Die besten Elektroroller: Summen statt Knattern

Sie sind leicht, leise, vergleichsweise sauber und nehmen kaum Platz weg: Elektroroller können in der Stadt und auf der Pendelstrecke Autos ersetzen. Diese fünf sehen dabei auch noch gut aus.

Heiko Dilk
Heiko Dilk
Husqvarna Vektorr in der Seitenansicht
Der Vektorr von Husqvarna existiert derzeit nur als Studie. Doch 2022 will die schwedische Marke mit dem Motorroller in die Elektromobilität starten. Er soll bis zu 95 Kilometer weit mit einer Akkuladung fahren. [Quelle: Husqvarna]

Motorroller waren mal sowas wie der Inbegriff schmutziger Mobilität. Knattern gehörte bei ihren Zweitaktmotoren zum Handwerk, genauso wie Stinken. Ihre Emissionen an Benzol und Feinstaub lassen moderne Diesel wie Umweltengel dastehen. Aber: Knattern war gestern, heute wird leise gesummt. Elektroroller etablieren sich als Mobilitätslösung für die Stadt und die Pendelstrecke. Sie brauchen kaum mehr Platz als ein Fahrrad, eignen sich aber für deutlich längere Strecken. Dank überschaubarer Akkugrößen fällt ihre CO2-Bilanz in der Produktion ebenfalls relativ gut aus. Und: Preislich können sie mit konventionell angetriebenen Rollern inzwischen absolut mithalten.

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Elektrische Motorroller sind Teil des motorisierten Individualverkehrs und damit per se nicht die beste aller möglichen Mobilitätslösungen. Anders als elektrische Tretroller (sog. E-Scooter), die auf Fuß- und Fahrradwegen Fuß- und Fahrradverkehr ersetzen, ersetzen Elektroroller im Idealfall ein Auto. Bei deutlich geringerem Energiebedarf. Und einige Modelle sehen sogar ziemlich cool aus. Unsere Top 5 der besten Elektroroller basiert daher nahezu ausschließlich auf rein ästhetischen Gesichtspunkten und soll keine Rangfolge darstellen. Ist schließlich Geschmackssache.

Die besten Elektroroller 2021/2022

Für Motorradfahrer: BMW CE 04

BMW CE 04 stehend vor Gebäude
BMW bringt im Frühjahr 2022 den Elektroroller CE 04 auf den Markt. Mit bis zu 31 kW eignet er sich für Inhaber des Motorradführerscheins. Eine Version mit 11 kW ist ebenfalls im Angebot. [Quelle: BMW]

BMW hatte bereits seit 2014 einen großen Elektroroller als Motorrad-Alternative im Programm, den C evolution. Im Sommer 2021 zeigten die Bayern die, nun ja, Evolution des C evolution. Der BMW CE 04 erbt dabei, wie bereits der Vorgänger, einen Teil seiner Technik von den Automobilen. So kommt der bis zu 31 kW (42 PS) starke Elektromotor in ähnlicher Form in Plug-in-Hybriden zum Einsatz. Der Akku verfügt über eine Kapazität von 8,9 kWh, was für eine Reichweite von 130 Kilometern genügen soll. Mit dem optionalen Schnelladegerät sind Ladeleistungen von bis zu 6,9 kW möglich. Damit dauert die Ladung von 20 auf 80 Prozent an einer öffentlichen Ladesäule nur 45 Minuten. Standardmäßig wird mit 2,3 kW von 0 auf 100 Prozent in 4 Stunden und 20 Minuten geladen.

Neben der 31-kW-Version, die nur mit Motorradführerschein gefahren werden darf, bietet BMW zwei leistungsreduzierte Varianten mit 23 kW (Führerscheinklasse L3e-A2) und mit 11 kW an (A1). Der Marktstart des BMW CE 04 ist für das Frühjahr 2022 vorgesehen, die Preise starten bei leider ziemlich üppigen 11.990 Euro.

Technische Daten BMW CE 04
Reichweite 130 km
Ladedauer 4:20 h (optional 1:20 h)
Geschwindigkeit 120 km/h
Leistung 11 kW/23 kW/31 kW
Preis ab 11.990 Euro

Für Italophile: Piaggio 1

Piaggio 1 in weiß statisch
Bei der Piaggio 1 verzichtet Piaggio anders als bei der elektrischen Vespa auf Retro-Design. Dafür verlangen die Italiener aber deutlich weniger Geld für den Elektroroller. Die Preise starten schon bei knapp 2.700 Euro. [Quelle: Piaggio]

Der berühmte Vespa-Hersteller Piaggio vollzieht die Wende zur Elektromobilität noch langsam. Der Vespa Elettrica von Herbst 2018 folgt erst jetzt ein weiteres Modell. Die Piaggio 1 sieht zwar nicht so klassisch aus wie die Vespa Elettrica, kostet aber weniger als die Hälfte. Bei 2.690 Euro geht es los. Das Einstiegsmodell fährt maximal 45 km/h schnell und bis zu 55 Kilometer weit. Bis zu 100 Kilometer schafft die Piaggio 1+ für 3.090 Euro im Ecomodus. Eine Version Active mit 60 km/h Topspeed ist für 3.290 Euro im Programm.

Bei Piaggio 1 und 1+ leistet der Nabenmotor im Hinterrad 1,2 kW, der Akku fasst bei der kleineren Version 1,4 kWh und wiegt 10 kg. Piaggio 1+ und Piaggio Active verfügen über einen 2,3kWh-Akku, der 15 kg wiegt. Zum Aufladen lässt sich die Batterie einfach herausnehmen und an einem Tragegriff bequem ins Büro oder die Wohnung tragen. Wo immer Ladegerät und Haushaltssteckdose warten.

Technische Daten Piaggio 1
Reichweite55 km (Piaggio 1+: 100 km)
Ladedauer6 h
Geschwindigkeit45 km/h (Piaggio Active: 60 km/h)
Leistung1,2 kW (Active: 2 kW)
Preisab 2.690 Euro

Für alte Schweden: Husqvarna Vektorr

Husqvaran Vektorr Dreiviertel-Front-Ansicht
Husqvarna bringt 2022 den Elektroroller Vektorr auf den Markt. Dessen Technik stammt vom Bajaj Chetak, der in Indien bereits auf der Straße ist. Der Moped-Roller wird eines von zwei elektrischen Zweirädern, die 2022 von Husqvarna kommen. [Quelle: Husqvarna]

Der schwedische Crossmotorrad- und Kettensägen-Spezialist Husqvarna steigt im kommenden Jahr ins Geschäft mit der Elektromobilität ein. Erster Elektroroller wird der Vektorr – den es bislang allerdings nur als Studie gibt. Die ist optisch vielversprechend und technisch bodenständig. Der Vektorr fährt maximal 45 km/h schnell und kann folglich von 16-Jährigen mit dem Rollerführerschein bewegt werden. Die Reichweite soll solide 95 Kilometer betragen.

Mehr verrät Husqvarna aktuell noch nicht zum Vektorr. Der Elektroroller soll allerdings die Technik vom bereits in Indien erhältlichen Chetak vom Partner Bajaj Auto übernehmen. Der indische Zweiradespezialist hält 48 Prozent an der Husqvarna-Mutter KTM. Das würde für eine Akkugröße von 3 kWh sprechen. Der Elektromotor könnte demnach 4 kW leisten.

Technische Daten Husqvarna Vektorr
Reichweite95 km
Ladedauern.a.
Geschwindigkeit45 km/h
Leistungvoraussichtlich 4 kW
Preisn.a.

Für Ostalgiker: Govecs Schwalbe

Sieht aus wie die Schwalbe von Simson, fährt aber reine elektrisch: Die Schwalbe vom Münchner Hersteller Govecs schnitt in einigen Testberichten als bester Elektroroller ab. [Quelle: Govecs]

Was in Italien die Vespa von Piaggio, war in Ostdeutschland die Schwalbe von Simson: Kulturgut. Und übrigens auch nach der Wende noch ein beliebtes Modell bei Klassiker-Freunden. Seit 2017 baut der Münchner Elektroroller-Hersteller Govecs die E-Schwalbe. Äußerlich stark an der Simson orientiert, steckt reine Elektrotechnik unter dem Retro-Kleid. Im Hinterrad sitzt ein Elektromotor von Bosch, der je nach Ausführung 4 kW oder 8 kW leistet. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt passend zum Führerschein entweder 45 km/h (L1e) oder 90 km/h (L3e).

Die Reichweite der kleinen Version liegt mit einem 2,4 kWh großen Akku bei 67 Kilometern. Eine zweite Batterie erhöht die Kapazität auf 4,8 kWh und verdoppelt die Normreichweite auf bis zu 134 Kilometer. Die Leichtkraftrad-Version kommt stets mit doppeltem Akku und schafft bis zu 90 Kilometer. Geladen wird in ca. 5 Stunden von 0 auf 100 Prozent, im Schnellademodus lässt ein Akku sich in etwa einer Stunde auf 50 Prozent aufladen. Die Preise starten bei 5.590 Euro fürs Moped, das Leichtkraftrad kostet mindestens 6.990 Euro.

Technische Daten Govecs Schwalbe
Reichweite67-134 km
Ladedauera. 5 h (Schnelladen 0-50 %: ca. 1 h)
Geschwindigkeit45 km/h (90 km/h)
Leistung4 kW (8 kW)
Preisab 5.590 Euro

Für Kofferträger: Wow 774/775

Elektroroller Wow 774 in rot, dynamisch
Der italienische Hersteller von Elektrorollern Wow kümmert sich zunächst um den italienischen Markt. Die Modelle Wow 774 und Wow 775 starten 2021 auf dem deutschen Markt. Neben den Ausführungen für Privatleute bietet Wow auch welche für Sharing und Lieferservices an. [Quelle: Wow]

Die italienische Marke Wow bedient aktuell nur den italienischen Markt mit ihren beiden Rollern 774 und 775. Demnächst sollen die beiden ungewöhnlich gestalteten Modelle auch in Deutschland zu haben sein. Der Wow 774 leistet 4 kW und fährt maximal 45 km/h schnell, er darf mit Rollerführerschein L1e gefahren werden. Bis zu 85 km/h schafft der Wow 775 mit seinem 5 kW starken Elektromotor für L3e-Führerschein-Besitzer.

Anders als bei den meisten Elektrorollern bringen 774 und 775 ihre Batteriezellen in zwei abnehmbaren Koffern am Heck unter. Die Kapazität des kleineren Modells liegt standardmäßig bei 2,4 kWh, beim größeren sind es rund 3,2 kWh. Das größere Akkupack gibt es für die 45-km/h-Version optional. Die Reichweite beträgt maximal 110 Kilometer (80 km mit 2,4 kWh) beim 774, der 775 kommt bis zu 95 Kilometer weit. Die Ladedauer liegt bei vier bis fünf Stunden. Preise für den deutschen Markt sind noch nicht bekannt, in Italien kostet der Wow 774 knapp 4.300 Euro, der 775 fast 5.000 Euro.

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