Mobility Snippets

Kurzgefasstes, Alltägliches und Erstaunliches aus der Redaktion: Diese Themen haben uns privat bewegt, zum Schmunzeln gebracht oder beeindruckt. Zu klein für eine große Geschichte, zu schön, um sie wegzulassen: Unsere mobility.snippets.

Redaktion
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In Rom wirkt der Verkehr chaotisch, aber er fließt - weil Italiener'innen besser Auto fahren [Quelle: picture alliance / Photoshot]

Italiener*innen sind die besseren Autofahrer*innen

Von Constantin
Von außen betrachtet geht es im italienischen Straßenverkehr wild zu. Wer im Urlaub deutsche Regeln gegen dolce vita tauscht, der kennt das: Tempolimits sind freundliche Empfehlungen, Parkplätze Auslegungssache und Berufsverkehr – sagen wir: anspruchsvoll. Kreative Köpfe eröffnen Fahrspuren, wo gar keine sind, oder bewegen sich auf zwei Spuren gleichzeitig. Vorfahrt hat, wer sich mehr traut. Nicht leicht, in diesem Chaos eine Struktur zu erkennen. Besonders dann, wenn der Autovermieter jeden zusätzlichen Kratzer vergolden möchte.

Nach einiger Zeit entwickelt sich das augenscheinlich unkoordinierte Durcheinander aber zu einem fairen Miteinander. Denn den Italienern scheint der Drang zu fehlen, mit aller Gewalt auf ihr Recht zu bestehen. Straßenverkehr ist hier kein Wettbewerb, sondern ein Problem, das alle gemeinsam lösen. Es stehen ja alle im Stau. Da kann dann auch jeder etwas dagegen tun.

Wie sich das auswirkt? Mit Rücksicht. Jeder Autofahrer scheint seine Umgebung vollumfassend im Blick zu haben. Die Autofahrenden antizipieren Gefahren, beobachten ihre komplette Umgebung und lösen Probleme im Zweifel selbstlos. Wenn der Angeber im Sportwagen deshalb schneller ankommt, ist das nicht schlimm. Schließlich hat der gesamte Stau etwas davon, wenn es weitergeht.

Klar – ganz ohne Schrammen und Kaltverformung geht es nicht. Und eine Hupe funktioniert erst dann als Kommunikationsmittel, wenn sie selten schweigt. Das gehört offenbar dazu. Dafür lösen Überblick und Nachsicht fast jedes Problem. Beides fehlt mir enorm, wenn ich in meiner Heimat Berlin unterwegs bin. Sollten wir deshalb alle temperamentvoller fahren? Eher nicht. Aber ein bisschen italienische Inspiration täte uns allen sehr gut. Fahren und fahren lassen!

 

Zu sehen ist der Rallye-Fahrer Ken Block in einem Ford Mustang
Vorbei: Ken Block lässt es am Pikes Peak krachen [Bildquelle: Toyo Tires USA]

Ken Block fährt Elektroauto

Von Björn

Es ist nur eine kleine, unbeachtete Meldung. Die Audi AG, Autohersteller aus Ingolstadt, hat sich ein neues Testimonial geleistet, also einen Prominenten, dessen Prominenz auf das Image der marke abstrahlen soll. Ken Block fährt künftig für Audi Elektroautos. Wer sich fragt, wer das ist, hat vermutlich weder Benzin im Blut noch einen YouTube-Account. Nicht schlimm, wir können helfen: Kenneth Paul Block stammt aus Kalifornien, ist 53 Jahre alt und eine Online-Ikone für PS-Verrückte.

Offiziell firmiert Ken Block als Rallye- und Rallyecross-Fahrer. Zum YouTube-Star wurde er durch seine spektakulären “Gymkhana”-Videos. In diesen driftet und springt der Amerikaner in stark leistungsgesteigerten Autos seines bisherigen Sponsors Ford mit durchdrehenden Reifen und röhrendem Motor durch abgesperrte Innenstädte (Los Angeles, London), rast die Bergrennen-Piste am Pikes Peak hinauf oder dreht einfach nur auf einem großen Parkplatz Kreise. Gummi brennt, Motoren laufen heiß, schwarze Schleifspuren verzieren den Asphalt. Eine irre Show, die Millionen Zuschauer fasziniert.

Bislang sitzt Ken Block dabei beispielsweise in einem 650-PS-Rallye-Fiesta, einem Ford Focus RS oder in seinem liebevoll “Hoonicorn” getauften 845-PS-Allrad-Mustang. Und nun in Elektroautos? Ken-Block-Fans dürfte es körperliche Schmerzen bereiten, dass Audi ihn sagen lässt: „Die Zukunft gehört der Elektromobilität“. Auch, dass seine Kinder den Sound von E-Motoren “genauso cool” finden wie den von Verbrennungsmotoren, sind schlechte Nachrichten für Gymkhana-Fans.

Dem elektrischen Fahren könnte ein Ken Block dagegen durchaus zu mehr “Wow-Faktor” verhelfen. Ein echter Lenkrad-Künstler, der auf YouTube verrückte Sachen mit leisen Autos macht, spricht eine andere Zielgruppe an als abgefilmte Schnellade-Kurven oder möglichst effiziente Stromspar-Vergleichsfahrten. Ob Ken Block der Ken Block der E-Mobilität sein kann? Das wird davon abhängen, ob seine alten Fans akzeptieren, dass er keinen Turbo röhren lässt.   

 

Unser neues Gemeinschafts-Lastenrad! Schnappschuss: Björn

Sharing leads to caring

Von Björn

Manche Dinge gibt es nur in diesen innerstädtischen Hipster-Stadtteilen, in denen sich eine wohlsituierte Intelligenz nachhaltig selbst bestätigt, dachte ich neulich. Warum? Wir bekamen eine E-Mail von unserer Hausverwaltung, die man so nicht alle Tage bekommt. Zitat: 

“Sehr geehrte Mieterinnen und Mieter! Wir haben ein französisches Post-Lasterrad auf den Hof gestellt, das alle Mietparteien gerne nutzen können. Die Kennung für das Zahlenschloss lautet ------------. Für ggfs. notwendige Reparaturen an dem Lastenrad kommen wir auf. Sie können auch gerne eine Fahrradpumpe für das Rad anschaffen (die Kosten werden erstattet).” 

Die Hausverwaltung

Eine Idee des Vermieters, die so nett klingt, dass sie bei uns skeptischen Großstädtern sofort die Misstrauensmaschine anwirft. Zwar existiert hier noch eine funktionierende Hausgemeinschaft, so dass nicht zu befürchten ist, dass jemand das verordnete Gemeinschaftsrad direkt in den Kleinanzeigen inseriert, um die nächste Stange Zigaretten zu finanzieren. Brigitte aus dem Vorderhaus freut sich auch schon, dass sie demnächst bequemer einkaufen fahren kann als mit einer Hand am Lenker ihres klapprigen Klapprads und mit der anderen an einer übervollen Einkaufstüte. Trotzdem: Was steckt dahinter? War das Postrad übrig und musste weg? Hofft die Hausverwaltung, so den regelmäßigen Schrottrad-Wildwuchs im Hof eindämmen zu können?  

Es ist ja nicht zu leugnen: Hier stehen einige Räder mitunter noch sehr lange und belegen Stellplätze, nachdem die betreffenden Mieter längst ausgezogen oder die Kinder dem einstmals ziemlich coolen Baumarkt-Mountainbike längst entwachsen sind. Für sie fühlt sich niemand verantwortlich. Vielleicht kommt Bodo ja doch noch mal aus dem Allgäu vorbei und holt sein verrostetes Ungetüm ab? Eher nicht. Insofern bin ich gespannt, ob ein Rad, für das sich alle verantwortlich fühlen dürfen (aber niemand muss), genauso rostig und plattgestanden endet wie jene, für die sich irgendwann niemand mehr verantwortlich fühlen mag. Oder ob es uns Mieter näher zusammenbringt, im gemeinsamen Kümmern um unsere gemeinsame Infrastruktur. Eine Pumpe habe ich ja schließlich, die darf gerne auch Kai aus dem 4. Stock benutzen. Eine große Mission für ein bescheidenes, altes französisches Postrad. 

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