und verursachen einen größeren Reibungsverlust als ein Kettenantrieb. Daher bieten sich Riemenantriebe eher für Räder mit nur einem Gang an, wie Fixis, Singlespeed, Bahnräder oder BMX-Räder. Oder für elektrische Pedelecs mit einer Übersetzung, bei denen der Elektroantrieb beim Anfahren unterstützt. 

Aber: Im Alltag auf ihren Treckingrädern oder E-Bikes werden diesen Nachteil nur die wenigsten Radfahrer spüren. Eigene Kraft, Reifendruck, Wind und die richtige Sitzposition sorgen für mehr Widerstand und Leistungsverlust. Auch der Preis von rund 50 Euro für einen Riemen hält sich im Rahmen.

Räder mit Riemen eignen sich ideal für Pendler und Alltagsfahrer, denen es weniger auf Performance ankommt und die dafür Sauberkeit, Laufruhe, Wartungsfreiheit, Langlebigkeit und Robustheit schätzen. Wer sich ein neues Fahrrad sucht, sollte ein Rad mit Riemenantrieb in Erwägung ziehen.

Übrigens lassen sich Räder mit Kette auf Riemenantrieb umrüsten. Es hängt aber vom Radrahmen ab – das Rad muss ein Rahmenschloss haben oder es muss sich nachrüsten lassen. 

Vorteile Riemenantrieb

  • Leise
  • Sauber
  • Unempfindlich gegen Salzwasser und Rost
  • Geringer Wartungsaufwand
  • Sehr langlebig, bis zu drei Mal länger als mit Kette

Nachteile Riemenantrieb

  • Keine Reparatur möglich
  • Komplizierte Montage
  • Verfügbarkeit
  • Preis

Kardanantrieb

Selten, aber es gibt ihn: Kardanantrieb bei Fahrrädern. Statt einer Kette oder einem Riemen überträgt eine starre Welle die Kraft von der Tretkurbel aufs Hinterrad, ähnlich wie bei einem Motorrad oder Auto mit Hinterradantrieb. Wartung wie Schmieren oder Nachspannen entfällt, dazu hält der Kardantrieb deutlich länger als ein Riemen – nahezu ein Fahrradleben. Lediglich einmal im Jahr soll je nach Hersteller per Schmiernippel die Welle mit Fett versorgt werden. Dafür liegen Gewicht und Preis einer Kardanwelle höher. Diese Technik findet daher selten Verwendung.

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