Um den Air One zu fliegen, braucht es keinen Pilotenschein

250 km/h Spitze, 177 Kilometer Reichweite. Das israelische Start-Up Air hat einen voll-elektrischen Senkrechtstarter für jedermann entwickelt. Die Zulassung gestaltet sich jedoch schwierig.

Redaktion
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Ein Senkrechtstarter steht geparkt auf einem Hof
Dieses elektrische Vertikalstart- und Landeflugzeug soll man auch ohne Pilotenausbildung fliegen können [Quelle: Air]

In fast jeder Vision des zukünftigen Verkehrs spielen Flugtaxis eine wichtige Rolle. Entsprechend groß ist die Zahl der Start-ups, die sich mit dieser Herausforderung beschäftigen: Kann Luftfahrt im urbanen Raum funktionieren, und wenn ja, wie? Einer dieser vielen neuen Hersteller von voll-elektrischen Senkrechtstartern ist das Unternehmen „Air“. Im Gegensatz zur Konkurrenz wollen die Israelis ihren Air One nicht für kommerzielle Flug-Taxi-Dienste anbieten. Der Air One ist nach eigenen Angaben besonders „einfach zu bedienen“. Den E-Flieger sollen neben ausgebildeten Piloten auch nicht ausgebildete Privatleute fliegen können.

Technisch gesehen ist der Air One ein sogenanntes elektrisches Vertikalstart- und Landeflugzeug (eVTOL). Air will das Fluggerät bereits 2024 an Kunden ausliefern. Noch finden die Testflüge unbemannt statt. Ab 2022 soll dann mit Menschen an Bord geflogen werden.

Der Air One sieht aus wie eine Mischung aus Helikopter und Flugzeug. Er wiegt weniger als die allermeisten Autos, nämlich nur 970 Kilogramm. Zuladen darf er 200 Kilogramm. Mit einer Akku-Füllung fliegt der Senkrechtstarter bis zu 177 Kilometer weit. Die Ladezeit für die Batterie bis 80 Prozent gibt Air mit einer halben Stunde an, bis 100 Prozent dauert der Ladevorgang 60 Minuten. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 250 km/h. Landet der Air One, klappt er seine Tragflächen ein, um platzsparender parken zu können.

Erster Markt sind die USA

Zunächst wird das eVTOL in den USA angeboten, weil es dort laut dem Unternehmen einen „großen, offenen Luftraum“ gibt. Das mache die USA zu einem „geeigneten ersten Markt“, so CEO Rani Plaut. Was die Nachfrage angeht, gibt sich Plaut selbstbewusst. Er rechnet mit 15.000 verkauften Exemplaren pro Jahr. Die Vorbestellungen liegen laut Unternehmensangaben im dreistelligen Bereich. „Unser Fokus ist ganz persönlich“, sagte Plaut. „Wir sprechen nicht über kommerzielle Flüge, wir sprechen über Leute, die Flugtaxis benutzen wollen wie sie Autos benutzen.“ Einen konkreten Preis nannte der CEO nicht, stellte aber in Aussicht, dass dieser in der Höhe eines „teuren Autos“ läge.

Fly by Intent – das große Geheimnis von Air

 „Die Person, die ein Auto fährt, ist nicht notwendigerweise ein professioneller Fahrer“, sagt Rani Plaut – Pilot*innen des Air One brauchen demnach auch keinen Pilotenschein. Laut Air benötigen die Besitzer dank der sogenannten „Fly by Intent“-Software nur minimale Schulungen, um das eVTOL zu bedienen. Zur genauen Funktionsweise sagt der Air-CEO Plaut noch nichts. Nur soviel: „Unser Flugzeug ist wie ein Organismus, mit einem automatischen Co-Piloten neben Ihnen.“ Dieser Co-Pilot besteht aus einer Software. Sie unterstützt die Pilot*Innen bei der Navigation und übernimmt laut Unternehmen „komplexe Funktionen“. Darüber hinaus kümmere sich ein KI-basiertes Überwachsungssystem um weitere sicherheitsrelevante Aspekte, wie etwa Inspektionen des Air One.

Ob das ausreicht für eine Zulassung, ist unklar. Aktuell stehen alle Anbieter von Dienstleistungen des Bereichs Urban Air Mobility (UAM) vor großen, regulatorischen Herausforderungen. Dazu zählen neben den Erlaubnissen für Start- und Landevorgänge auch ganz alltägliche Fragen, etwa: Was passiert, wenn sich zwei dieser Flugtaxis in der Luft begegnen? Im Gegensatz zu Passagierflugzeugen werden Flugtaxis ebenso wie beispielsweise Drohnen nicht von einem Radar erfasst. Niemand weiß, wie viele von ihnen gerade wo unterwegs sind. Daraus ergibt sich eine ganze Reihe sicherheitsrelevanter Fragen.

Nach eigenen Angaben arbeitet Air seit zwei Jahren mit der US-Luftfahrtbehörde FAA an der Zulassung. Die lange Zeit sei nicht unüblich bei diesen Verfahren. Air geht davon aus, dass dieser Prozess 2023 abgeschlossen werde.

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