Virgil Ablohs Idee vom Gelände-Maybach

Ein Luxus-Coupé für Laufsteg und Gelände: Das Projekt Maybach ist eine der letzten Arbeiten des kürzlich verstorbenen Mode- und Möbel-Designers Virgil Abloh.
Constantin Bergander
Constantin Bergander
Das Project Maybach von Virgil Abloh im Profil
Stahlfelgen und Überrollkäfig treffen auf ein Sechs-Meter-Coupé: Das Project Maybach entstand in Zusammenarbeit mit Virgil Abloh [Bildquelle: Daimler]

Dieses Auto war als disruptive Design-Studie geplant. Nun jetzt wird aus ihm ein Vermächtnis: Kreativer Kopf hinter dem sechs Meter langen Offroad-Coupé Project Maybach ist der kürzlich verstorbene Modeschöpfer Virgil Abloh. Er wolle damit „die nächste Generation inspirieren und den Status Quo für immer in Frage stellen“, schreibt Kooperationspartner Mercedes in einer Pressemeldung.

Abloh galt als einer der einflussreichsten Designer der vergangenen Jahre. Er gründete das Modelabels Off-White, verantwortete die Herrenkollektion der Luxus-Marke Louis Vuitton und pflegte eine enge Freundschaft mit dem Rapper Ye (früher: Kanye West). Für Ikea entwarf er die Kollektion „Markerad“, für die Marke Evian gestaltete er Flaschen. Die „New York Times“ nannte Abloh einst „eine Brücke zwischen Streetwear und Luxus“.

Maybach und Virgil Abloh: Luxus-Gelände-Coupé

Virgil Abloh, 2018
Abloh starb am 28. November 2021 an einem Krebsleiden. Er hatte die Krankheit nicht in der Öffentlichkeit bekanntgegeben [Bildquelle: picture alliance / abaca | Bertrand-Hillion Marie-Paola/ABACA]

Diese Fähigkeit machte ihn für Mercedes‘ teuerste Marke interessant. Gemeinsam mit Gorden Wagner, Chefdesigner des Mercedes-Konzerns, gestaltete er ein Maybach Coupé. Wie in seiner täglichen Arbeit verband er dabei Elemente, die üblicherweise nicht zusammenpassen: Er kombinierte den weichen Luxus des Herstellers mit hartem Geländeanspruch. Sein Konzept beinhaltet Elemente, die ohne ihn wohl nie das Doppel-M-Logo tragen würden.

Das Project Maybach ist mit Stahlfelgen mit grobstolligen Reifen, angenieteten Verbreiterungen an den Radläufen und Schutzbügel an Schwellern, Front, Heck und Dach ausgerüstet. Ein gelochtes Blech schützt den Unterboden des Autos. Insgesamt acht Zusatzscheinwerfer leuchten die Umgebung aus. Die Lackierung in beige passt eher an einen Hummer H1 als an einen luxuriösen Zweisitzer.

Der Innenraum strotzt ebenfalls vor Widersprüchen. Er bietet in der Länge enormen Platz – so viel, dass die Lenksäule weit ins Auto ragt. Zeitglich zwingen breite Seitenschweller die Insassen sehr dicht aneinander. Die Sitzschalen erinnern an spartanische Kampfflugzeug-Stühle. Beckengurte gehören eigentlich ins vergangene Jahrhundert. Elegante Bezüge und eine Liegeposition passen wiederum zum modernen Anspruch der Marke.

Eine elegant verzierte Maybach-Axt, eingelassen in der B-Säule, wirkt beinahe wie eine Karikatur der üblichen Sonderausstattungen. Was der herausnehmbare Koffer im Armaturenbrett beinhaltet, verrät der Hersteller nicht – denkbar wäre alles vom Werkzeugsortiment bis hin zur Picknick-Ausrüstung. Interessant: Das Cockpit beinhaltet viele Rundinstrumente, wenige Tasten und ein vergleichsweise unspektakuläres Display.

Der Innenraum des Project Maybach von Vergil Abloh
Gegensätze im Innenraum des Project Maybach: Viel Platz nach vorn und hinten, aber wenig zur Seite [Bildquelle: Daimler]

Mode muss nicht zweckmäßig sein

Trotz aller Finessen und Ideen: Geländetauglich wird die Studie nicht. Dafür ist sie viel zu lang. Sie würde mit ihrem wenig optimalen Böschungs- und Rampenwinkeln schon am ersten Hügel scheitern. Ernsthaftes Gelände steht schon gar nicht zur Debatte. Aber das gehört zur Idee hinter dem Auto. Eine Parallele zur Mode: Nicht alles ist Funktionskleidung. Manches soll einfach nur wirken.

Und wirken kann das Auto. Gerade Flanken und eine betont senkrechte Front wirken, als habe Rolls-Royce Inspiration geliefert. Eine mittig angeordnete Metallspange auf der Fronthaube zitiert alte Maybach-Modelle. Und die Kombination aus Exo-Überrollbügel und dem verchromten Maybach-Logo auf der C-Säule scheint aus einer apokalyptischen Zukunft zu stammen.

Dabei ist es fast nebensächlich, welcher Antrieb im Project Maybach steckt. Der Vollständigkeit halber: Das Coupé fahre rein elektrisch, erklärt der Hersteller. Solarzellen sollen die (nicht näher definierte) Reichweite verlängern. Nach aktuellem Stand der Technik dürfte sich das Plus im Bereich weniger Kilometer abspielen. Aber der Status Quo zählt nicht.

Das Gesamtkonzept des Project Maybach wird nicht in Serie gehen. Aber manch ein Detail wirkt, als ließe es sich in zukünftige Modelle integrieren – zum Beispiel der angedeutete Kühlergrill. Sobald Maybach ein eigenständiges Elektroauto baut, könnte das mit einer ähnlichen Front fahren. Zu viel Spekulation? Womöglich. Aber es geht ja um Inspiration für zukünftige Generationen.

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