E-Bike: Porsche kauft Anteile an Fazua

Fahren Porschisti bald lieber Fahrrad? Der Zuffenhausener Autohersteller Porsche übernimmt 20 Prozent der Anteile des E-Bike-Antriebsherstellers Fazua. Mit Option auf mehr.

Björn Tolksdorf
Björn Tolksdorf
Fazua-Antriebssystem: Kompakt, leicht, spezialisiert auf sportliche Fahrradmodelle [Bildquelle: Fazua]

Elektro-Fahrräder sind ein Wachstumsmarkt. Das verstehen inzwischen auch Akteure außerhalb der Fahrradbranche. Diese Meldung lässt aufhorchen: Der Automobilhersteller Porsche aus Stuttgart-Zuffenhausen sichert sich 20 Prozent der Anteile an Fazua. Das Unternehmen aus München-Ottobrunn beschäftigt gut 100 Mitarbeiter*innen und vermarktet ein Antriebssystem für E-Bikes. Ein umkämpfter Markt: Zu jedem Kaufprozess eines Pedelecs gehört untrennbar die Frage, welcher Motor denn der beste für die eigenen Ansprüche ist. Eine Kaufentscheidung für ein E-Bike trafen allein im Jahr 2020 rund 1,9 Millionen Deutsche.

Im Markt der Fahrrad-Motoren tummeln sich chinesische Anbieter wie Bafang, Tech-Mischkonzerne wie Yamaha und Panasonic, Fahrrad-Spezialisten wie Shimano und Sachs, aber auch große Automobilzulieferer wie Bosch und Brose. Und eben Fazua. Der kleine, 2013 gegründete Hersteller setzte sich am Markt durch mit einem integrierten Antriebssystem aus Motor und Akku. Es ist komplett entnehmbar und wiegt weniger als fünf Kilo. Der Fazua-Antrieb gehört mit 55 Newtonmeter Drehmoment und 450 Watt Peakleistung (250 W Dauerleistung) nicht zu den stärksten E-Bike-Motoren. Er eignet sich mit dem geringen Gewicht und der kompakten Bauform aber gut für den Einsatz in sportlichen Rädern.

Nutzer*innen müssen mehr Muskelkraft aufwenden und können Akku und Motor sogar komplett daheimlassen und durch eine leichte Abdeckung ersetzen. Wer sich sportlich betätigen möchte und dennoch etwas Unterstützung wünscht, wird hier also fündig. Zu den Kunden der Münchner zählen renommierte Rennradmarken wie Pinarello, Trek, Canyon oder Focus. Aber inzwischen auch günstige Cityrad-Marken wie Pegasus.

Porsche baut sein E-Bike-Portfolio aus

Porsche hatte bereits im März 2021 mit dem Edel-Hersteller Rotwild eine E-Bike-Serie mit zwei Modellen aufgelegt. Darin steckt noch ein Shimano-Antrieb.  Ein E-Bike der Porsche-Marke Cyklær mit Fazua-Antrieb soll im Frühjahr 2022 auf den Markt kommen. Daneben übernahm der Autohersteller 2021 bereits den E-Bike-Hersteller Greyp Bikes.

Fahrräder auf dem Porsche-Stand während der IAA 2021 in München: Noch mit Shimano-Antrieb [Bildquelle: picture alliance/dpa/Revierfoto]

Diese Möglichkeit besteht auch bei Fazua: Porsche sicherte sich nach eigenen Angaben Optionen, die es (vorbehaltlich der Freigabe durch die zuständigen Kartellbehörden) erlauben, „Fazua vollständig zu übernehmen“. Daneben gründete Porsche mit dem niederländischen Sustainability-Investmentunternehmen Ponooc zwei Joint-Ventures, die sich auf E-Bikes und andere Aspekte der Mikromobilität konzentrieren sollen.

Schwört der Autohersteller also dem Auto ab und fährt künftig lieber Fahrrad? Davon ist nicht auszugehen. Allerdings: Etwas mehr Sport wird dem postulierten Sportwagenhersteller sicher guttun. 2020 lieferte Porsche zwar rund 56.000 Sportwagen, aber auch 171.000 SUV und 45.000 Limousinen aus. Absatzstärkstes Modell ist der Porsche Cayenne.

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