Sieben Gadgets, die Radfahren sicherer und cooler machen

Airbag-Schal, Fernlicht, ein Schloss mit Alarmsirene und eine Rückleuchte mit Kamera: Zum Start der Fahrrad-Saison zeigt mobility.talk die coolsten Gadgets für Radfahrende.

Fabian Hoberg

Fabian Hoberg

Eine Frau überprüft ihr Farrad
Ein funktionierendes Licht am Fahrrad ist Pflicht. Ein Fernlicht bietet zusätzliche Sicherheit im Dunklen [Bildquelle: Christin Klose /Picture-Alliance]

Fast jeder Bundesbürger besitzt ein Fahrrad. Zumindest statistisch. Auf rund 83 Millionen Bürger (Stand 2021) kommen über 81 Millionen Fahrräder (Stand 2021). Tendenz steigend: 2005 waren es noch 67 Millionen Räder. Nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV) stellten deutsche Fahrradhersteller 2021 trotz Pandemie und Werkschließung 2,37 Millionen neue Fahrräder her. Der größere Teil wird allerdings importiert, nämlich mehr als vier Millionen Fahrräder und Pedelecs. Unter den vielen neuen E-Bikes, Rennrädern, Mountainbikes oder Trecking-Rädern befinden sich noch einige ältere Exemplare. Wer diese für den Frühling optimieren will, findet ein paar coole Zubehörteile für die sichere Fahrt. Eine Auswahl.

Fahrrad-Airbag Hövding

Fahrradfahrer haben keine Knautschzone. Bei einem Unfall trifft die volle Energie den Körper. Um den Kopf bei einem Crash zu schützen und als Alternative zum Helm gibt es den Airbag-Schal von Hövding. Bei der Fahrt wird der Hövding wie ein Schal um den Hals gelegt. Er ist individuell verstellbar, bequem und stört kaum. Sensoren prüfen während der Fahrt 200 Mal pro Sekunde die Bewegungen. Bei einem Sturz öffnet sich der Airbag und umschließt den Kopf – innerhalb von nur einer Zehntelsekunde. Über eine Bluetooth-Verbindung können Radfahrer zudem ausgewählte Kontakte über ihren Unfall benachrichtigen lassen. Parkt das Fahrrad und wird das Airbag-System nicht gebraucht, lässt es sich leicht und kompakt zusammenfalten. Laut einer Untersuchung der Universität Stanford bietet der Hövding einen achtmal höheren Schutz als ein konventioneller Fahrradhelm. Er ist nur einmalig verwendbar. Der Preis des aktuellen Hövding 3 liegt bei rund 250 Euro.

Der Airbag-Schal von Hövding schützt laut Hersteller achtmal besser als ein klassischer Sturzhelm [Bildquelle: Hövding]
Der Airbag von Hövding schützt laut einer Studie achtmal besser als ein klassischer Sturzhelm [Bildquelle: Hövding]

Superhelles Fernlicht

Fahrräder müssen laut Gesetzgeber eine Lichtanlage installiert haben. Mit dem richtigen Licht wird der dunkelste Weg heller und damit sicherer.  Mittlerweile gibt es, ähnlich wie bei Autos oder Motorrädern, spezielle Fernlichter fürs Fahrrad. Sie scheinen bis zu 210 Metern weit. Je nach Fahrrad-Typ, wie einem E-Bike mit integrierter hoher Stromversorgung oder dem klassischen Rennrad ohne Dynamo und Strom, bieten Hersteller wie Busch-Müller, Lazerlamps, Lupine oder Osram verschiedene Systeme an. Der Scheinwerfer SL AF von Lupine mit integrierter Stromversorgung kombiniert ein sensorgesteuertes Tagfahrlicht und 1.000 Lumen Abblendlicht. Auf Knopfdruck über die Lenkradtaste leuchtet das Fernlicht mit 1.300 Lumen. Kostet allerdings auch knapp 500 Euro.

Automatisches Kurvenlicht

Bei Dunkelheit folgt der Scheinwerferstrahl immer der Richtung des Lenkrades – und dabei nicht immer auch der Fahrtrichtung. Legt sich ein Fahrrad in die Kurve, wird der Weg nicht mehr einwandfrei beleuchtet. Mit dem Kurvenlicht-System Leval von Busch-Müller hält der Scheinwerfer bei Lenkbewegung elektronisch die Hell-Dunkel-Grenze stets waagerecht auf gleicher Höhe. Der Scheinwerfer dreht sich so in die Kurve, dass genau der Weg hell ausgeleuchtet wird, den Radfahrende nehmen wollen. Dabei hält das System, das zwischen Halter*in und Scheinwerfer montiert wird, das Lichtbild gleichmäßig. Nachteil: Das Kurvenlicht-System ist derzeit nur für E-Bike-Scheinwerfer zu haben. Preis: ca. 100 Euro.

Rücklicht mit Kamera

Radfahrende werden oft von Autofahrern übersehen und geschnitten. Mit einer Kamera, vergleichbar mit einer Dashcam im Auto, kann man die ganze Fahrt oder einzelne Sequenzen aufzeichnen. Die Fly12 Camera von Cycliq (300 Euro) zeichnet bis zu sieben Stunden auf, kombiniert mit dem 600 Lumen hellen Licht bis zu vier Stunden. Bei einem kleineren Speicher überspielt die Kamera die alten Filmaufnahmen immer wieder.

Um den rückwärtigen Verkehr aufzuzeichnen, bietet sich die Fly6-Kamera an. Sie kombiniert ein helles Rücklicht mit der Kamera, die bis zu sechs Stunden aufzeichnet. Eine 32 GB große Micro-SD-Karte zeichnet die Strecke vollständig auf, eine 8-GB-SD-Karte nur zwei Stunden. Diese wird dann immer wieder überspielt, das nennt sich „Looping-Funktion“. Fällt das Rad, mit oder ohne Fahrer, zur Seite, aktiviert die Kamera den „Incident-Modus“ und das Filmmaterial wird gespeichert – als eventuelles Beweismaterial nach einem Unfall.

Ganz legal ist die Benutzung von Kameras in der Daueraufzeichnung nicht: Eine dauerhafte und anlasslose Aufzeichnung von Bild- oder Videoaufnahmen entlang einer Wegstrecke ist nicht erlaubt. Nur wenn die Kamera den eigentlichen Unfall speichert, arbeitet sie legal. Daher sollten die Geräte in einer Dauerschleife arbeiten und die Speicherung nur nach einem bestimmten Ereignis auslösen, meist durch eine starke Erschütterung. Sensoren in der Kamera bemerken starke Brems- oder Ausweichmanöver und speichern die entsprechende Stelle des Films ab.

LED-Rueckscheinwerfer am Stadt-E-bike
Rücklichter gibt es bereits mit Kamera oder integriertem Radar. Im Falle eines Unfalls dienen die Aufzeichnungen der Kamera als Beweismaterial. Das Radar regiert auf Autofahrer aus einer Entfernung von rund 140 Meter und alarmiert den Fahrradfahrer [Bildquelle: Robert Guenther/Picture-Alliance]

Rücklicht mit Radar

Wer sich mehr Sicherheit für sich und andere Verkehrsteilenehmer wünscht, kann auf ein Rücklicht mit integriertem Radar-Sensor zurückgreifen. Der reagiert auf herannahende Autofahrer aus einer Entfernung von rund 140 Metern und warnt Radfahrende akustisch und optisch über eine Smartphone-App. Zugleich lässt sich das helle Rücklicht aus bis zu 1,6 Kilometer Entfernung erkennen. Das Garmin Varia RTL mit StVZO-Zulassung wird einfach an der Sattelstütze montiert und kostet rund 170 Euro. Es geht auch günstiger: Intelligente Bremslichter mit einem integrierten Sensor aktivieren das Rücklicht bei starker Verzögerung, damit der nachfolgende Verkehr gewarnt wird. Tagsüber schaltet es das Bremslicht bei starkem Bremsen automatisch zu. Steht das Fahrrad, schaltet sich das Rücklicht automatisch ab. Verschiedene Hersteller bieten solche intelligenten Rücklichter ab rund 20 Euro an. 

Diebstahlschutz mit GPS-Tracker

Schöne Fahrräder wechseln häufig unfreiwillig den Besitzer. Gegen Diebstahl schützen moderne und sichere Schlösser. Das Bügelschloss 770A Smartx von Abus verzichtet auf einen analogen Schlüssel und lässt sich stattdessen smart mit dem Handy öffnen – handsfree aus der Tasche. Dafür muss vorher die Abus-App per Keycard mit dem Schloss gekoppelt werden. Nähert sich der Besitzer mit seinem Handy in der Tasche dem Fahrrad, wird das Schloss automatisch entsperrt. Versuchen Randalierer oder Diebe das Rad zu stehlen, schlägt das Schloss mit einen abschreckenden Ton Alarm – mit bis zu 100 Dezibel. Bei leichten, nur kurzen Erschütterungen meldet sich das Schloss mit einem kurzen Warnton. Preis: ca. 130 Euro. Für eine ständige Nachverfolgung eignen sich GPS-Tracking-Systeme. Wer sein Fahrrad tracken will, versteckt am Fahrrad am besten SmartTags von Samsung (23 Euro) oder AirTags von Apple (35 Euro). Damit lässt sich das Rad digital verfolgen – aber auch am nächsten Tag wiederfinden, wenn die Party am Abend etwas länger dauerte.

Wattmesser und Powermeter

Du willst trainieren wie ein Profi? Mit einem Wattmesser und Powermeter können Radfahrende ihre Kraft in den Pedalen kontrollieren und gezielt trainieren. Ein Powermeter misst im Gegensatz zur klassischen Pulsuhr die tatsächlich erbrachte Leistung, angegeben in Watt. Verschiedene Systeme nehmen die Kraft und die Umdrehungen an Kurbelstern, Pedalen, Kurbelarm oder Kettenblatt ab. Bei Pedalsystemen wird die Leistung an beiden Pedalen gemessen – damit erfolgt eine genaue Kraftverteilung zwischen links und rechts. Über Bluetooth lassen sich die Daten im Fahrradcomputer oder in der App ablesen und zielgerichteter trainieren. Gute Leistungsmesser wie von Garmin kosten zwischen 600 und 1.200 Euro, Alternativen gibt es für rund 400 Euro.

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