Podcast mit Teddy Woll (Mercedes-Benz): Übers Solarmobil zum Daimler

Teddy Woll gewann mehrmals die Tour de Sol und gehört zu den führenden Aerodynamikern Deutschlands. Im Podcast spricht er über seinen Weg und die zunehmende Bedeutung der Aerodynamik im Autobau.

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Heiko Dilk

Teddy Woll, Leiter Aerodynamik und Windkanal bei Mercedes im Podcast
Teddy Woll ist seit 1994 bei Daimler und leitet seit 1999 den Bereich Aerodynamik und Windkanal. Im Podcast mit mobility.talk spricht er über seinen Weg vom Solarmobil-Pionier in die Autoindustrie und über die Rolle der Aerodynamik im Autobau. [Bildquelle: mobility.talk]

Mit der Mobilitätswende wandeln sich die Prioritäten der mobilen Gesellschaft. Teil dieses Wandels ist die Elektromobilität. Reichweite wird mit ihr zum Kaufargument. Wo der „Treibstoff“ für mehrere Hundert Kilometer nicht in wenigen Minuten in den Tank fließt, rückt die Effizienz wieder stärker in den Vordergrund. Einer, der diesen Wandel seit Jahrzehnten begleitet und bei Daimler seit Mitte der 1990er-Jahre mit treibt, ist Teddy Woll. Der studierte Wirtschaftsingenieur entwickelte seit Anfang der 90er-Jahre mit der Hochschulgruppe AKASOL der Uni Darmstadt Solar- und LeichtElektrofahrzeuge. Dreimal gewann die Gruppe mit „Pinkie“ die Weltmeisterschaft solargetriebener Rennwagen Tour de Sol. Woll saß oft selbst in der Kanzel. Weil er ein guter Fahrer war. Und weil er selbst wenig Gewicht auf die Waage brachte. Ein wichtiges Argument, wenn die Energie nur aus der Sonne kommt.

1994 ging Teddy Woll zu Daimler, dem Hersteller der S-Klasse. Deren Baureihe W140 (1991-1998) galt nicht nur Woll als Ausgeburt der Ineffizienz. Zu groß, zu schwer, zu durstig. Woll arbeitete zunächst bei Smart an Konzepten für die urbane individuelle Mobilität. Schon damals gab es die Idee, Smart zur elektrischen Marke aufzubauen. Der Plan wurde jedoch erst Ende 2019 umgesetzt. Nach drei Jahren in der Vorentwicklung wurde Woll 1999 Leiter Aerodynamik und Windkanal bei Mercedes. Damals erforderte die Idee, möglichst strömungsgünstige Autos zu bauen, noch Überzeugungsarbeit.

Das Projekt Mercedes Vision EQXX lotet die Möglichkeiten der Aerodynamik aus. Teddy Woll hat mit seinem Team im Windkanal einen cW-Wert von 0,17 erreicht - zwar an einer Studie, die allerdings bereits "seriennah" sein soll. [Bildquelle: Daimler]

Die Krise als Chance für Effizienz

Mit der wachsenden Bedeutung der E-Mobilität erfährt die Aerodynamik heute wieder eine Renaissance. Nicht die erste. In den 1920er- und 1930er-Jahren sollte die Jagd auf Geschwindigkeitsrekorde vor allem als Ingenieurs-Meisterleistung den Ruhm des Deutschen Reichs und der Nazis mehren. Windschlüpfigkeit war dafür ein wichtiger Baustein. Die Ölkrisen der 1970er machten deutlich, dass fossile Brennstoffe endlich sind. Effizienz rückte erneut in den Vordergrund. Krisen wirken eben als Katalysator, so wie heute die Klimakrise.

Mercedes entdeckte die Aerodynamik schon früh als Verkaufsargument und Marketing-Botschaft. Denn gute Aerodynamik kann Verbrennern zu vergleichsweise geringen Praxisverbräuchen auf der Langstrecke verhelfen. Rekorde beim cW-Wert machen sich gut in der Produktkommunikation. Einen dieser Rekorde stellte Mercedes 2013 mit der Kompakt-Limousine CLA auf, die auf einen cW-Wert von 0,22 aufwies. Jüngst erreichte der Mercedes EQS die „Schallmauer“ 0,20. Die elektrische S-Klasse ist damit derzeit das strömungsgünstigste Serienauto. Mit dem jüngst vorgestellten Concept-Car Mercedes Vision EQXX, zeigen Teddy Woll und sein Team, was derzeit an einem seriennahen Auto möglich ist: cW 0,17 steht im Datenblatt.

Im Podcast von mobilty.talk spricht Teddy Woll über die sich wandelnde Bedeutung der Aerodynamik im Autobau und seinen Weg vom Solarpionier zum Daimler. Außerdem erzählt er von leichter werdenden Kämpfen mit Designern und Controllern sowie über schwerer werdende Kämpfe um den cW-Wert.

 

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