Regelbetrieb für Oberleitungs-Lkw startet

Strom aus der Leitung statt aus dem Akku: Damit soll der Lastenverkehr emissionsfrei werden. Was bei der Carrera-Bahn bereits funktioniert, startet jetzt im Realbetrieb auf der Straße.

Redaktion
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LKWs auf den Straßen
Mast an Mast: Auf der 14 Kilometer langen Strecke werden Lkw mit Strom aus Oberleitungen versorgt [Quelle: Picture-Alliance | Uli Deck]

Lastwagen zu elektrifizieren ist kostspielig und ineffizient. Der schwere Akku stiehlt Ladekapazitäten, und die Ladezeiten wiederum wertvolle Minuten, die die Speditionsbranche auf der Straße braucht. „eWayBW“ – ein Projekt aus Baden-Württemberg – hat dafür eine Lösung parat und versorgt die Lastwagen mittels Oberleitungen extern mit Strom. Im urbanen Raum kennen wir das bereits von Trams. Oder von Oberleitungs-Bussen aus Solingen, Esslingen und Eberswalde.

Die aufwändigen Vorbereitungsarbeiten für den Realbetrieb des 2017 gestarteten Projekts seien nun abgeschlossen, teilt das Staatsministerium Baden-Württemberg mit. Dazu zählten etwa Test- und Einstellungsfahrten sowie die Schulungen von Feuerwehrleuten, Rettungsdiensten, Betriebspersonal und Fahrern. Ziel des Pilotprojekts eWayBW ist ein realitätsnaher elektrischer Betrieb von Oberleitungs-Hybrid-Lkw, um bisherige Erkenntnisse zu erweitern.

In kleinem Maßstab beginnt deshalb nun der Regelbetrieb mit zwei Oberleitungs-Lkw von Scania, drei weitere sollen im Oktober folgen. Sie transportieren jährlich etwa 500.000 Tonnen Papier mehrerer Papierhersteller von Gernsbach-Oberstrot in das rund 14 Kilometer entfernte Kuppenheim. Die Autobahnfahrt verläuft dabei mittels Oberleitungen lokal emissionsfrei. Abseits der Autobahn stellen die Hybrid-Fahrzeuge wieder auf ihren Verbrennungsmotor um. Der 24/7-Betrieb auf der Strecke führt bei den eingesetzten Fahrzeugen pro Jahr zu mehr als 100.000 elektrisch gefahrenen Kilometern.

Landesverkehrsminister Hermann freut sich über den Beginn der Realfahrten: „Nun können endlich die Transporte, die bisher noch von Diesel-Lkw durchgeführt wurden, durch die leiseren und schadstoffärmeren Oberleitungs-Hybrid-Lkw übernommen werden. Das kommt vor allem den Bürgerinnen und Bürgern des Murgtals unmittelbar zugute.“

Weitere Alternativen im Test

Der Realbetrieb läuft bis 2024. In dieser Zeit werden weitere Antriebsformen auf der Strecke getestet. Unter anderem ein temporärer Test der Oberleitungs-Hybrid-Lkw mit synthetischen Kraftstoffen (reFuels). Aber auch gänzlich andere Systeme kommen im Murgtal auf die Straße: darunter ein Brennstoffzellen-Lkw von Iveco und Nikola, ein Bio-Methan-Lkw von Iveco und rein-elektrische Lastwagen von Daimler.

Planung, Bau und Betrieb und die wissenschaftliche Begleitforschung des Projekts belaufen sich auf rund 28 Millionen Euro. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) übernimmt mit dem Förderprogramm „Erneuerbar Mobil“ mit 26,4 Millionen Euro den Großteil der Kosten.

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