Diese Elektro-Kleinwagen planen VW, Skoda und Cupra

VW, Cupra und Skoda arbeiten an Elektro-Kleinwagen: Mit günstigen Akkus und eigenem Chassis starten sie bald bei rund 20.000 Euro. Ausblick auf die Nachfolger von E-Up, E-Mii und Citigo E IV.

Constantin Bergander
Constantin Bergander
Volkswagen ID. LIFE Konzept-Fahrzeug, dynamisch, von vorne
Erster Ausblick auf den kleinen Elektro-VW: Der ID.Life kündigt den VW ID.2 (2025) an [Quelle: VW]

Elektromobilität passt am besten in die Stadt. Dort glänzen Stromer mit hoher Effizienz und Abwesenheit von lokalen Emissionen. Ausgerechnet das sinnvollste Autosegment für urbane Individualmobilität ist allerdings dünn besetzt. Ja, Mini, Opel, Peugeot, BMW und Honda bieten bereits rein elektrisch angetriebene Kleinwagen an. Aber ohne Elektro-Förderung kosten sie mindestens 30.000 Euro in der Basisversion. Zeitweise gibt es für das gleiche Geld bereits größere Elektroautos. Oder gleich zwei klassisch angetriebene Kleinwagen.

Im VW-Konzern tut sich noch wenig im kleinen Segment. Das Kleinstwagen-Trio VW E-Up, Seat E-Mii und Skoda Citigo E IV ist im Prinzip nicht mehr erhältlich, weil sich die Autos für die Hersteller zwar für die CO2-Bilanz, nicht aber finanziell lohnen. Ersatz folgt erst ab 2025. Erste Studien deuten konkrete Pläne für mindestens drei rein elektrische Kleinwagen an. mobility-talk erklärt, warum das so lange dauert und was hinter den Showcars steckt.

Ein neuer Konzernbaukasten für Elektro-Kleinwagen

Die Marken des VW-Konzerns verfolgen eine Baukastenstrategie. Möglichst viele Modelle teilen sich möglichst viele Bauteile, um den Aufwand bei Entwicklung und Produktion gering zu halten. Ein Faktor, der besonders für die Elektromobilität wichtig ist, denn Akkus sind nach wie vor teuer. Sie müssen finanziell kompensiert werden. Das Ergebnis: VW ID.4, VW ID.5, Skoda Enyaq und Audi Q4 (mit zwei Karosserieformen) sind mechanisch beinahe identisch.

Ihre technische Basis nennt der Konzern „Modularer Elektrobaukasten“ (MEB). Auf ihn können Elektroautos von Kompaktklasse (VW ID.3, Cupra Born) bis Transporter (VW ID.Buzz, ab 2022) aufbauen. Eine kleinere Form ist im derzeitigen Layout nicht vorgesehen. Ein Hindernis: Das in der Architektur vorgesehene Akkupaket hat eine feste Mindestgröße, die einen Radstand von 2,77 Metern (oder mehr) voraussetzt – zu viel für Kleinwagen.

Hinter den Kulissen arbeiten die Hersteller an einer kleineren Variante des MEB. Wie das Kleinwagen-Derivat der Architektur aussehen wird, deuten bereits einige Studien an: VW ID.Life und Cupra Urban Rebel geben einen konkreten Ausblick auf die Unterwäsche der künftigen Elektro-Kleinwagen aus dem VW-Konzern.

Volkswagen ID. LIFE Konzept-Fahrzeug, dynamisch, von hinten
In manchen Punkten nah am Serienauto: Der ID.Life deutet an, dass der ID.2 ungefähr so groß wird wie ein VW T-Cross [Quelle: VW]

So sieht die technische Basis für Elektro-Kleinwagen aus

Für das kleine Segment baut der VW-Konzern den MEB um. Wichtigster Punkt: Er wechselt von Heck- und Allrad- auf Frontantrieb. Motor, Getriebe, Leistungselektronik, Kühlung – all das steckt nun unter der vorderen Haube. Auf diese Weise entsteht Platz im Heck, für Gepäck oder Variabilität. Ein wichtiger Fortschritt zum Status Quo. Denn aktuelle Elektroautos des Konzerns blockieren den Raum in der Front zwar für Technik, füllen ihn aber nur in ihrer Allrad-Konfiguration aus. Ein Luxus, den sich Kleinwagen nicht erlauben können.

Dazu leiht sich der Kleinwagen-Elektrobaukasten („MEB small“) Fahrwerksmechanik von einer Architektur, die schon Kleinwagen darstellen kann. Der Verbrenner-Baukasten MEB (z.B.: VW Polo, Skoda Fabia) stiftet eine McPherson-Aufhängung vorn und eine Verbundlenkerachse hinten. Beides sind günstige Lösungen, die im preissensiblen Kleinwagensegment üblich sind.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Die Wahl der Akkus. Sie werden zwar günstiger, machen aber dennoch den teuersten Einzelposten eines Elektroautos aus. Für die Kleinwagen wendet sich VW deshalb dem aktuellen Industriestandard ab und verzichtet auf Lithium-Ionen-Akkus. Stattdessen kommen sogenannte LFP-Akkus zum Einsatz. Die nutzen Eisenphosphat und wiegen bei gleicher Energiemenge zwar mehr, sind dafür aber günstiger – und langlebiger. Nachteile in der Reichweite fallen in der Stadt kaum ins Gewicht.

Seat Teaser
Cupra baut einen flotten und teuren Elektro-Kleinwagen: Die Serienversion des Urban Rebel kostet rund 25.000 Euro [Quelle: Seat]

Die Elektro-Kleinwagen von VW, Cupra und Skoda

VW lässt in der Elektro-Nomenklatur unterhalb des kompakten ID.3 zwei Stufen frei. Die erste davon will der Hersteller voraussichtlich 2025 besetzen: Der ID.2 wird eine Art Kleinwagen-Crossover-SUV. Er orientiert sich an der auf der IAA 2021 vorgestellten Studie VW ID.Life. Auf Showcar-Extras wie Targa-Dach und Beamer wird das Serienauto verzichten. Größe, Optik und Positionierung dürften aber bereits recht konkret sein. Mit 4,09 Metern Länge misst ddie Studie etwas mehr als heute übliche Kleinwagen und lässt noch Platz für ein kleineres Modell. VW peilt einen Basispreis von 20.000 Euro an.

Das Concept Car ähnelt in seinen Maßen dem VW T-Cross. Ungefähr dort wird sich das Serienauto orientieren. Dann stellt es eine elektrische Alternative zum Basis-SUV dar. Außerdem soll es Kunden auffangen, die eigentlich lieber wieder einen Polo kaufen möchten. Denn der könnte aus Kostengründen an der Umstellung auf die Abgasnorm Euro 7 scheitern – oder sehr teuer und damit uninteressant werden.

Cupra plant derweil mit einer klassischen Karosserieform. Die Serienversion der Studie Urban Rebel (interner Codename: Acandra) orientiert sich am Seat Ibiza, nicht am Arona. Große Flügel wie am Showcar wird es nicht geben. Cupra-Chef Wayne Griffiths deutet aber an, dass das fertige Auto viel vom Concept übernimmt. Im Vergleich mit VW will Cupra das schickere und teurere Auto anbieten: Die Rede ist von einem Einstieg um 25.000 Euro.

Skodas Kleinwagen sind größer als die von VW und Cupra

Skoda fokussiert sich auf Praktikabilität. Das erste Auto der tschechischen VW-Tochter auf Basis von MEB small wird ein Crossover mit dem Kamiq als Vorbild. Es stellt voraussichtlich den gleichen Platz auf einer kleineren Grundfläche dar, weil die Elektrotechnik im Vorderwagen wenig Platz wegnimmt. Das geräumige Heck bietet Spielraum für individuelle Lösungen – vielleicht eine verschiebbare Rückbank und kluge Verstausysteme im Kofferraum.

Eine Studie von Skoda gibt es noch nicht, dafür aber Hinweise aus der Firmenphilosophie. Im Vergleich dürfte Skodas Elektro-Kleinwagen etwas größer ausfallen als die Geschwister von VW und Cupra. Der Hersteller profiliert sich mit Platz und Preis. Voraussichtlich schafft er es sogar, sein Auto günstiger anzubieten als die Markengeschwister. Ausstattungsbereinigt erwarten wir einige hundert Euro Vorteil. 

Seat Cupra Konzept-Fahrzeug
Ohne Spoiler, Verbreiterungen und Hutzen wird aus dem Cupra Urban Rebel in ein paar Jahren ein Elektro-Kleinwagen [Quelle: Cupra]

Bis zu 400 Kilometer Reichweite in den Stadtautos von Cupra, Skoda und VW

Technisch werden sich die Elektro-Kleinwagen von VW, Skoda und Cupra kaum unterscheiden. Aktuell gibt es für die MEB-Fahrzeuge nur einen Heckmotor, der via Software seine designierte (soll heißen: die bezahlte) Leistung definiert. Um die Bauteilvielfalt gering zu halten, wird MEB small mit der gleichen Taktik fahren. Das Leistungsspektrum wird sich voraussichtlich zwischen 66 und 140 kW bewegen.

Die Maße der Kleinwagen begrenzen den Platz für die Batterie. In den Studien von Cupra und VW stecken Akkus mit 55 bzw. 57 kWh Kapazität. Das erscheint realistisch, zumindest für die Spitzenversionen. Sparsame Antriebe könnten mit dieser Energiemenge Reichweiten um 400 Kilometer verwirklichen. Es bleibt nur abzuwarten, ob die fertigen Autos aktuelle Preisprognosen halten können – und wie weit sie dann fahren.

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