Sony Vision-S 02 – Baut der Elektroriese bald ein Auto?

Auf der CES hat Sony seine zweite Autostudie vorgestellt. Steigt der Elektroriese bald ins Autogeschäft ein? Eine Idee, die andere Technologie-Konzerne teilen.

Fabian Hoberg
Fabian Hoberg
Zwei Sony Vision S02 Fahrzeuge nebeneinander
Der Technikkonzern Sony stellt auf der CES-Automesse in Las Vegas, Nevada den Vision-S02 vor [Bildquelle: Sony]

Vor zwei Jahren präsentierte der Elektronikriese Sony auf der größten Elektronikmesse CES in Las Vegas ein Auto. Jetzt zeigt Sony die Iteration dessen – und das Fahrzeug wird realer.

2020 baute Sony das erste Mal Konzeptauto. Nicht allein, sondern mit Partnern wie Magna-Steyr, Bosch, Continental und ZF. Der Name: Vision-S 01. Unter der Haube der Limousine arbeiten zwei 200-kW-Motoren, die das Auto in 4,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen sollten. Die Endgeschwindigkeit gab Sony mit 240 km/h an. Der 4,89 Meter lange Vision S sollte 2020 die Fortschritte Sonys in der Kamera- und Sensortechnik zeigen. 33 Sensoren befanden sich an der Außenseite der Limousine, im Innenraum gab es zahlreiche Displays sowie Sonys 360-Grad-Raumklang. Ob das Konzeptfahrzeug jemals gebaut werden würde, war damals unklar.

Jetzt zeigt Sony die nächste Version seines Elektro-Autos. Der Vision-S 02 baut technisch auf dem 01 auf, ändert seine Form aber deutlich. Statt einer Limousine steht nun ein 4,85 Meter langes SUV auf der Elektroplattform. Erneut treiben zwei E-Motoren mit jeweils 200 kW (272 PS) den Fünftürer an. Damit soll der rund 2,5 Tonnen schwere S 02 diesmal aber nur noch 180 km/h schnell fahren. Speed scheint nicht mehr so wichtig. Wie lange die Batterie für die E-Maschinen hält und wie groß sie ist, sagt Sony nicht. Auch nicht, ob das siebensitzige SUV in Serie gehen wird. Doch anders als vor zwei Jahren stehen die Chancen für eine Serienfertigung besser.

Viel Erfahrung mit Kamerasensoren

Im Innenraum zeigt Sony die eigene Kernkompetenz. Die Insassen sitzen vor drei aneinandergereihten Bildschirmen. Beide Studien nutzen dieselben eMobility- und Cloud-Plattformen. Im Innenraum fokussiert sich Sony auf das Unterhaltungserlebnis mit Infotainment-Angeboten. Links und rechts der beiden kleineren Bildschirmen befinden sich die Displays der Kamera-Außenspiegel. Einen weiteren Bildschirm mit Touchfunktion baut Sony auf die Mittelkonsole. Alle Infotainment-Funktionen harmonieren mit den gängigen Sony-Systemen. Auch im Vision-S 02 steckt umfangreiche Sensorik: Hochauflösende Kameras und Lidar-Systeme überwachen das Umfeld des Fahrzeugs beim automatisierten Fahren.

Sony hat seit Jahren viel Wissen und Erfahrungen mit Kamerasensoren gesammelt, die bisher vor allem in Smartphones zum Einsatz kommen. Autonome Fahrzeuge wären ein dankbarer Abnehmer. Zudem erkennen Sensoren im Innenraum Gesten der Insassen und erleichtern die Bedienung. Einen weiteren Schwerpunkt legen die Japaner auf die Software: Dazu zählen unter anderem eine direkte Smartphone-Anbindung, Over-the-Air-Updates und eine stark den eigenen Wünschen anpassbare Benutzeroberfläche.

Sony Vision S02 seitliche Sicht, fahrend
Die hochauflösenden Kamerasysteme des Sony Vision S-02 unterstützen das Fahrzeug beim automatisierten Fahren [Bildquelle: Sony]

Mit dem Wandel der Autowelt vom Verbrennungsmotor hin zum elektrischen, vernetzten und bald autonomen Auto könnte der Bau von Fahrzeugen für Elektro- und Softwarekonzerne interessant werden. Sie besitzen Wissen und Erfahrung bei Software und Nutzerführung, kennen sich bei Chip– und Batterietechnik aus. Folgende Unternehmen arbeiten am Thema Autobau:

Apple Car

Seit 2014 sollen mehrere tausend Mitarbeiter an einem Apple-Car arbeiten, Codename Titan, Rufname iCar. Genaue Daten und Entwicklungsziele gibt Apple nicht bekannt, auch nicht, ob etwas an den Gerüchten dran ist. Glaubt man Insidern, geht es Apple weniger um ein Auto als um autonomes Fahren und ein neues Gerät (Device) für das eigene Ökosystem. Die Idee: Statt selbst zu fahren und immer auf die Straße zu schauen, können Passagiere in einem autonomen Fahrzeug im Netz surfen – und Apple-Produkte nutzen. Neben der Hardware, also dem Auto oder dem iPhone, zählen dazu Dienste wie iTunes. Zusätzlich könnte Apple interessante Daten zum Nutzerverhalten sammeln und an andere Tech-Unternehmen verkaufen. Damit ließe sich weit mehr und vor allem öfter Geld verdienen als nur beim einmaligen Verkauf (oder monatlichem Leasing) des Autos. Spinnerei? In den vergangenen Jahren gab es schon Gespräche mit Nissan, Hyundai und Kia. Ein konkreter Entwicklungsauftrag folgte jedoch nicht. Brancheninsidern zufolge könnte das Apple iCar 2024 auf den Markt kommen.

Google

Der Suchmaschinen-Riese Google (beziehungsweise Alphabet) plant schon lange eigene Fahrzeuge zu bauen. Seit über zehn Jahren entwickelt Google verschiedene Ideen und Konzepte. 2012 durften Fahrzeuge von Google erstmals autonom in Nevada fahren, mit Sicherheitsfahrer hinterm Lenkrad, der in Gefahrensituationen eingreifen konnte. 2014 stellte Google ein Cityauto vor, das selbständig maximal 40 km/h fuhr. 2017 wurde das Projekt gestoppt. Anders als (vermutlich) Apple plant Google derzeit kein eigenes Modell, sondern konzentriert sich auf die Technik fürs autonome Fahren. Dafür setzt das Unternehmen Waymo (eine Google-Tochter) seit 2016 die Arbeiten von Alphabet fort. Als Basis dient ein Chrysler Pacific Hybrid, in dem die aufwändige Technik fürs autonome Fahren Platz findet. Wie bei Apple und Sony liegt der Schwerpunkt der späteren Dienstleistungen in der Bereitstellung von Services – und nicht im Verkauf von Autos.

Andere Elektronikunternehmen

Auch andere Elektronikfirmen wie die koreanische Firma LG interessieren sich für autonome Fahrzeuge. Beim Robotaxi-Konzept LG Omnipod sitzen Passagiere in einer Unterhaltungskapsel oder einem mobilen Büro. Im Fokus immer: ein riesengroßer Bildschirm, über den Informationen abgerufen werden können. Auch der Mischkonzern Bosch zeigt auf der CES das softwaredefinierte und vernetzte Auto für die Mobilität von morgen. Dazu entwickelte der Zulieferer einen Zentralrechner, um assistiertes und automatisiertes Fahren sicherer zu gestalten. Weitere Komponenten liegen schon seit Jahren im Regal, darunter Elektromotoren, Aggregate, Stellmotoren, Lenkungen und Getriebe. Rein theoretisch fehlt den Bauteilen nur noch die Karosserie. Es ist unwahrscheinlich, dass Bosch jemals ein eigenes Auto bauen wird.

Sony ist da deutlich weiter. Die Japaner haben auf der CES bekanntgegeben, mit der neugegründeten Firma Sony Mobility in die Automobilbranche einzusteigen. Beide Sony-Stromer Vision-S 01 und 02 könnten also tatsächlich auf den Markt kommen. Ob und wann bleibt unklar. 

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