Verkehrswende: Geld für kein Auto

Wer in Barcelona sein Auto abgibt, darf drei Jahre umsonst den ÖPNV nutzen. In anderen Ländern werden Bürger finanziell unterstützt, die ihr Auto gegen ein Fahrrad tauschen. In Deutschland ist die Situation eine andere.

Redaktion
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Eine Autobahn im Hintergrund. Im Vordergrund befinden sich gezeichnete Bilder verschiedener Mobilitätsformen
Lebenswert werden unsere Städte vor allem durch die Reduzierung des Autoverkehrs. Einige europäische Länder schaffen dafür jetzt Anreize [Quelle: Adobe Stock]

Die Verkehrs-Transformation hin zum Elektroauto soll einen Beitrag zur Umwelt leisten. Ein noch größerer Beitrag ist der Abschied vom eigenen Auto. In mehreren Ländern Europas schafft die Politik dafür jetzt Anreize.

“Cash for Clunkers” nennt sich die Idee, was auf Deutsch so viel heißt wie: Bargeld für Klapperkisten. Wer etwa in Litauen seinen Verbrenner abmeldet und ihn gegen ein E-Bike, E-Scooter oder ÖPNV-Ticket tauscht, erhält 1.000 Euro Prämie vom Staat.

In Finnland gibt es ebenfalls 1.000 Euro. Hier dürfen die Bürger ebenfalls selbst entscheiden, ob sie das Geld in ein neues E-Bike, den ÖPNV, oder für als Finanzspritze für ein neues Elektroauto ausgeben möchten. Laut der finnischen Regierung habe man bislang rund 2.000 E-Bikes und 100 ÖPNV-Tickets mit dem Programm gefördert. Frankreich verabschiedete erst in diesem Jahr ein ähnliches Programm. Dort erhalten die Bürger sogar 2.500 Euro Förderung, wenn sie ihr Verbrenner-Fahrzeug gegen ein E-Bike tauschen.

Wer sich in Barcelona dazu entschließt, sein altes Fahrzeug ohne Umweltzertifikat abzuschaffen und stillzulegen, bekommt statt Bargeld die Targeta Verda (zu Deutsch: Grüne Karte). Mit ihr können die Bürger drei Jahre lang sämtliche öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Der Gegenwert beträgt ungefähr 1.500 Euro.

Nur vereinzelte Förderprogramme in Deutschland

In Deutschland gibt es solche Programme nicht. Einzelne Vorstöße verbleiben auf regionaler Ebene. Bundesweit gibt es Steuervergünstigungen für Dienstfahrräder. E-Lastenräder fördert der Bund nur dann, wenn sie von Unternehmen, staatlichen Einrichtungen oder Vereinen angeschafft werden. Privatpersonen profitieren nur von den Förderprogrammen einzelner Bundesländer und Kommunen. 

So können Bürger in München oder Düsseldorf einen Zuschuss beim Kauf eines E-Bikes erhalten. In Tübingen gab es eine Abwrackprämie für alte Motorroller und Mofas. Wer sein altes Mofa oder seinen Roller abschaffte und sich einen Elektroroller, ein E-Bike oder ein Pedelec kaufte, konnte bei der Stadt einen Zuschuss zwischen 200 und 500 Euro beantragen. Der Fördertopf von 25.000 Euro ist mittlerweile jedoch ausgeschöpft.

Changing Cities: 1.110 Euro für kein Auto

Die Organisation Changing Cities verfolgt noch ein anderes Konzept. Sie wollen Geld ohne direkte Gegenleistung auszahlen, als Belohnung für richtiges Verhalten. „Wer kein Auto besitzt und sich klimafreundlich fortbewegt, wird in Deutschland bisher nicht belohnt. Wer sein klimaschädliches Verhalten aber nur geringfügig verbessert, bekommt satte Prämien: Bis zu 10.000 Euro für den Kauf eines Elektroautos. Oder man ändert sein Verhalten gar nicht und profitiert weiterhin von Dieselsubventionen, Pendlerpauschale, Dienstwagenprivileg und jeder Menge gesamtgesellschaftlicher Kosten. Genau wegen dieser falschen Anreize kommt die Verkehrswende bisher nicht voran“, sagt Tim Lehmann von Changing Cities.

Die Organisation will mit ihrer Idee die Zahl der Autos auf Deutschlands Straßen reduzieren. Jeder Bürger, der auf ein Auto verzichtet, soll jährlich 1.100 Euro bekommen. So würden die belohnt, die sowieso kein Auto besitzen und jene motiviert, die bereits mit dem Gedanken der Abschaffung spielen. Laut der Organisation könne man so den Bestand an Autos auf den Straßen binnen weniger Jahre spürbar verringern. In Deutschland steigt der Fahrzeugbestand unterdessen seit der Wirtschaftskrise 2008 jedes Jahr weiter an. Derzeit sind hierzulande rund 48 Millionen Pkw zugelassen.

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