Smart #1 2022: Das ist das neue Smart SUV

Der nächste Smart wird ein Mini-SUV aus China und heißt #1. Er bekommt einen starken Motor und einen großen Akku. Alles zum neuen Smart SUV 2022. Technik, Preis, Marktstart.

Der neue Smart heißt Smart #1 und kommt in Europa spätestens Anfang 2023 auf den Markt [Bildquelle: Smart]

Bei seinem Erscheinen 1998 ist er eine Sensation: Der Smart Fortwo, erdacht von Swatch-Gründer Nicolas Hayek und auf den Markt gebracht von Mercedes-Benz. Er ändert unsere Vorstellung, wie ein Auto sein kann. Nämlich 2,5 Meter kurz, so dass es auch quer in eine Parklücke passt. Allein: Ein großer finanzieller Erfolg ist Smart für Daimler nie. Egal, was man versucht: Viersitzer, Cabrio, Roadster, Carsharing.

Die Frage, wie es mit Smart weitergehen soll, beschäftigt die Daimler-Chefetage daher regelmäßig. Bereits 2014 kommen Smart Fortwo und Forfour aus Kostengründen in Kooperation mit Renault auf den Markt: Die Hersteller teilen sich die Entwicklungskosten. 2019 streicht Smart die Verbrenner-Varianten und wird damit zur reinen Elektroauto-Marke – auf Kosten von viel Absatzvolumen, aber im Dienste der CO2-Bilanz, die Daimler gegenüber EU-Behörden nachweisen muss. 

Im gleichen Jahr verkündet der Hersteller: Bei Smart ändert sich alles. Daimler gründet gemeinsam mit der chinesischen Geely-Gruppe ein Joint-Venture, das künftige Smart-Generationen in China entwickeln und produzieren wird. Das Design stammt weiter von Mercedes-Benz. Ende 2020 führt Daimler-CEO Ola Källenius aus: „Die Marke Smart entwickeln wir um und neu. (…) Wir sind gerade in der Entwicklung von zwei neuen Modellen, die Ende 2022 in den Markt kommen werden.“

Nun hat Smart das erste Serienmodell der neuen Ära vorgestellt. Es heißt nicht Formore, wie zwischenzeitlich spekuliert. Sondern Smart #1. Gesprochen tatsächlich: Smart Hashtag Eins. Von diesem Modell will die Marke künftig hochzählen. Smart sieht den Hashtag als Kennzeichen für „Trendthemen in den sozialen Medien“, und sich selbst als digitalen Trendsetter. Übersieht dabei aber vielleicht, dass eine einstellige Zahl in den sozialen Medien kein besonders guter Hashtag wäre.

Smart #1: Abmessungen, Konzept

Auch, wenn Nicolas Hayek (1928-2010) sich im Grab umdreht: Der neue Smart 2022 wird ein Mini-SUV. Und zwar ein relativ großes: Mit 4,27 Metern Länge, einem Radstand von 2,75 Metern und 18- oder 19-Zoll-Felgen verabschiedet er sich grundlegend vom bisherigen Smart-Konzept. Mit 1,63 Metern Höhe überragt er so manches Crossover seiner Klasse, ein Leergewicht von 1.820 Kilogramm will ebenfalls bewegt werden.

Im Innenraum setzt Smart mit einer weit verschiebbaren Rückbank auf viel Variabilität, der Kofferraum fasst je nach Stellung der Bank zwischen 273 und 411 Litern – bei aufgestellter Rückbank. Wer sie umlegt, erhält eine ebene Ladefläche. Unter der vorderen Haube befindet sich zusätzlich ein 15-Liter-Frunk.

Smart sieht den #1 vor allem als Lifestyle-Elektroauto, hier ging es offenbar nicht um den letzten Zentimeter und ein möglichst effizientes verhältnis von Außen- zu Innenlänge. Auch in der Klasse der elektrischen Mini-SUV sortiert sich Smart ziemlich weit oben ein und überragt Wettbewerber wie Opel Mokka und DS 3 Crossback um mehr als 10 Zentimeter.

Smart wird künftig von einem Joint-Venture betrieben, das zu je 50 Prozent der Mercedes-Benz-Gruppe und dem chinesischen Autohersteller Geely gehört [Bildquelle: Smart]

Reichweite, Leistung, Technik: Smart #1

Kürzer wäre möglich gewesen: Der kleinste auf der SEA2-Plattform von Geely darstellbare Radstand hätte 2,65 Meter betragen. Was die Plattform ebenfalls mitbringt, sind technische Möglichkeiten, die beim Wettbewerb bisher so nicht existieren. Bei Akku, Motorleistung und Ladeleistung setzt sich Smart an die Spitze des Segments. Der Motor leistet in der vorläufig einzig verfügbaren Version 200 kW (272 PS) und ein maximales Drehmoment von 343 Newtonmeter. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 180 km/h und wird nicht, wie bei vielen Wettbewerbern, weit darunter abgeregelt.Angetrieben werden die Hinterräder.

Der Akku fasst 66 Kilowattstunden und soll eine WLTP-Reichweite von 420 bis 440 Kilometern ermöglichen. Dabei handelt es sich um vorläufige Angaben, betont Smart – und nennt noch keinen Verbrauchswert. Laden kann der Smart #1 dreiphasig an Wechselstrom, mit bis zu 22 kW Ladeleistung – alles andere als eine Selbstverständlichkeit. An Gleichstrom-Schnelladesäulen beträgt die maximale Ladeleistung 150 kW. Damit geht es an der heimischen Wallbox in weniger als drei Stunden von 10 auf 80 Prozent Akku-Ladestand, an einer Schnelladesäule soll der gleiche Ladevorgang weniger als 30 Minuten in Anspruch nehmen.

Im Cockpit kombiniert Smart einen 12,8-Zoll-Touchscreen mit einem 9,2-Zoll-Kombiinstrument und einem 10-Zoll-Head-up-Display. Smart verspricht eine voll integrierte digitale Lösung mit intelligenter Sprachsteuerung, einem lückenlosen Übergang zwischen App, Fahrzeug und Cloud-Diensten sowie Profileinstellungen für Funktionen wie Navi, Klima, Licht und Klang. Nutzende können auch per App den digitalen Schlüssel an andere Personen übertragen und dabei selbst festlegen, welche Berechtigungen die Person erhält. Auch bei den Assistenten stecken im Smart #1 aktuelle Systeme: Adaptiver Tempomat mit Staufunktion, aktives Spurhalten, Autobahnassistent oder automatisches Parken zählen dazu.

 

Mit 4,27 Metern Länge sortiert sich der neue Smart am oberen Ende des Mini-SUV-Segments ein [Bildquelle: Smart]

Smart #1 SUV 2023: Marktstart und Preise

Der Zeitplan steht: Mit der Premiere des Serienmodells lässt sich der Smart #1 reservieren. Nach der Typprüfung, die in der zweiten Jahreshälfte erfolgt, soll er in drei Ausstattungsvarianten angeboten werden. Die lassen sich allerdings nicht, wie bei Mercedes, frei konfigurieren, es handelt sich um fixe Pakete. Die ersten Auslieferungen könnten sogar noch in diesem Jahr erfolgen, spätestens jedoch im ersten Quartal 2023. Bleibt die Frage: Zu welchem Preis? Die Verantwortlichen geben sich Mühe, ihren Erstling mit dem „Premium“-Etikett zu versehen. „Das neue Smart-Kapitel wird cool und sexy, es wird wertig“, sagt etwa Daimlers Chefdesigner Gorden Wagener. Für Markenchef Daniel Lescow wird Smart zwar „keine Luxusmarke, aber gehobene Ansprüche erfüllen“. Bedeutet: Ein Schnäppchen wird er nicht. Ein Einstiegspreis um die 35.000 Euro lässt sich erwarten, trotz Produktion in China und den Skaleneffekte in der Geely-Gruppe: Die Plattform werden auch Modelle etwa von Volvo, Lynk & Co sowie andere Geely-Marken nutzen.

Kommt der Smart Fortwo zurück?

Die spannende Frage für Smart-Fans: Was wird aus dem elektrischen Zweisitzer Fortwo? Erst einmal geht es im an die Ineos-Gruppe verkauften Werk Hambach weiter mit der Produktion. Der neue Eigentümer wird das Modell noch bis voraussichtlich Ende 2023 bauen. Spätestens dann braucht Smart ein neues Modell. Der bisherige Fortwo EQ kann neue, ab 2024 gültige Sicherheitsvorgaben der EU nicht erfüllen. Klar ist: Wenn es einen neuen Fortwo gibt, wird er in China gebaut. SEA-Chefentwickler Kent Bovellan spricht jedoch von einem Modell im A-Segment als dem kleinsten derzeit geplanten Derivat der SEA-Plattform. Ein solches Fahrzeug wäre rund einen Meter länger als ein Smart Fortwo. Allerdings: Für Carsharing und vergleichbare Mobilitätskonzepte bietet sich ein Mikro-Car durchaus an. Zumal diese in China sehr erfolgreich sind.

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