Darum werden Elektroautos teurer

Elektromobilität wird teurer: Mehrere Hersteller erhöhen die Listenpreise für ihre Elektroautos und Plug-in-Hybride, andere streichen die Basismodelle. Das steckt dahinter.

Constantin Bergander
Constantin Bergander
Ford erhöht den Preis für den Mustang Mach-E: Das Elektro-SUV wird 8.500 Euro teurer und büßt damit einen Teil seiner Förderung ein [Bildquelle: TeamOn]

Es stockt gewaltig bei der Elektrifizierung des Individualverkehrs. Lieferzeiten von mindestens sechs, eher zwölf Monaten oder Bestellstopps einiger Elektroautos gehören längst zum Alltag. Händler gewähren nur noch geringe Rabatte, weil die Nachfrage längst größer ist als das Angebot. Nun folgt der nächste Schritt im betriebswirtschaftlichen Lehrbuch: Die Preise mehrerer Modelle steigen drastisch.

Preiserhöhung bei Elektroautos: Tesla Model 3 und Ford Mustang Mach-E

Den Anfang macht Tesla. Der Elektroauto-Hersteller erhöht den Preis des Model 3 Anfang April 2022 um 7.000 Euro. Die Mittelklasse-Limousine kostet in ihrer Basisversion nun 49.990 Euro. Wer noch etwas weiter zurückblickt, stellt fest, dass der Preis innerhalb eines halben Jahres um insgesamt 10.000 Euro stieg.

Ärgerlich: Mittlerweile qualifiziert sich das Auto nicht mehr für die volle Förderung des Bundes. Der schießt statt 9.000 Euro jetzt nur noch 7.500 Euro zu. Im Vergleich zum März 2022 steigt der tatsächliche Preis eines Tesla Model 3 also um 11.500 Euro. Einen Mehrwert bietet das Auto seitdem nicht.

Ganz ähnlich läuft es bei Ford: Der Mustang Mach-E kostet seit dem 5. April plötzlich 8.000 Euro mehr also am Tag vorher. Fords Elektro-SUV ist jetzt in der Basisvariante mit 56.500 Euro gelistet. Die Preisliste vom 17. Januar 2022 führt noch einen Preis von mindestens 48.000 Euro auf. Genau wie der Tesla rutscht er damit aus der Förderungsstufe. Der Mustang Mach-E kostet für den Kunden nun also 10.000 Euro mehr als bisher.

Zu sehen ist das Tesla Model 3 von außen
7.000 Euro teurer als bisher: Tesla erhöht die Preise für das Model 3, die volle Förderung gibt es nicht mehr [Bildquelle: TeamOn]

BMW erhöht Preise für Plug-in-Hybride

Einige Teilzeit-Stromer werden ebenfalls teurer: BMW erhöht die Preise für Plug-in-Hybride außerplanmäßig. Der Hersteller hatte bereits Ende Januar eine Preiserhöhung für viele Modelle bekanntgegeben, die ab dem zweiten Quartal 2022 gelten sollte. Kurz vor dem Inkrafttreten dieser Preislisten korrigieren die Bayern noch einmal deutlich nach oben.

Damit kostet der BMW X5 xDrive45e nicht mehr gut 77.000, sondern etwas mehr als 79.000 Euro. Förderungen für Plug-in-Hybride gibt es nur bis zu einem Netto-Listenpreis von 65.000 Euro. Diese Summe überbietet das große SUV nun recht deutlich, der Zuschuss von gut 5.600 Euro fällt weg. Kunden bezahlen 7.625 Euro mehr als ursprünglich geplant. Kritisch: Fast die Hälfte aller X5-Kunden kauften im ersten Halbjahr 2021 einen Plug-in-Hybrid.

In der Luxuslimousine BMW 7er legt der gleiche Antrieb ebenfalls zu. Er kostet im BMW 745e nun 111.700 statt 104.100 Euro. Prozentual gesehen wirkt sich diese Steigerung weniger auf den Preis aus. Eine Förderung gibt es in dieser Preisklasse ohnehin nicht. Dennoch erlaubt sich BMW kurz vor dem Auslaufen der Baureihe einen ordentlichen Preissprung.

 
Ein VW E-Up in der Seitenansicht
Nur noch mit umfangreicher Ausstattung verfügbar: Der Basispreis des VW E-Up steigt auf fast 27.000 Euro [Bildquelle: Teamon]

VW streicht Basismodell von ID.3 und E-Up

Eine vergleichbare Preiserhöhung gibt es bei VW nicht. Trotzdem kosten einige Elektroautos mehr: Wolfsburg streicht die Basismodelle von ID.3 und VW E-Up aus den Preislisten. Der elektrische Kleinstwagen ist seit seiner Rückkehr im Februar 2022 nur noch in der Ausstattung Style Plus bestellen. So kostet er mindestens 26.895 Euro. Zuvor war er ab 21.420 Euro erhältlich – damals allerdings noch mit einer geringeren Mehrwertsteuer. Dennoch: Ein spürbarer Preissprung.

Beim ID.3 kürzt VW ebenfalls das Basismodell aus der Gleichung. Das Modell ID.3 Pure, einst für weniger als 30.000 Euro angekündigt, zuletzt für knapp 32.000 Euro zu haben, ist nicht verfügbar. Das aktuell günstigste Derivat hat einen stärkeren Motor (150 statt 110 kW), einen größeren Akku (58 statt 45 kWh) und kostet 1.400 Euro mehr.

VW begründet die Entscheidung mit der Halbleiterkrise und dem Kauverhalten der Kunden – das Basismodell habe nur einen kleinen Anteil am Gesamtvolumen. Ford führt auf Rückfrage von mobility.talk die gestiegenen Preise in der gesamten Lieferkette an. Tesla kommentiert die Erhöhung gar nicht.

In der Automobilwelt gehören Preiserhöhungen zum Alltag. Viele Hersteller passen ein bis zwei Mal im Jahr ihre Listenpreise an, nach eigenen Angaben als Inflationsausgleich. Dabei geht es meist um einige 100, je nach Preisklasse auch um mehrere 1.000 Euro. Die aktuellen Preiserhöhungen bei elektrisch betriebenen Fahrzeugen zeigen aber, dass es noch dauern wird, bis Elektromobilität in niedrigen Preisklassen ankommt.

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