Wiesmann Thunderball: Lebenszeichen aus Dülmen

Wiesmann ist wieder da: Die Sportwagenmanufaktur aus dem Münsterland meldet sich mit einem 680-PS-Elektro-Roadster zurück. Alles zum Wiesmann Thunderball.

Björn Tolksdorf
Björn Tolksdorf
Der Wiesmann Thunderball ist ein 4,44 Meter langer Elektro-Roadster, der in Dülmen bei Münster gefertigt wird [Bildquelle: Wiesmann]

Eine tolle Nachricht, nicht nur für das Münsterland: Die Sportwagenmanufaktur Wiesmann in Dülmen lebt. 2014 war der Autohersteller in die Insolvenz gegangen, 2015 hatten sich britische InvestorInnen das Sportwagenwerk in Gekko-Form sowie die Markenrechte gesichert. Seitdem hörte man sehr lange sehr wenig, nun hat Wiesmann ein neues Modell vorgestellt: Den Elektro-Roadster Thunderball. Wiesmann, das stand bisher für aufregende, luxuriöse und ein wenig überkandidelte Roadster und Sportcoupés in Retro-Optik – angetrieben von BMW-Motoren.

Ersteres greift Wiesmann beim Thunderball fast nahtlos auf: Der Thunderball kultiviert klassische, opulente Wiesmann-Formen, nur behutsam aufgefrischt. Beim Antrieb jedoch orientieren sich die Münsterländer neu:  Wiesmann spricht vom „ersten vollelektrischen Roadster“. Das lässt sich mit Blick (mindestens) auf den Tesla Roadster hinterfragen, aber Klappern gehört eben zum Geschäft.

Leistung, Akku und Reichweite

Inhaber Roheen Berry spricht von „aufregendsten Elektro-Sportwagen der Welt“, und die Leistungsdaten legen nahe: Das scheint nicht übertrieben. An der Hinterachse des Wiesmann Thunderball arbeiten zwei Elektromotoren, die gemeinsam eine Leistung von 500 kW (680 PS) und ein Drehmoment von 1.100 Newtonmeter mobilisieren. Wiesmann verspricht, der rund 1.700 kg schwere Roadster bewältige den Sprint auf 100 km/h in weniger als drei Sekunden, in unter neun Sekunden geht es direkt weiter auf Tempo 200.

Der Elektroantrieb des Elektroautos arbeitet mit einer Bordspannung von 800 Volt, der Akku verfügt über 92 Kilowattstunden Kapazität (82 kWh netto). Das genügt laut Wiesmann für eine WLTP-Reichweite von 500 Kilometern. Der Verbrauch beträgt 20,5 kWh pro 100 Kilometer – sportwagentypisch scheint der Thunderball nicht besonders sparsam zu sein. Der Akku lädt an Wechselstrom mit bis zu 22 kW wieder auf, die maximale Ladeleistung an Gleichstrom-Schnelladern beträgt 300 kW. Das sind Spitzenwerte: Selbst ein Porsche Taycan muss bei der Wechselstrom-Ladeleistung des Thunderball passen. Die Gewichtsverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse beträgt 48 zu 52 Prozent – optimale Sportwagen-Werte.

Opulenter Innenraum: Hier bleibt sich Wiesmann treu [Bildquelle: Wiesmann]

Wiesmann Thunderball: Abmessungen, Frunk

In einigen Dingen müssen sich Wiesmann-Pilotierende im üppig belederten und aufwendig dekorierten Innenraum umgewöhnen: Schaltwippen wählen nicht den Gang aus, sondern Elektroauto-typisch die Rekuperationsstufe. Wiesmann sieht in dem fünfstufigen System vor allem eine Möglichkeit, mit verschiedenen Verzögerungen in die Kurve einzubremsen. Die Ladeanzeige soll den Ladestand des Akkus kilometergenau anzeigen – was das über eine Restreichweiten-Anzeige hinaus bedeutet, bleibt unklar.

Der 4,44 Meter lange und 1,28 Meter flache Wiesmann Thunderball soll in Manufakturbauweise im Wiesmann-Werk Dülmen entstehen. Im „Frunk“ fasst er 180 Liter Gepäck, laut Wiesmann genug für zwei Golftaschen. Der hintere Kofferraum fällt mit 125 Litern kleiner aus. Laut Wiesmann ist ein großer Teil der früheren Montagecrew weiter an Bord: Wiesmann sei die “letzte wirklich unabhängige europäische Sportwagenmarke”, so Eigentümer Roheen Berry, der große Teile des Teams für den Neustart gewinnen konnte.

Wiesmann Thunderball: Preise und Marktstart

Bestellungen nimmt Wiesmann nach eigenen Angaben ab sofort entgegen. Einen Preis oder einen Liefertermin nennt das Unternehmen bisher nicht. Ersteres dürfte, wie in der Vergangenheit, stark vom individuellen Geschmack der Kundschaft abhängen. Interieur und Ausstattung erlauben viele individuelle Entscheidungen: Etwa für „feinstes Leder, handgeformte Holzfurniere, makellos verarbeitete Karbonfaser“, wie Wiesmann ausführt. Ein Basispreis von rund 300.000 Euro erscheint realistisch.

Neben dem Elektro-Roadster hat Wiesmann ein zweites Modell angekündigt. Beim „Projekt Gekko“ wird auch verraten, woher der Antrieb stammt: Der Achtzylinder-Benziner des zweisitzigen Sportwagens kommt von der BMW M GmbH. Wiesmann orientiert sich also nicht grundsätzlich um.

Technische Daten – Wiesmann Thunderball
ModellWiesmann Projekt Thunderball
Motor/AntriebElektromotor/ Hinterachse
Leistung500 kW (680 PS)
Drehmoment1.100 Nm
Geschwindigkeitn.n.
0-100 km/h< 3 s
Verbrauch20,5 kWh/100 km
Akkukapazität92 kWh
Reichweite500 km (WLTP)
Ladeleistungbis 22 kW (AC), bis 300 kW (DC)

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