Bombtrack Munroe Cargo - kompaktes Lastenrad im Test

Cargobikes sind praktisch, aber auch groß und schwer. Daher entwickeln immer mehr Hersteller kompakte Modelle, die die Vorteile von Lasten- und Cityrad kombinieren. Geht das? Das Bombtrack Munroe Cargo im Test.

Stefan Weißenborn

Stefan Weißenborn

Das Cargobike Bombtrack Munroe Cargo in der Seitenansicht
Das Bombtrack Munroe Cargo rollt vorne auf einem 20-Zoll-Rad, damit der Gepäckträger noch darüber passt. Bis zu 30 Kilogramm darf das Frontrack tragen. [Bildquelle: Bombtrack]

Hast Du schon einmal eine Langhantel von 40 Kilo gestemmt? Ist ganz schön schwer, aber möglich. Ist der Gegenstand aber nicht richtig zu packen, lässt er sich kaum noch anheben. Viele Lastenräder spielen in dieser Gewichtsklasse. Schon kleine Treppenabsätze können für sie zur schier unüberwindbaren Hürde werden. Doch so will es nur das Klischee.

Denn längst hat sich das Angebot an Cargobikes breit aufgefächert. Neben dem klassischen zweispurigen Lastenrad mit der großen Kiste zwischen den Vorderrädern sieht man neben den einspurigen Long John-Bikes immer öfter auch so genannte Longtail-Modelle, die einen verlängerten hinteren Gepäckträger besitzen. Dieser bietet Platz für bis zu zwei Kindersitze, eine Sitzbank oder Kisten.

Wer jedoch Wert auf wendiges Fahrverhalten legt, wird unter diesen auf Nutzlast getrimmten Bikes kaum geeignete Modelle finden. Es gibt aber auch quirlige Cargobikes – solche bauen zum Beispiel die dänische Marke Omnium oder der Kölner Hersteller Bombtrack. Wir sind dessen Modell Munroe Cargo gefahren.

Bombtrack Munroe Cargo im Test

Der Einsatzzweck: Das Bike eigne sich gut zum Berufspendeln in der Stadt, sagt Bombtrack-Gründer Manuel Schürholz. Und wenn es auf Hin- oder Rückweg mal mehr aufzuladen gebe – warum nicht? „Zementsäcke, Farbeimer oder Getränkekisten lassen sich so problemlos transportieren.“ Manche nutzten das Modell als Zweitfahrrad.

Kommt man mit Schürholz zum Thema Lastenrad ins Gespräch, heißt es, man müsse „gut gestellt“ sein, um eines zu fahren. Was er meint: Cargobikes sind eine teure Sache, nicht jeder kann sich eines leisten. Wer sich auf dem Markt umschaut, merkt schnell: Qualitätsräder sind selten unter 2500 Euro zu bekommen.

Mit dem Munroe Cargo, sagt Schürholz, habe man dagegen ein „preiswertes Lastenrad für den Alltag“ entwickelt, das sich im Handling kaum von einem normalen Rad unterscheide. Auch entsprechend platzsparend sei das Modell, das sich aufgrund seines geringen Gewichts auch mal in den Keller tragen lasse.

Die Technik: Angefangen beim Rahmen: So gewöhnlich der Werkstoff Aluminium, aus dem Gerüst und Gabel gefertigt sind, so ungewöhnlich die Konstruktion in ihrer Form. Gleich zwei Oberrohre besitzt das Munroe Cargo, was den Hauptrahmen verwindungsfest machen soll. Weil die Gepäckträgerlast über das Steuerrohr in den Rahmen eingeleitet wird, habe man sich für das zweite Oberrohr entschieden, sagt Schürholz.

Das Bombtrack Munroe Cargo bringt die Eigenschaften von Cargobikes und Citybikes zusammen [Bildquelle: Bombtrack]

Exotischer Eindruck dank verschieden großer Laufräder

Das Unterrohr ist per Hydroforming gefertigt. Das Verfahren verspricht ebenfalls erhöhte Steifigkeit, ohne dass das Materialgewicht dabei ausufert. Der Rahmen wiegt 3,24 Kilo, 14,8 Kilo bringt das vollständig aufgebaute Bike in Größe M auf die Waage – für ein Lastenrad ziemlich leicht.

Wobei zur Wahrheit gehört, dass die Nutzlast reduziert ist. Liegt die Zuladung bei Cargobikes oft bei 100 Kilo, gibt der Hersteller das Frontrack des kompakten Bombtrack für 30 Kilo frei – mehr als auf einem gewöhnlichen Heckgepäckträger. „Dies reicht für die meisten Einkäufe. Und wenn es doch einmal mehr werden sollte, ist normalerweise das Volumen und nicht das zu hohe Ladungsgewicht der limitierende Faktor“, sagt Schürholz.

Den exotischen Eindruck verstärken die verschieden großen Laufräder. Hinten rollt das Bike auf einer 27,5-Zoll-Felge, vorn rotiert ein 20-Zöller. Steckachsen verhindern, dass man die Räder schief einbaut, der Ein- und Ausbau geht zudem fix vonstatten. Typischerweise passieren dank der Konstruktion auch beim Einpassen der Bremsscheiben kaum Fehler.

Mit Doppelfußständer steht das Cargo-Bike stabil

Der Fahreindruck: Was auf den ersten Metern auffällt: Das Rad ist sehr wendig. Möglich macht es der recht kurze Radstand von 1100 Millimetern (Größe M), vor allem aber das kleine Vorderrad im Zusammenspiel mit dem Lenker, der sich nahezu im 90-Gradwinkel einschlagen lässt. Gleichgewichtskünstler könnten auf der Stelle Kehrt machen.

Weil das Vorderrad klein ist, kann das Frontrack weit unten sitzen. Ladung fährt schwerkpunktgünstig tief mit, die Fahreigenschaften werden bis zu einem gewissen Gewicht und Tempo kaum beeinträchtigt. Zudem beeinträchtigt Ladung vorn das Fahrverhalten weniger negativ als hinten. Der Transport einer Wasserkiste ist möglich, aber ab rund 15 bis 20 km/h beginnt die Rahmenkonstruktion dann doch leicht zu flattern. Aufpassen sollte man auch, dass die Ladung nicht mit dem Lenker ins Gehege kommt.

Der Doppelfußständer leistet gute Arbeit. Selbst mit der aufgesattelten Getränkekiste steht das kleine Cargo-Bike stabil. Nur sollte man darauf achten, dass der Untergrund nicht schief ist, sonst kippt die Fuhre mit einem kleinen Schubser doch um.

Doch für den Kontakt zum Boden sind die Reifen verantwortlich. Und den gestalten sie allein aufgrund ihrer Breite von vorn 2,3 Zoll und hinten 2,2 Zoll komfortabel, so dass man Federungselemente am puristischen Bike nicht vermisst. Sie würden es nur unnötig verteuern – warum, wenn die Dämpfung der Gummis in den meisten Lagen genügt?

Auf Kopfstein wird es allerdings auch mit dem Munroe unbequem, aber das ist auf fast jedem Fahrrad ohne aufwendige Vollfederung so. Schwere Last kann einen dort aber zu besonders langsamer Fahrt zwingen. Was auch am Berg passieren kann. Dafür aber ist das kleine Cargo mit sehr leichten Gängen gerüstet. Andererseits bietet es auch hohe Übersetzungen für schnelle Leerfahrten.

Fahrradbeleuchtung muss extra gekauft werden

Passend dazu: die sportliche Sitzhaltung. Recht gebeugt ist man auf dem Munroe unterwegs. Laufruhe wie auf einem Trekkingrad mit großen Rädern kann man dabei nicht erwarten, aber darauf kommt es im Großstadtdschungel auch weniger an.

Ausstattung, Zubehör, Peripherie: Billig wirkt am Rad nichts, obwohl die Schaltkomponenten des 2×9-Antriebs nicht von den Platzhirschen Shimano oder Sram stammen, sondern von der taiwanesischen Günstigmarke Microshift. Bei den hydraulischen Scheibenbremsen hat sich Bombtrack für Shimano-Ware mit 160-Millimeter-Bremsscheiben entschieden.

Am Rahmen gibt es nur wenige Bohrungen: am Unterrohr, wo typischerweise ein Trinkflaschenhalter justiert wird sowie an den Sitzstreben für einen Heckgepäckträger. Aufnahmen für Schutzbleche sind vorhanden, diese sind jedoch nicht im Lieferumfang enthalten.

Auch eine Fahrradbeleuchtung muss extra gekauft werden, um den Basispreis möglichst niedrig zu halten. Um das Bike bei Wind und Wetter alltagstauglich und in bei Dunkelheit auch verkehrssicher zu machen, sollte man folglich ein Extra-Budget einplanen.

1350 Euro für das Bombtrack Munroe Cargo Bike

Der Preis: Das Bombtrack Munroe Cargo kostet 1350 Euro und ist in zwei Größen erhältlich. Laut Hersteller eignet es sich damit für Körpergrößen zwischen 1,65 bis 1,95 Meter.

Das Fazit: Ein Kinder-Taxi ist das Munroe Cargo nicht – dafür aber wendig und leicht: Das Bombtrack ist ein kompaktes Fahrrad, das die Definition von Lastenrädern nach unten ausdehnt. Allzu sperrige Ladung kann nicht an Bord, doch die Konstruktion ist robust. Und: Unbeladen lässt sich das Bike aus Köln quirliger bewegen als viele normale Fahrräder. So viel Fahrspaß auf einem Cargobike findet man selten – zumal auch der Preis nicht horrend ist.

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